Hinter Hamburgs Haustüren

Überraschend: So wohnt eine Hamburger Innenarchitektin

Hausbesuch bei Einrichtungsberaterin Cornelia Loew; in ihrer Wohnung in der Bebelallee. Immobilien / Hedda Moeller

Hausbesuch bei Einrichtungsberaterin Cornelia Loew; in ihrer Wohnung in der Bebelallee. Immobilien / Hedda Moeller

Foto: Andreas Laible

Innenarchitektin Cornelia Löw liebt den Mix aus Kulturen, Epochen und Stilrichtungen. Das wird in ihrer Wohnung in Alsterdorf spürbar.

Ein Hausbesuch bei einer namhaften Innenarchitektin weckt große Erwartungen: Perfekt durchgestylte Räumlichkeiten aus einem Guss erheben sich vor dem geistigen Auge. Jeder Raum präsentiert sich als sorgfältig komponiertes Ensemble unter Mitwirkung von Möbelklassikern namhafter Designer, mit Tapetenkulissen in gerade angesagten Designs, Haptiken und Farbtönen, abgerundet von einer ausgeklügelten Lichtplanung.

Nicht so bei Cornelia Löw. Im Gegenteil. Die 120 Quadratmeter große Wohnung der Interior-Designerin in einer Villenetage in der Bebelallee wirkt schon beim ersten kurzen Rundgang, als wollte sie vor allem eines: bloß nicht diesem weit verbreiteten Klischee einer professionellen Raumausstatterin entsprechen, die alles perfekt einrichtet.

Statt wie aus einem Katalog hat sie vor allem die beiden ineinander gehenden Wohnräume mit der offenen Küche sehr persönlich, äußerst eigenwillig und vor allem kreativ gestaltet. Chinesische Hochzeitsschränke treffen hier auf Art-Deco-Möbel, aus einer Ecke grüßt eine Buddha-Statue, die Wände sind dekoriert mit Kunst aus überwiegend eigener Herstellung: So hat sie etwa Rahmen mit Seidenstoffen bezogen oder mit traditionellen Obis, den schärpenartigen Gürteln japanischer Kimonos.

Die Liebe zu schönen Stoffen lebt die ausgebildete Modedesignerin damit auch sichtbar in ihrer Arbeit als Innenarchitektin aus. Auch die Zierkissen auf dem Bett im Schlafzimmer und die Rückenlehnen hat sie nach eigenen Entwürfen fertigen lassen. Und aus ihrer Sammlung indischer Seidenschuhe hat sie verschiedenfarbige Exemplare übereinanderdrapiert – und damit so etwas wie ein Kunstobjekt geschaffen.

Nach der ersten Begehung bittet die Hausherrin zum Kaffee auf das rote Chesterfield-Sofa auf der Südseite der Wohnung. „Mein Mann und ich leben hier seit 13 Jahren“, erzählt Cornelia Löw. Der Raumschnitt der Wohnung habe ihr von Beginn an gefallen. „Die Zimmerflucht von Süd nach Nord mit Wohn- und Essbereich sowie integrierter Küche vermittelt ein großzügiges Wohngefühl, gleichzeitig so etwas wie Geborgenheit.“

Wohnung ist den eigenen Bedürfnissen angepasst

Im übrigen Teil der Wohnung sind noch ein separates Schlafzimmer mit Blick ins Grüne sowie ein Bad und Gäste-WC zu finden. Von Anfang an haben die Interior-Designerin und ihr Mann die Wohnung konsequent den eigenen Bedürfnissen angepasst. „Die Kinder waren aus dem Haus, da brauchten wir keine Rücksicht mehr zu nehmen“, erzählt die dreifache Mutter.

Gefragt, was für sie beim Einrichten unverzichtbar ist, lautet die Antwort „Leben mit Licht“. Gemeint ist damit eine Raumaufteilung und -nutzung, die abgestimmt ist auf den Lauf der Sonne. Die gemütliche Sitzecke zum Beispiel, direkt neben der Küche, fungiert als sogenanntes Morgenzimmer: „Hier scheint die Sonne bis in die Mittagszeit hinein“, sagt Cornelia Löw. Vorher stand an gleicher Stelle der Esstisch. Den hat das Paar auf die Nordseite verlegt, wo an schönen Tagen oft bis in die späten Stunden die Abendsonne den Raum in ein „fast magisches Licht“ taucht. Cornelia Löws Rat lautet: „Die weit verbreitete Logik, Küche und Speisezimmer räumlich zu koppeln, sollte jeder unter solchen Umständen hinterfragen.“

Auch bei der Abgrenzung einzelner Wohnbereiche geht es ihr vor allem darum, das Licht frei fließen zu lassen. Mit Tsudaris, feinmaschigen japanischen Vorhängen, hat sie beispielsweise einzelne Bereiche sicht- und fühlbar voneinander abgegrenzt – ohne den optischen Gesamteindruck im Raum zu beeinträchtigen. Das zeigt ein Tsudari, der hinter der Wohnzimmerecke mit der Sofalandschaft und dem Fernseher an einer Deckenaufhängung befestigt ist. Obwohl die Bewohner das Geschehen im übrigen Teil der Wohnung verfolgen können, entsteht so eine intime Raumsituation, die Ruhe und Rückzug ermöglicht. „Ein Tsudari teilt den Raum, ohne ihn zu trennen“, sagt Cornelia Löw.

Alle Möbel stammen aus unterschiedlichen Lebensphasen

Ein weiteres Merkmal der Wohnung ist die radikale Individualität der Einrichtung. Sie zeigt sich in nahezu allen Bereichen. So sticht in der Küche vor allem der mit verschiedenfarbigen Blattmetallen veredelte Kühlschrank ins Auge. Die flankierenden Holzwangen wurden im gleichen Farbton belegt. „Diese Veredelungstechnik habe ich mit meinen Handwerkern selbst entwickelt“, sagt Cornelia Löw. Ein besonderer Blickfang ist auch der französische Induktionsherd der Firma La Cornue mit historischen Armaturen.

Cornelia Löw hat sich bei der Einrichtung der Wohnung keinem spezifischen Stil verschrieben. Alle Möbel und Accessoires stammen aus unterschiedlichen Lebensphasen; zu allen Stücken kann sie eine Geschichte erzählen. Die asiatischen Schränke, die chinesische Konsole oder der Buddha bezeugen ihre Jahre in Fernost, die mit schwarz-weißem Samtstoff bezogenen Art-Deco-Sessel aus massivem Mahagoni stammen von einem Antik-Trödelmarkt.

Im Schlafzimmer spiegelt sich ihre Vorliebe für die Farbe Lila, die sich etwa in den mit Libellen bestickten Zierkissen, dem Bettvorleger und Vorhängen findet. „Diese Farbe berührt und beruhigt mich“, sagt sie. Von dem Kissenmotiv hätte sie geträumt, bevor sie die Stickerei in Auftrag gegeben hätte. Ihr Rat: „Jeder sollte sich von solchen Eingebungen leiten lassen und sein Zuhause nach seinen inneren Bildern und Bedürfnissen gestalten.“

Das trifft auch auf ihren Balkon zu, von dem aus der Blick über ein weitläufiges Gartenareal bis zum Alsterlauf wandert. Der wird, wie jedes Jahr, in den warmen Monaten zum zweiten Wohnzimmer. Auf ihrem Smartphone zeigt sie Fotos von einer bunten, loungeartigen Sitzlandschaft und üppiger Bepflanzung. „An schönen Tagen gibt es für mich keinen schöneren Ort als meine eigene Wohnung und diesen Balkon“, sagt die Einrichtungsexpertin.