Sanierung

Wie ein altes Haus wieder ganz neu wird

Niels und Nicole Stehn
und Tochter Nuria-Marie
fühlen sich wohl
im neuen Haus

Niels und Nicole Stehn und Tochter Nuria-Marie fühlen sich wohl im neuen Haus

Foto: Roland Magunia / HA

Familie Stehn zog wie erhofft und geplant zu Weihnachten von Winterhude in ihr frisch saniertes Domizil in Ammersbek im Kreis Stormarn.

Weihnachten im eigenen Haus feiern. Das war das Ziel der Familie Stehn, als sie sich im August an die Arbeit machten, ein Siedlungshaus aus den 30er-Jahren in Ammersbek nahe Volksdorf umzubauen. Und das haben sie auch geschafft. Rechtzeitig zum Fest konnten sie einziehen und es sich im eigenen Heim gemütlich machen.

Das Abendblatt hatte seinerzeit über die Pläne der Familie berichtet, die zu diesem Zeitpunkt noch in Winterhude wohnte. Jetzt sind die Bauarbeiten abgeschlossen – und der modernisierte Altbau nimmt sich in der Siedlung mit der schneeweißen Putzfassade und den dunkel abgesetzten Fenstern wie ein Neubau aus. Noch sind einige Kleinigkeiten zu erledigen: So müssen neue Lampen ausgewählt werden und vieles andere. Auch der Carport steht noch nicht. Aber Niels Stehn ist zuversichtlich, dass das nicht auf die lange Bank geschoben wird. Bekanntlich werden ja 80 Prozent der Bauarbeiten in 20 Prozent der Zeit erledigt, und für die restlichen 20 Prozent benötigt man die verbliebenen 80 Prozent der Zeit.

„Nein, nein“, wehrt er ab. „Das wird nicht passieren.“ Schließlich soll im Frühling der große Garten auf Vordermann gebracht und der alte Hühnerstall an der hinteren Grundstücksgrenze wiederhergestellt werden. „Dann werden wir uns auch Hühner anschaffen“, sagt Nicole Stehn. Töchterchen Nuria Marie, die sich schon im neuen Haus eingelebt hat, kann sich also noch auf einige Überraschungen freuen.

Die Entscheidung, das gut 80 Jahre alte Haus zu sanieren und keinen Neubau zu planen, hat die Familie nicht bereut. „Der Grundriss war soweit in Ordnung und wurde durch den Anbau und die Verlegung der Treppe in unserem Sinn verbessert“, sagt Stehn, der als Designer tatkräftig an der neuen Grundrissgestaltung mitgewirkt hat.

Dass sie die gesamte Baumaßnahme in so wenigen Monaten über die Bühne bringen konnte, verdankt die Familie auch der tatkräftigen Mithilfe von Freunden und der beiden Väter, die beide mal in der Baubranche tätig waren, jetzt aber in Rente sind. „Mein Vater hatte die Bauaufsicht. Er hat dafür gesorgt, dass die Arbeiten ohne Zeitverzug nach unseren Vorstellungen erledigt wurden“, sagt Niels Stehn. Von Arbeiten, die nur von Fachleuten erledigt werden durften, hätten sie aber die Finger gelassen. „Die Ausführungsplanungen wurden beispielsweise von einem Ingenieurbüro gemacht. Aus meiner Sicht wirklich etwas, was man Profis überlassen sollte“, betont Stehn.

Doch man kann noch so gut planen – vor bösen Überraschungen ist man nicht gefeit. „Durch den Rückbau haben wir das Haus erst richtig kennengelernt“, sagt der Bauherr. So hatte sich unter einer Holzvertäfelung Schimmel gebildet, und wegen eines Baufehlers aus den 30er-Jahren hatte ein Fußboden vier Zentimeter Gefälle. Daraufhin mussten die Dielen entfernt, Estrich gegossen und neue Dielen verlegt werden. „Und als wir uns die alte Haustür vornehmen wollten, brach unerwartet ein Stück Mauerwerk heraus“, erzählt Stehn. Jetzt betritt man das Haus durch eine moderne Glastür.Von dem Missgeschick mit der Mauer ist nichts mehr zu sehen. „Kaum hatten wir das Dach abgedeckt, fing es auch noch langanhaltend an zu regnen“, erzählt Stehn weiter. „Es blieb nichts anderes übrig, als das Ganze mit Planen abzudecken und abzuwarten.“

Erst dann konnte das Dach mit roten, flachen Dachpfannen neu eingedeckt werden.Bodenaushub wurde zur Erhöhung der Terrasse verwendet

Das alles blieb nicht ohne Konsequenzen. „Letztlich hat uns der Umbau zehn bis 20 Prozent mehr gekostet als ursprünglich gedacht.“ Ein Teil dieser Mehrausgaben ist auch auf Sonderwünsche zurückzuführen, die sich während der Bauarbeiten ergaben. „Wenn man schon baut, dann auch richtig“, sagt Stehn. Also wurde der Kamin jetzt im Wohnzimmer eingebaut. „Später wäre es aufwendiger und teurer geworden“, sagt der Bauherr. Er hat die Erfahrung gemacht: Einzelposten machen sich oft erst in der Summe bemerkbar.

Doch es gab auch unerwartete Einsparungen. So wurde der Bodenaushub für den Anbau nicht abgefahren, sondern auf Anraten des Bauunternehmers zur Erweiterung der höher gelegenen Terrasse verwendet.

Nach der Sanierung, dem Einbau von dreifach verglasten Fenstern und einigen Sonnenkollektoren auf dem Dach erfüllt das Haus den KfW-100-Standard. Das moderne Äußere verdankt es dabei aber auch dem Anbau, der die Dachlandschaft neu strukturiert hat. „Durch ihn haben wir den Wohnbereich vergrößern können und im oberen Stockwerk zwei neue Zimmer und ein Bad gewonnen“, freut sich das Paar. Eines der beiden Zimmer bewohnt die kleine Nuria Marie. Sie kann in den Dachraum gucken. An einem Dachbalken hängt ihre Schaukel. Daneben liegt das Gästezimmer, von dem aus man über eine Leiter in einen kleinen Raum unter dem alten Dachfirst gelangen kann. „Hier können zur Not weitere Gäste schlafen“, sagt Nicole Stehn.

Der durch den Anbau erweiterte Wohnbereich liegt im hinteren Teil des Hauses, wo die Vorbesitzer mit einfachen Mitteln einen ebenerdigen Anbau hingestellt hatten. Zum offenen Grundriss des neu verputzten und erweiterten Wohnbereichs gehört auch der Küchenteil mit Tresen zum Essen und Klönen. Hier hat Töchterchen Nuria Marie auch ihren kleinen Kinderherd aus Holz, an dem sie fleißig kocht.

Das alles wird durch große Fenster gut belichtet. Die Jalousien sind in die Dämmung eingelassen. „Auf Gardinen haben wir verzichtet, die würden nur den Blick in den Garten verbauen“, erklärt Nicole Stehn. Und der wird nach der geplanten weiteren Bepflanzung zum Komfort im neuen Heim beitragen. Keine Frage, es lässt sich gut leben im alten, neuen Haus in Ammersbek.

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