Immobilien

Recht auf Einsicht aller Unterlagen?

Die Frage:Unsere Wohneigentümer­gemeinschaft hat den Beschluss gefasst, ­Malerarbeiten ausführen zu lassen. Der Verwalter hatte zugesagt, und auch im Protokoll der letzten Eigentümerversammlung festgehalten, dass er neben dem Kostenvoranschlag einer ins Auge gefassten Firma noch zwei weitere Angebote für die anfallenden Arbeiten einholen will. Auf meine Nachfrage hin wurde mir nur einer dieser ­Kostenvoranschläge zugesandt, auf die (angeblich) anderen wurde bisher nur schriftlich verwiesen. Haben wir Eigentümer das Recht, alle Unterlagen einzusehen?

Die Expertin:Jeder Eigentümer hat einen Anspruch, sämtliche Verwaltungsunterlagen, die im Zusammenhang mit dem Objekt stehen, einzusehen. Dies gilt auch zur Überprüfung der jährlichen Verwalter­tätigkeit. Für die Einsicht sind keine weiteren Voraussetzungen nötig, wie beispielsweise ein besonderes rechtliches Interesse oder aber eine Ermächtigung durch die übrigen Eigentümer in der Wohnanlage. Es besteht allerdings auch kein Anspruch auf Herausgabe der Originalunterlagen, weil die Versendung der Unterlagen zu jedem Eigentümer für den Verwalter einen unzumutbaren Aufwand bedeutet. Außerdem ist das dadurch entstehende Verlustrisiko mit den Grundsätzen ordnungsgemäßer Verwaltung unvereinbar.

Die Einsichtnahme von Unterlagen kann deshalb auch nur grundsätzlich in den Geschäftsräumen des Verwalters stattfinden, der dafür aber zeitnahe Termine anzubieten und einzuhalten hat. Das Recht auf Einsichtnahme wird nur durch das Verbot des Rechtsmissbrauchs oder des Schikaneverbots begrenzt.

Expertin: Inka Al-Kabbany ist Fachanwältin
für Miet- und Wohnungseigentumsrechtwww.hohebleichen21.deZusendung von Fragen an:Wohnen.leben@abendblatt.de