Immobilien

Aufgehübscht verkaufen sich Immobilien besser

Aus diesem Wohnbereich verschwanden dunkle Leder- und Eichenmöbel. Kaufinteressenten bekommen jetzt einen hellen und modernen Raum präsentiert

Aus diesem Wohnbereich verschwanden dunkle Leder- und Eichenmöbel. Kaufinteressenten bekommen jetzt einen hellen und modernen Raum präsentiert

Foto: talocasa/Küppers / HA

Mit Home Staging und dem richtigen Vermarktungskonzept lassen sich selbst Problem-Immobilien vermitteln. Die Investion in diese Form der Vermarktung lohnt sich, da für Haus oder Wohnung danach mehr geboten werden

Andreas Gnielka ist selbst überrascht, wie schnell Wohnimmobilien derzeit in Hamburg einen neuen Käufer finden. „Häuser in Reinbek beispielsweise sind innerhalb von vier Wochen vom Markt“, sagt der Bereichsleiter Wohnimmobilien bei Grossmann & Berger. Kein Wunder: Zinsen für Baugeld sind weiterhin niedrig, und das Sparbuch als Geldanlage ist keine wirkliche Alternative.

Was aber, wenn sich die eigene Immobilie als Ladenhüter entpuppt? „Dann könnte im Home Staging die Lösung liegen“, sagt Sandra Küppers, Geschäftsführerin der gleichnamigen Agentur in Hamburg. Die Immobilie werde dann mit Möbeln und Accessoires speziell für den Verkauf inszeniert. „Man muss sich das vorstellen wie eine Einladung zu einem guten Essen. Da sorgt man auch für eine schöne Tischdekoration“, sagt die Stylistin, die bereits in Fernsehsendungen ihre Dekorationskunst unter Beweis stellte.

Im Gegensatz zu professionellen Anbietern von Immobilien – Bauträgern, Maklern und Projektentwicklern, die sich längst des Home Staging bedienen, indem sie mit schicken Musterwohnungen werben und damit die Kauflust erhöhen – haben private Anbieter diese Chance zur Vermarktung noch zu selten auf dem Schirm.

„Dabei lässt sich mit Home Staging die Immobilie nicht nur schneller verkaufen und vermieten, ihr Preis erhöht sich im Schnitt auch um bis zu 18 Prozent“, weiß die 47-jährige Einrichtungskünstlerin zu berichten. Dieser Wert beziehe sich auf das höchste Kaufgebot, das vor der Verschönerung der Immobilie erzielt werden konnte, so die Expertin weiter.

Daniela Ferber, die gemeinsam mit Kollegin Jutta Noruschat ihre Dienste unter dem Namen Optimmo Home Staging anbietet, hat ähnliche Beobachtungen gemacht. „Immobilien, die aufgehübscht wurden, werden grundsätzlich schneller und zum besten Preis verkauft“, sagt die Hamburgerin. Allerdings möchte sie die in Aussicht gestellte Wertsteigerung in Höhe von 18 Prozent zumindest für Hamburg relativieren. „Das kommt zwar vor, ist aber nicht die Regel, weil das Preisniveau in der Hansestadt schon sehr hoch ist.“

Wer denkt, diese Form der Vermarktung sei nur etwas für Luxus-Immobilien, der irrt: „Gerade für Menschen mit durchschnittlichem Geldbeutel, die sich vielleicht nicht das tollste Objekt in der besten Lage leisten können, sind gestagte Immobilien gut“, sagt Küppers. Die gezielte Inszenierung zeige ihnen nämlich, was in den Räumen möglich sei. „Die wenigsten Menschen haben die Fähigkeit, sich das vorzustellen“, so die Expertin weiter. Dafür sähen sie aber bei unmöblierten, leerstehenden Immobilien die kleinsten Mängel sofort.

Daniela Ferber betont an dieser Stelle, dass es nicht die Aufgabe des Home Staging sei, Mängel zu kaschieren. „Im Gegenteil: Wir sprechen Eigentümer auf offensichtliche Mängel an und geben ihnen Tipps, wie sie behoben werden können.“ Das Home Staging erfülle aber die Funktion, Vorzüge der Immobilie in den Fokus zu rücken. „Befindet sich beispielsweise ein Golfplatz in der Nähe, stellen wir Golfschläger in ein Ecke. Das sind Verkaufsargumente, die wir mit der Deko sichtbar machen“, sagt Küppers.

Mancher könnte jetzt auf die Idee kommen, die Inszenierung von Haus oder Wohnung selbst in die Hand zu nehmen. Küppers gibt jedoch zu bedenken, dass man gegenüber der eigenen Immobilie immer ein wenig „betriebsblind“ ist und potenzielle Käufer oft andere Wünsche und Vorstellungen haben als Eigentümer. Auch rechne sich das Aufhübschen aus eigenen Mitteln nicht, „da niemand über ein Möbel- und Accessoire-Lager verfügt wie wir Profis.“ Eine Provision von zwei bis drei Prozent bezogen auf den höher erzielten Verkaufspreis sei da günstiger.

Gleichwohl kann man Dienstleistungen auch in Paketen abrufen. Bei Ferber und ihrer Kollegin fallen für das Basic-Paket (Beratung und Erstellung eines Konzeptes, das der Eigentümer selbst umsetzt) 199 Euro an. Für das Premium Paket (Beratung und Erstellung eines Konzepts, Umsetzung gemeinsam mit der Expertin) werden 499 Euro berechnet. Und wer sich für das „All-inclusive-Paket“ entscheidet, sollte einen Tagessatz von etwa 480 Euro zugrunde legen (jeweils zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer).

Ein Gratis-Tipp zum Schluss: Bei Besichtigungen sollten möglichst wenige persönliche Dinge in den Räumen zu sehen sein. „Je mehr Hotelflair oder Ferienwohnungscharakter die Immobilie hat, desto besser“, sagt Küppers. Und: „Ich würde jedem raten, nicht mit der Vermarktung zu beginnen, bevor das Haus sich nicht von seiner schönsten Seite zeigt. Kein Interessent kommt ein zweites Mal, weil der Garten dann schöner aussieht.“ Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, über bauliche Maßnahmen nachzudenken oder rechtliche Beschränkungen aufzuheben“, weiß Wagner. Eine Patentlösung gebe es aber nicht.

Wo sich der Verkauf einer Immobilien hinziehe, sollte die Zusammenarbeit mit einem fachkundigen Makler erwogen werden. „Er kann das Marktumfeld analysieren und so Kaufanreize herausarbeiten, die vielleicht nicht auf den ersten Blick auffallen. Vielleicht gibt es auch ein alternatives Nutzungskonzept, mit dem man die Immobilie vermarkten kann“, sagt Wagner.

Der Zeitpunkt für einen Verkauf sei jedenfalls günstig. „Viele Käufer sind derzeit bereit, Abstriche beim Kauf einer Immobilie zu machen.“

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