Leserfrage

Sind Kiesgärten wirklich pflegeleicht?

An dieser Stelle geben Experten kostenlos Rat

Frage: Unsere Nachbarn haben ihren Vorgarten vollständig mit Kies bedeckt, übrig sind nur zwei immergrüne Büsche und der Weg zur Haustür. Andernorts sieht man so etwas auch immer häufiger. Uns machen die Beete immer viel Arbeit, daran würden wir gerne etwas ändern. Meine Frage deshalb: Sind Kiesgärten wirklich so pflegeleicht, wie immer behauptet wird?

Der Experte: Es gibt diese leer geräumten Flächen, auf die eine dicke Schicht Kiesel, Schotter oder Sammelsteine gelegt wird, darunter ein Vlies, damit das Unkraut nicht durchwächst. Diese Flächen machen anfangs sicherlich recht wenig Arbeit. Aber in verrottenden Laubresten und sonstigen Ablagerungen wurzeln herangetragene Samen, sodass es bereits nach wenigen Jahren von alleine grün wird. Um das zu unterdrücken, müsste ständig geharkt oder gejätet werden. Herbizide sind in diesem Zusammenhang übrigens nicht erlaubt. Die ersehnte Pflegeleichtigkeit ist also schnell Makulatur. Dazu kommen die hohen Herstellungskosten, das schlechte Mi­kroklima und eine monotone Optik.

Und: Kein Insekt, keine Biene, keine Hummel findet hier Nahrung. In Zeiten des allseits beklagten Insektensterbens sind Kieselflächen also keine gute Alternative. Etwas anderes sind Flächen, die von Natur aus kiesig sind, also magere Standorte. Hier kann man durchaus tolle Gärten anlegen.

Experte: Soeren von Hoerschelmann,
Garten- und Landschaftsarchitektwww.gaertenvonhoerschelmann.deZusendung von Fragen an:Wohnen.leben@abendblatt.de

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