Architektur

So wurde aus einem Doppelhaus ein lichtdurchflutetes Domizil

Das Licht kann durch die großen Fenster fallen.

Foto: Jasmin Marla Dichant / Foto: Jasmin Marla Dichant, Innenarchitektur: SDW Design

Das Licht kann durch die großen Fenster fallen.

Ein betagtes Arbeiterhäuschen in Wilhelmsburg verwandelte sich durch einen Wintergarten und Anbau in ein einladendes Wohnhaus.

Hamburg.  Das schmale Haus, das sich unauffällig in die Kette vieler ähnlicher Gebäude einfügt, könnte sehr gut auch in Skandinavien stehen.

Erstaunlich ruhig ist es in dieser Wilhelmsburger Seitenstraße, und wer das Zuhause von Familie Blaufelder betritt, wird überrascht sein von dem Blick in den idyllischen Garten. „Als mein Mann das Haus vor fast zehn Jahren kaufte, da hatte er gar nicht unbedingt vor, dort zu wohnen“, verrät Julia Blaufelder.

Dass sich das Paar mit seinen zwei Kindern heute so wohl in ihrem Heim fühlt, hat vor allem mit dem gelungenen Umbau des ehemaligen Arbeiterhäuschens zu tun.

Dabei begleitete sie die Innenarchitektin Katja Fischer vom Büro SDW Design: „Wenn man ein ganzes Haus umbauen möchte, dann muss man gut zuhören können und viel Einfühlungsvermögen mitbringen, um die Wünsche der Bauherren umzusetzen“, sagt die 43-Jährige.

Alte Loggia weichte dem Wintergarten

Unbestrittenes Herzstück des Gebäudes ist nun die Küche, die bei dem rund viermonatigen Umbau vor drei Jahren vom vorderen Teil des Hauses nach hinten zum Garten verlegt wurde.

„Das Haus war uns insgesamt zu eng und dunkel“, sagt Julia Blaufelder. „Deshalb haben wir uns dort, wo sich eine selbst gezimmerte Loggia befand, für den Anbau eines Wintergartens entschieden. Dieser verdoppelt den Raum nicht nur in seiner Größe, sondern sorgt auch für mehr Helligkeit.“

Besonderer Clou: Der Wintergarten mit anthrazitfarbenen Trägern verfügt über eine Faltschiebetür, die sich unkompliziert öffnen lässt und es erlaubt, den Raum optisch über die holzbelegte Terrasse bis hin in den Garten zu vergrößern.

Ein wunderschöner alter Apfelbaum spendet hier Schatten: „Es ließe sich aber auch problemlos eine Markise nachrüsten“, sagt Katja Fischer.

Böden wurden optisch angeglichen

Dank der Vergrößerung von zwei Türöffnungen fällt aber auch in das benachbarte Wohnzimmer ausreichend Licht. „Wir halten uns jedoch meistens in der Küche auf, hier spielt sich das Leben ab“, sagt die Hausherrin und blickt auf den langen Esstisch mit den bewusst unterschiedlich gewählten Stühlen.

Eine besondere Herausforderung für die Innenarchitektin war die optische Angleichung der beiden Böden im Haus: Während im neu entstandenen Küchenbereich, der nun über Fußbodenheizung und Trittschalldämmung verfügt, geweißte Eiche zu sehen ist, sind im vorderen Teil des Hauses Dielen zu finden.

Eine weitere Besonderheit sei der sandige und feuchte Untergrund in Wilhelmsburg gewesen – der beauftragte Statiker habe diesen mit einem Wackelpudding verglichen.

„Das ganze Haus ist tatsächlich ein wenig schief, es ist schließlich schon sehr alt“, sagt Julia Blaufelder, während sie an dem unter der Treppenschräge neu geschaffenen Gäste-WC vorbei in den oberen Teil des Hauses führt.

Schlafzimmer wuchs um das Doppelte

Dort hat der Anbau die bereits vorhandene Balkonfläche zwar um gut neun Qua­dratmeter kleiner werden lassen, dem Ehepaar dafür jedoch ein doppelt so großes Schlafzimmer inklusive neuem Oberlicht beschert.

„Der Anbau ist eine leichte Holzrahmenkonstruktion mit einer Fassadenverkleidung aus Lärchenholzprofilen, die sich schnell vorfertigen und verbauen lässt“, erläutert Innenarchitektin Katja Fischer. Für das Balkongeländer hat sie die Optik des Wintergartens aufgegriffen.

„Mir gefällt der Kontrast von modernem Anbau und unverputzter, weiß angestrichener Steinwand“, sagt Julia Blaufelder. Die studierte Designerin hat bei allen Umbaumaßnahmen viel Wert auf Details gelegt und sich bemüht, alte Elemente zu erhalten.

In einer Ecke des Kinderzimmers lugen so etwa dunkle Balken hervor, die zur alten Dachkons­truktion gehören. Ein praktisches und dekoratives Element ist die umbaute Therme in der Küche, neben der sich problemlos Nützliches wie der Staubsauger verstauen lässt und deren Verkleidung die 38-Jährige mit Metallfolie und Tafellack hat versehen lassen, sodass die Fläche als Tafel und magnetische Pinnwand dienen kann.

Umbau erfordert vertrauensvolle Zusammenarbeit

Katja Fischer freut sich über den hohen gestalterischen Anspruch ihrer Auftraggeber: „Wir sind nur so gut wie die Bauherren.“ Bei jedem Projekt lege man gemeinsam einen Weg zurück, auf dem ein Entwicklungsprozess stattfinde: „Je intensiver und vertrauensvoller das Verhältnis, desto besser lassen sich Ideen und neue Wünsche umsetzen.“

Auf 116 Quadratmeter hat sich das vormals 95 m2 große Doppelhaus durch die Maßnahme erweitert. Über einen Keller verfügt es nicht, allerdings liegt ganz hinten im Garten, ein wenig versteckt hinter Bäumen, ein massives, zweistöckiges Gartenhaus.

„Früher befanden sich dort Ställe“, erzählt Julia Blaufelder und deutet auf die Nachbargrundstücke, in denen ähnliche Häuschen zu sehen sind – manche nur zum Schuppen, andere von den neuen Bewohnern sogar zur Sauna umgebaut.

Die Blaufelders können sich gut vorstellen, ihr Gartenhaus irgendwann in ein Gästedomizil zu verwandeln. „Strom ist bereits vorhanden, und Wasser haben wir mit einem Leerrohr vorsorglich schon einmal verlegen lassen“, sagt Julia Blaufelder. Sie habe richtig Lust, irgendwann weiterzumachen.

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