Energie

Darum lohnt es, auf Fotovoltaik oder Solarthermie zu setzen

Im Schnitt wird rund ein Drittel des durch eine Fotovoltaikanlage erzeugten Stroms auch im Haushalt verbraucht.

Im Schnitt wird rund ein Drittel des durch eine Fotovoltaikanlage erzeugten Stroms auch im Haushalt verbraucht.

Foto: Nestor Bachmann / dpa-tmn

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet einen Eignungs-Check-Solar an. Die Investition in Fotovoltaik und Solarthermie wird gefördert.

Hamburg/Berlin.  Die Resonanz war groß, als Andreas Jatzkewitz, Energieberater der Verbraucherzentrale Hamburg, kürzlich zu einem Vortrag zum Thema „Solarenergie – wie man sie effektiv nutzt“ in die Kirchenallee 22 am Hauptbahnhof einlud.

Dort informiert die Verbraucherzentrale nahezu in regelmäßigen Abständen auch zu diesem Thema. Trotzdem sind viele Eigentümer und Bauherren offenbar weiterhin unsicher, ob sich die Investition in eine Solar- und/oder Fotovoltaikanlage für sie lohnt. Das konnte jedenfalls Jatzkewitz an diesem Abend beobachten.

Auch deswegen bietet die Verbraucherzentrale ab sofort einen „Eignungs-Check Solar“ an.

Ein unabhängiger Energieberater klärt dabei vor Ort, ob es Sinn ergibt, mit einer Solarwärmeanlage die Warmwasserbereitung oder auch die Heizung zu unterstützen sowie mit einer Fotovoltaikanlage Strom für den eigenen Verbrauch zu erzeugen.

Mit der Fotovoltaikanlage lässt sich Geld verdienen

Die gute Nachricht für Hausbesitzer, die an solche Investitionen denken: Die Preise für diese Anlagen sind im vergangenen Jahrzehnt „um rund 75 Prozent gesunken“, wie Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft in Berlin, mitteilt.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, mit Fotovoltaikanlagen Geld zu verdienen: Wer Solarstrom ins Netz gibt, erhält eine Einspeisevergütung vom Energieversorger. Diese Zahlung erfolgt über 20 Jahre zu einem gleichbleibenden Satz.

In Zahlen: So trägt jeder Einzelne von uns zum Klimawandel bei

Klimakonferenz in Bonn: Die Welt diskutiert, doch wie trägt jeder Einzelne von uns zum Klimawandel bei? Die harten Fakten in Zahlen.
In Zahlen: So trägt jeder Einzelne von uns zum Klimawandel bei

Problem jedoch: Dieser Zuschuss sank über Jahre konstant, und das ist auch künftig zu erwarten.

Dennoch lohnt sich nach Ansicht von Energieberater Jatzkewitz die Investition in eine Fotovoltaikanlage weiterhin. Diese Botschaft ist ihm wichtig. „Die Wirtschaftlichkeit ist weiterhin gegeben“, so der Experte.

Auf einen hohen Eigenverbrauch kommen

Denn der selbst erzeugte Strom sei immer noch günstiger als der aus dem Netz. Aktuell liegt die Einspeisevergütung bei 12,20 Cent je Kilowattstunde für neue, kleine Anlagen (Mai 2018).

Zum Vergleich: Wer Strom vom Versorger bezieht, zahlt je nach Anbieter bis zu 30 Cent je Kilowattstunde. Das trifft auch für Anlagenbesitzer zu, die bei schlechter Witterung zukaufen müssen. Daher ist es ratsam, bei der Investition in eine Fotovoltaikanlage auf einen hohen Eigenverbrauch zu setzen.

Doch wie gelingt das? Durch mehrere Maßnahmen, wie Jatzkewitz erläutert.

„Zum Beispiel sollte man zunächst auf den Wetterbericht schauen, bevor man die Waschmaschine anmacht. Wird dort Sonne für den nächsten Tag angekündigt, sollte man die Maschine besser nicht am Abend anmachen.“

Auch das Duschverhalten sollte man ähnlich davon abhängig machen. Je nach Anlage und Nutzungsverhalten ließen sich damit auch ohne Speicherung rund 15 bis 30 Prozent des selbst erzeugten Stroms nutzen.

