Sekretär

Auf diesen Schreibdienern lässt sich schön arbeiten

Der Sekretär Humphrey von Qitoya ist aus Mahagoni gefertigt und besticht

Foto: QITOYA GmbH

Der Sekretär Humphrey von Qitoya ist aus Mahagoni gefertigt und besticht Foto: QITOYA GmbH

Diese Tischlerarbeiten überzeugen mit Finesse. Sie sind klappbar, schmal und bieten dazu viel Stauraum. Andere ähneln Kunstobjekten.

Hamburg.  Keaton, Curtis, Humphrey oder Swanson – ihre Namen stehen für Glamour und Internationalität sowie für außergewöhnlich praktische Schreibtische, die in Funktionalität und Design an kleine Reisemöbel zu Kolonialzeiten erinnern.

„In gewisser Weise stimmt das auch“, sagt Tobias Wendt, der zusammen mit Awi Wiesel die Firma Qitoya führt. Nur werde heutzutage alles in nachhaltiger Produktion hergestellt.

So komme zum Beispiel jedes Stück Leder vom Rind, werde aber geprägt als Eidechsen-, Kroko- oder Rochenhautimitat. Und bei Holz werde zwar Mahagoni verwendet, aber eben nur solches von alten Fenstern, Türen oder Treppen.

Durchlässe für Kabel sind vorhanden

„Mit zeitgemäßen Design­ergänzungen, zum Beispiel kräftig violett oder lindgrün gefärbtem Wildleder für Falttaschen, oder Durchlässen für PC-Kabel erfüllen unsere Möbel Ansprüche an einen Schreibsekretär“, sagt Wendt.

Curtis (ab 3490 Euro) erweist sich bei näherer Betrachtung als echtes Raumwunder. Ausgestattet mit fünf Schüben – ein Auszug kann dabei wie ein separater Aktenkoffer mitgenommen werden –, einem klappbaren Tisch und einer Unterlage zur Nutzung als Stehpult ist das Möbel recht vielseitig.

Mit einem Eigengewicht von etwa 20 Kilogramm ist es aber auch ein Gepäckstück für zwei Personen; die seitlichen Haltegriffe fordern geradezu dazu auf. Wer aber das Möbel nur einmal nach Hause trägt und es dort als Schreibplatz nutzt, wird daran seine Freude haben.

Automatisch klappt sich das Gestell zusammen

Sehr praktisch ist auch das Model Keaton (1290 Euro), auf das die Bezeichnung „mobiles Möbel“ wahrlich zutrifft: Mit zwei Handgriffen hat Tobias Wendt die Scharniere auf der Unterseite geöffnet, und schon kann der kleine Schreibkoffer geschlossen werden.

Das fest montierte Scherengestell klappt automatisch zusammen, und das Möbel kann weggestellt werden. Natürlich muss vorher nichts leer geräumt werden, denn kleine Behälter und Falttaschen sorgen für Stauraum.

Marmor und Linoleum werden verwendet

Mit amerikanischem Nussbaum, Linoleum oder Marmor arbeitet dagegen Thomas Specht in seiner Tischlerei Holz-Specht. Unter dem Namen Schaffenskunst haben der Tischlermeister und seine Schwester Katharina, eine Architektin, einen Schreibtisch entworfen.

„Wir haben bewusst Marmor und Linoleum gewählt, da derzeit viele Elemente aus den 60er- und 70er-Jahren wieder gefragt sind“, erläutert Thomas Specht seinen Entwurf.

Zudem eigne sich Linoleum besonders gut, da es warm und weich sowie eine sehr gute Schreibunterlage sei, auf der sich sogar die PC-Maus gut bedienen lasse.

Mit dieser Sonderfertigung (ab 4200 Euro) hat der Tischlermeister auf der Design-Messe Blickfang in Hamburg viele bewundernde Blicke geerntet. „Natürlich kann ich den Schreibtisch jederzeit nachbauen“, erklärt Specht. Die Arbeitszeit betrage etwa 60 bis 70 Werkstunden.

