Leserfrage

Wer muss den Rückbau bezahlen?

An dieser Stelle geben Experten kostenlos Rat

Die Frage: In unserer Eigentumsanlage hat der Mieter im Erdgeschoss seine Terrasse erweitert und Zypressen gepflanzt. Wir haben dies stillschweigend geduldet ebenso wie die Erweiterung der Terrasse. Inzwischen sind die Bäume gut drei Meter hoch. Ein Eigentümer fordert jetzt den Rückbau der Terrasse und den Rückschnitt der Bäume. Der Vermieter der Parterrewohnung meint, es gelte Gewohnheitsrecht. Stimmt das ?

Die Expertin: Den Eigentümern in der Anlage kann ein Anspruch auf Rückbau der Terrasse gegenüber dem Eigentümer zustehen, dessen Mieter die Beeinträchtigung verursacht hat. Der Vermieter muss dann die Kosten für diese Maßnahme tragen. Dieser kann sich ebenso wenig wie sein Mieter auf ein Gewohnheitsrecht berufen. Allerdings kann ein Anspruch auf Rückbau verjährt sein, es gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Sie beginnt mit dem Zeitpunkt, indem der Eigentümer Kenntnis von seinem Beseitigungsanspruch erlangt oder hätte erlangen können. Es kommt also darauf an, wann die Vergrößerung der Terrasse wahrnehmbar war. Ob eine Entfernung der Zypressen verlangt werden kann, hängt davon ab, ob diese auf dem Sondernutzungsrecht gepflanzt sind. Ist dies der Fall, wird im Rahmen ordnungsmäßiger und üblicher Gartenpflege zumindest der Rückschnitt verlangt werden können, der dann vom Sondereigentümer vorzunehmen ist.

Experte: Ricarda Breiholdt, Fachanwältin
für Miet- und Wohnungseigentumrechtwww.breiholdt-voscherau.deZusendung von Fragen an:Wohnen.leben@abendblatt.de