Batteriespeicher noch nicht effizient genug

Und wie ratsam ist es, in Hausbatterien und Wärmespeicher zu investieren, um nicht genutzten Strom zu speichern?

Der Hamburger Energieexperte wiegelt ab. „Diese Investition zahlt sich noch nicht aus.“ Noch seien die Geräte zu wenig effizient und zu teuer, Preissenkungen seien aber absehbar. Sein Rat deshalb: Auf die technische Weiterentwicklung setzen und abwarten.

Eine Einschätzung, die Florian Bublies, Energieberater der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, teilt. Nach seiner und Jatzkewitz’ Beobachtung entscheiden sich Verbraucher bislang meist aus primär ökologischen und weniger aus finanziellen Gründen für die noch recht junge Technologie.

In den Speichersystemen steckt laut Bublies aber Zukunftspotenzial: Das Elektroauto etwa lasse sich damit kostengünstiger aufladen. Und verbunden mit Wetterprognosen registriere die Batterie, wann es trübe wird und sie einen Stromvorrat für den Tag anlegen muss.

Trotz Förderung die Investition gut abwägen

Auch gibt es aktuell für die Systeme noch Geld über die KfW Förderbank: neben einem zinsgünstigen Kredit auch einen Tilgungszuschuss, der zehn Prozent der förderfähigen Kosten beträgt.

Trotzdem mahnt der Verband Privater Bauherren (VPB), die Investiton kühl abzuwägen, „denn mit dem Fördergeld sind auch Einschränkungen verbunden“. Wichtig in jedem Fall: Förderung gibt es nur, wenn die KfW den entsprechenden Antrag vorab genehmigt hat.

Bei solarthermischen Anlagen lohnt sich für Eigentümer und Bauherren in Hamburg, zuvor die Genehmigung bei der Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) einzuholen.

In Kombination mit weiteren Zuschüssen der Stadt Hamburg könne man bis zu 6600 Euro abrufen, ohne diese zurückzahlen zu müssen (!), teilt das Solarzentrum Hamburg mit, das dazu kostenlos im Kompetenzzentrum der Handwerkskammer in Harburg berät.

Hamburg fördert zusätzlich mit eigenem Programm

„Die Stadt fördert mit bis zu 200 Euro pro Quadratmeter Bruttokollektorfläche (im Neubau mit 150 Euro) den Bau von Anlagen zur kombinierten Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung.

Außerdem gibt es zusätzlich Geld, wenn gleichzeitig eine energiesparende Heizungsanlage eingebaut wird“, sagt Leiterin Karin Maring. Stimmen die Bedingungen wie Lage, Ausrichtung und Dachneigung des Hauses, können sich Investitionen dieser Art also durchaus lohnen.

Solar- und Fotovoltaikanlagen lassen sich problemlos nachrüsten und im Bedarfsfall erweitern. Derzeit gehen Experten davon aus, dass sich eine Anlage zur Trinkwassererwärmung für einen Haushalt mit vier Bewohnern im Rahmen von 20 Jahren amortisiert.

Und so funktioniert der Eignungs-Check

Bei dem rund einstündigen Termin werden relevante Daten, wie die Eignung der Dachflächen oder die Einbindung der notwendigen Anlagenkomponenten geprüft. Im Anschluss gibt es einen Kurzbericht, der einen Überblick liefert, wie „solartauglich“ die Immobilie ist und über die weiteren Schritte informiert.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet diesen Check dank Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium für 40 Euro an. Falls gewünscht, können weiterführende Hilfestellungen zur Umsetzung gegeben werden

Generell ist es sinnvoll, einen Vorab-Termin in einer Beratungsstelle wahrzunehmen, um grundlegende Fragen im Vorwege zu klären. Diese Beratungen sind kostenfrei, eine Terminvereinbarung ist aber erforderlich.

Zum Start des Angebots verlost die Verbraucherzentrale Hamburg zehn kostenfreie Eignungs-Checks Solar unter den ersten Anrufern, die sich unter Tel. 248 32-250 anmelden möchten. Unter dieser Rufnummer ist auch eine Terminvereinbarung für die Persönliche Vorab-Beratung möglich.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.