Das Wandregal ähnelt einem Altar

Passend zum Schreibtisch haben die Geschwister auch noch das „Utensilo“ entworfen. Dabei handelt es sich um ein klappbares Wandregal, ähnlich einem Altar, das durch seine beiden tieferen Kofferschranktüren viel Stauraum am Schreibtisch bietet und nach Erledigung der Arbeiten einfach geschlossen werden kann.

Auf Einzelstücke hat sich auch die Möbeltischlerin Ragna Gutschow spezialisiert. Schon ihr Vater Halvor Gut­schow fertigte auf höchstem Niveau Holzeinbauten für Milliardäre wie Aristoteles Onassis und Stavros Niarchos.

„Durch die Ausbildung bei meinem Vater habe ich das Gespür für das Detail bekommen, aber im Design habe ich doch meinen eigenen Stil entwickelt“, erzählt die 58-Jährige, die ihre Möbel in einer Werkstatt in Wedel fertigt und jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit im Museum für Kunst und Gewerbe ausstellt.

Modell verwandelt sich in ein Stehpult

Eines ihrer Lieblingsstücke ist der Sammelschrank (etwa 4000 Euro). Ragna Gutschow hat ihn schon in mehreren Ausführungen für Kunden gebaut – mit seiner kleinen Schreibklappe bietet er sich auch als Mini-Stehpult an.

Er wird in Ahorn oder Kirsche gefertigt; die Griffe sind aus Silber. Auch sie in handwerklicher Familientradition hergestellt von Petra Gutschow, der Schwester der Tischlerin. Sie ist Goldschmiedin und fertigt genau nach Vorgabe die Griffe.

Bei der Oberflächenbehandlung des Holzes variiert Ragna Gutschow auf zweierlei Weise: So bietet sie das Möbel in Ahorn nur geseift und in Kirsche nur geölt an.

„Ahorn geölt wirkt für meinen Geschmack immer leicht gelblich, das mag ich nicht. So habe ich mich für geseift entschieden“, erklärt die Tischlerin.

Kunden gibt sie Anleitungen, wie sie Oberflächen bei Bedarf leicht selbst aufarbeiten können, wenn die Stücke nach einigen Jahren Gebrauchsspuren zeigen. „Ich zeige genau, wie man seift oder ölt, und das kommt gut an“, erzählt die Tischlerin.

Mit Seifenlauge Oberflächen bearbeiten

Die weißliche Seifenlauge müsse beispielsweise vier- bis fünfmal aufgetragen werden, „und dazwischen erfolgt dann immer wieder ein feiner Zwischenschliff“.

Nur so würde sich die feine Haptik ergeben, wie man sie von alten Kneipentischen kennt. Um ein solches Möbel herzustellen, brauche es sechs bis acht Wochen.

Auf LED-Beleuchtung setzt indessen der Schweizer Hersteller USM Haller bei seiner Produktlinie USM Haller E. Die Niedervolt-Stromführung erfolgt bei diesem Möbel, das es auch im angesagten Gelb gibt, durch Kugel und Rohr, der klassischen Systembauweise, wie sie schon seit über 50 Jahren auf dem Markt ist.

„Die Leucht- und USB-Einsätze werden bündig im Rohr eingeklinkt und sind praktisch nicht sichtbar“, erklärt Heyco Hoops, Innenarchitekt bei Gärtner Internationale Möbel, diese Weiterentwicklung des Klassikers.

Der „E-Home“-Arbeitsplatz (ca. 4000 Euro) erhält durch die Beleuchtung und die Farbe ein besonderes, sehr modernes Erscheinungsbild. Vor dunklem Hintergrund wirkt er sogar wie ein kleines Kunstobjekt.

Ideal für sehr schmale Flure

An einen iPod erinnert dagegen der sehr schmale Sekretär Flatmate, entworfen von dem Designer Michael Hilgers (998 Euro). Mit einer Tiefe von gut zwölf Zentimetern findet er in jedem Raum Platz und ist ideal, wenn er mit einem Klappstuhl kombiniert wird, der zusammengeklappt an die Wand gestellt oder gehängt wird.

www.qitoya.com
Die Möbel der Firma sind in Hamburg in der Milchstr. 11 zu sehen. www.ragnagutschow.dewww.holz-specht.dewww.usm.comwww.gaertnermoebel.de

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