Ehrenamt

Ihnen gelingt es, gute Nachbarschaft erlebbar zu machen

Gerda Fatum organisiert als Genossenschaftsmitglied regelmäßig Kaffeerunden in der Harmsenstraße.

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Gerda Fatum organisiert als Genossenschaftsmitglied regelmäßig Kaffeerunden in der Harmsenstraße.

Viele Menschen in Stadtteilen und Genossenschaften machen durch ihre freiwillige Arbeit in Projekten und Treffs Gemeinschaft möglich.

Hamburg.  "Ich bin ein echtes Genossenschaftskind. Schon meine Großeltern und meine Eltern haben bei der altoba gewohnt", sagt Gerda Fatum.

Weil sie die Idee genossenschaftlichen Wohnens so wichtig findet, engagiert sich die Osdorferin seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Altonaer Spar- und Bauverein (altoba) – einerseits als Genossenschaftsvertreterin, andererseits als Vorstand des gemeinnützigen Vereins Vertrautes Wohnen. Er wurde vor 21 Jahren gegründet und hat inzwischen über 400 Mitglieder.

Die rund 70 ehrenamtlichen Unterstützer machen sich dort auf vielfältige Weise für die Gemeinschaft stark – beispielsweise als Kursleiter für Yoga oder Swingtanz in einem der fünf Nachbarschaftstreffs, als Begleiter auf Veranstaltungen oder als Helfer bei Familienfesten.

Gerda Fatum organisiert unter anderem die Kaffeerunde im Nachbarschaftstreff Harmsenstraße (Ottensen), außerdem betreut und begleitet sie Tagesausflüge und Kurzreisen.

Die Arbeit macht Spaß und hält jung

Mal geht es zum Spargelessen ins Alte Land, mal nach Bad Bevensen. "Diese Tätigkeiten sind sehr erfüllend. Man lernt viele nette Menschen kennen, erfährt viel positive Resonanz und schließlich hält es auch noch jung", freut sich die 80-Jährige.

"Nur dank der vielen freiwilligen Helfer ist es möglich, ein so vielfältiges Angebot mit dem Ziel guter Nachbarschaft anzubieten", sagt altoba-Sprecherin Silke Kok. Die genossenschaftliche Idee der Selbsthilfe und Selbstverantwortung werde damit auf lebendige Weise neu interpretiert.

Dass die Ehrenamtlichen auch dazu beitragen, Vereinsamung und Anonymität in der Hansestadt vorzubeugen, unterstreicht Monika Böhm, Vorstandsvorsitzende des Arbeitskreises Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften.

"Wir bieten damit nicht nur hochwertigen Wohnraum, sondern auch Raum für Gemeinschaft", sagt sie. Auch bei ProQuartier arbeiten viele Ehrenamtliche. Um die Wohnqualität und -zufriedenheit zu verbessern, die soziale und kulturelle Infrastruktur vor Ort zu stärken und soziale Teilhabe zu fördern, entwickelt das Tochterunternehmen der SAGA Unternehmensgruppe Konzepte und Projekte für Stadtteile und ihre Wohnungsbestände.

Begleitung zu Theater- und Arztbesuchen

Das Projekt "Nachbarschaft AHOI" ist beispielsweise eine Anlaufstelle für Nachbarschaftshilfe in Neuwiedenthal. Hier können Menschen, die soziale Kontakte, Begleitung oder Unterstützung im Alltag brauchen, mit anderen zusammenkommen, die sich für Nachbarn freiwillig engagieren.

Die Ehrenamtlichen gestalten und organisieren dort das Nachbarschaftscafé, übernehmen aber auch Einkäufe, begleiten bei Theater- oder Arztbesuchen oder nehmen sich einfach nur Zeit fürs Klönen.

Das Projekt wurde von ProQuartier aufgebaut, im letzten März hat das DRK Harburg die Trägerschaft übernommen.

"Ein anderes tolles Beispiel ist das der Fahrradretter des Vereins Bergedorfer für Völkerverständigung", erzählt Maike Mahlstedt, Mitarbeiterin von ProQuartier. In einem ehemaligen Wasch- und Trockenraum bereiteten Ehrenamtliche einmal pro Woche gespendete Altfahrräder auf und vergeben diese an Bedürftige. Unterstützung bekommen sie dabei von Geflüchteten. Mittlerweile konnten so mehrere Hundert Fahrräder abgegeben werden.

Arbeit erstreckt sich auch auf Wohnungslose

Die Liste der Hamburger Einrichtungen, in denen freiwilliges Engagement gern gesehen und meistens auch gesucht ist, ist lang. In vielen Seniorenwohnanlagen wird vorgelesen oder gemeinsam getanzt.

Darüber hinaus tragen viele freiwillig Engagierte in den Unterkünften von fördern & wohnen dazu bei, dass das Leben wohnungsloser Menschen und Geflüchteter auf engem Raum weniger belastend wird.

Mit über 1000 Projekten und Einsatzmöglichkeiten bietet auch die Diakonie Hamburg ein großes Angebot für freiwilliges Engagement in der Stadt. Die Stadtteilmütter in Altona/Bahrenfeld und Osdorf/Lurup etwa unterstützen Familien mit Migrationshintergrund. Und im Projekt "SeniorPartner Diakonie" entlasten Freiwillige ältere Menschen und deren Angehörige zu Hause. Die mehr als 100 Freiwilligen besuchen regelmäßig rund 150 Senioren. Dabei steht ihnen ein Team von Pflegefachkräften und Sozialpädagogen zur Seite.

Wo Freiwillige aktiv werden können, ist thematisch dargestellt unter www.diakoniehh.de/freiwillig-projekt-finden und/oder auf der Homepage der Hamburger Freiwilligen-Agenturen: www.freiwillig.hamburg

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