Leserfrage

Müssen wir unzählige Begehungen erlauben?

An dieser Stelle geben Experten kostenlos Rat

Die Frage: Unser Vermieter hat uns zum 30. Juni 2019 gekündigt, weil er die Wohnung verkaufen will. Schon jetzt wurde eine Maklerin beauftragt, Käufer zu suchen. Müssen wir uns jetzt über die kommenden Monate hinweg auf Begehungen einstellen?

Der Experte: Wenn Verkaufsbemühungen über einen längeren Zeitraum andauern, müssen auch Besichtigungen in diesem Zeitraum hingenommen werden. Deren Anzahl muss aber im Rahmen des Zumutbaren bleiben: In der Anfangsphase wird eine Frequenz von drei Besichtigungen à 30–45 Minuten im Monat für grundsätzlich zumutbar gehalten (LG Frankfurt, 2/17 S 194/01), bei länger andauernden Bemühungen sind es weniger Termine. In einem Fall, wo der Vermieter nach anderthalb Jahren noch keinen Käufer gefunden hatte, musste er sich auf einen Sammeltermin im Monat beschränken (AG Hamburg, 43b C 1717/91).

Die Termine sollten werktags stattfinden. Jede Besichtigung muss vom Vermieter vorher angekündigt werden. Wenn im Mietvertrag keine längere Frist vereinbart wurde, sollte bei berufstätigen Mietern eine Vorlaufzeit von mindestens vier Tagen eingehalten werden.

Auf einem anderen Blatt steht die Frage, ob das Mietverhältnis wirksam gekündigt wurde. Ein Wohnraummietvertrag kann vom Vermieter allenfalls bei Vorliegen eines berechtigten Interesses an der Vertragsbeendigung ordentlich gekündigt werden. Die bloße Verkaufsabsicht genügt dafür nicht.

Experten: Rechtsanwalt Markus Wiegmannwww.klemmpartner.deZusendung von Fragen an:Wohnen.leben@abendblatt.de

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