Leserfrage

Kann ich Rückschnitt verlangen?

An dieser Stelle geben Experten kostenlos Rat

Die Frage: Seitdem auf dem Grundstück nebenan zwei große Häuserblocks mit Eigentumswohnungen entstanden sind, wird die Hecke nur noch von uns zurückgeschnitten. Mittlerweile ist dazwischen eine absolute Wildnis mit schnell wachsenden, wilden Büschen und Bäumen entstanden. Die lang auf unser Grundstück überhängenden Buchenhecken- und Brombeertriebe sind einfach nicht mehr von uns hinzunehmen. Meine Briefe an den Verwalter mit der Bitte um Beseitigung werden ignoriert. Ich vermute, dass die Wohngemeinschaft nicht bereit ist, die zusätzlichen Arbeiten zu bezahlen. Andererseits finde ich auch keine eindeutigen Hinweise zur rechtlichen Lage. Wie sieht es da aus?

Der Experte: Hier gelten die gesetzlichen Regelungen der §§ 910 und 1004 BGB. Es handelt sich um einen sogenannten Überhang. Ein Anspruch gegenüber der Wohnungseigentümergemeinschaft auf Entfernung der überhängenden Äste besteht, wenn die Nutzung Ihres Grundstücks beeinträchtigt wird. Ist dies der Fall, sollten Sie die Gemeinschaft unter Fristsetzung auffordern, die Äste zu entfernen. Passiert nichts, können Sie den Überwuchs entfernen und entsorgen lassen. Unter Berufung auf den Paragrafen 1004 – einklagbares Recht auf Beseitigung des Überwuchses – muss die WEG Ihnen dann auch die Kosten für diese Maßnahme erstatten.

Experte: Eric Seele, Mit-Geschäftsführer
bei Gladigau Immobilienwww.gladigau-immobilien.deZusendung von Fragen an:Wohnen.leben@abendblatt.de