Verbrauchertipp

Vorbereitet in die Heizsaison

Spätestens jetzt sollte die Heizung professionell gewartet werden

Spätestens jetzt sollte die Heizung professionell gewartet werden

Foto: dpa Picture-Alliance / McPHOTO / picture alliance / blickwinkel/M

Der Bund fördert den A ustausch oder die Modernisierung der Anlage. Ein neues EU-Label soll von Ende September an Verbrauchern beim Kauf einer energieeffizienten Anlage helfen. Doch das allein sollte nicht die Grundlage für eine Investition sein.

Der Herbst, und damit auch die nächste Heizsaison, rücken näher. Wer nicht weiß, ob er seine alte Heizung gegen eine neue austauschen soll und dankbar für Tipps ist, wie man beim Heizen Geld sparen kann, sollte sich Dienstag, den 8. September vormerken. An diesem Tag informiert Michael Hell, Diplom-Physiker und Energieberater, in der Verbraucherzentrale Hamburg, Kirchenallee 22, ab 18.30 Uhr kostenlos zu diesen Themen.

Denn offenbar bedarf es noch einer Orientierung: Drei Viertel aller Anlagen sollen nach Angaben deutscher Schornsteinfeger nicht auf dem neuesten Stand der Technik sein und unnötig viel Energie verschwenden. Dabei ließen sich durch eine neue Heizungsanlage bis zu 30 Prozent Energiekosten einsparen. „Die Investition lohnt sich also oftmals, zumal seit Jahresanfang alle Öl- und Gasheizungen, die vor 1985 installiert wurden, ausgetauscht werden müssen“, sagt Hell. Dies gebe die Energieeinsparverordnung (EnEV) vor. Heizungskessel dürfen außerdem nur noch maximal 30 Jahre genutzt werden.

Neue Eigentümer haben zwei Jahre Zeit für einen Austausch der Anlage

Ausgenommen von der Austauschpflicht sind Kessel mit einem hohen Wirkungsgrad sowie Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die seit 1. Februar 2002 in diesen Häusern mindestens eine Wohnung selbst nutzen. Im Falle eines Verkaufs ist die Pflicht vom neuen Eigentümer innerhalb von zwei Jahren zu erfüllen.

Zwar soll ein neues EU-Label von Ende September an Verbrauchern beim Kauf einer energieeffizienten Anlage helfen. „Allerdings spielt die Einbausituation und die richtige Bedienung eine große Rolle, die durch das Label naturgemäß nicht abgebildet werden kann“, sagt Hell. Hier bestehe also Beratungsbedarf. „Vor der Anschaffung einer neuen Heizungsanlage sollten sich Interessenten immer von unabhängigen Fachleuten beraten lassen“, rät der Experte.

Nicht immer läuft es auf einen Austausch des Heizkessels hinaus. Manchmal lassen sich schon mit einfachen Maßnahmen Brennstoffverbrauch und Schadstoffausstoß drosseln. So lässt sich beispielsweise mithilfe des hy­draulischen Abgleichs – dabei wird das ganze System vom Kessel bis zu den Ventilen optimal abgestimmt – bis zu 110 Euro Heizkosten jährlich in einem Einfamilienhaus einsparen. Darauf weist Wiebke Lübben, Projektleiterin der Kampagne „Meine Heizung kann mehr“ von der gemeinnützigen Initiative co2online hin. Rund 400 bis 1000 Euro müssten Hausbesitzer für den hydraulischen Abgleich investieren. Dieser ist zugleich Voraussetzung für eine Förderung durch die staatliche Förderbank KfW. Diese hat die Fördermittel für Modernisierung oder Austausch erst vor Kurzem aufgestockt. Außerdem bezuschusst die Bank mit bis zu 800 Euro auch die Vor-Ort-Energieberatung in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Unterstützung für die Sanierung einer Heizung gibt es bei der KfW aus der Produktfamilie „Energieeffizient bauen und sanieren“. Im Programm 152 wird die Umrüstung einer Heizung auf Basis der fossilen Brennstoffe Gas und Öl gefördert. Die neuen Heizkessel müssen die effiziente Brennwerttechnik haben oder Kraft-Wärme-Kopplungen (KWK) sein. Solche Anlagen erzeugen gleichzeitig Strom. Auch der Anschluss an ein Nah- oder Fernwärme-netz wird gefördert. Die Konditionen betragen bis zu 50.000 Euro Kredit zu einem Zinssatz von 0,75 Prozent oder einen einmaligen Investitionszuschuss von zehn Prozent (max. 5000 Euro). Erneuerbare Energien sind in diesem Programm nicht vorgesehen, weil sie vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gefördert werden. „Der Gesetzgeber wollte so eine Doppelförderung mit öffentlichen Mitteln ausschließen“, sagt „Wer über den Austausch einer Heizung nachdenkt, hat jetzt die besten Möglichkeiten“, sagt KfW-Mitarbeiterin Manuela Mohr. Die Bank vergebe aber über das Programm 167 einen Ergänzungskredit, wenn die Heizung mit erneuerbaren Energien kombiniert werde – bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit. Die Programme 152 und 167 laufen über die Hausbank, die den Kredit bei der KfW beantragt. Alternativ kann man im Programm 430 einen Investitionszuschuss direkt bei der KfW beantragen. Er beträgt bei einer Einzelmaßnahme zehn Prozent und bei einer Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus maximal 18.750 Euro. In einer anderen Produktfamilie fördern KfW und Bafa die Verwendung von erneuerbaren Energien zur Erzeugung von Wärme. Das sind Solarthermie, Biomasse, KWK oder Wärmepumpen. Allerdings ist das Programm mit der Nummer 271 in erster Linie für Investoren gedacht, die große Anlagen neu errichten. Es können aber auch Privatpersonen gefördert werden, wenn die erzeugte Wärme ausschließlich für den Eigenbedarf genutzt wird.

Wer mit erneuerbaren Energien heizen möchte, für den ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) der Ansprechpartner. Es zahlt die Fördermittel, mit denen die Bundesregierung seit dem 1. April einen Anreiz für Investitionen geben will. „Hausbesitzer können sich auf deutlich höhere Investitionszuschüsse für Solar-, Biomasse- und Wärmepumpenanlagen freuen“, sagt Bafa-Sprecherin Christiane Fuckerer.

Anmeldungen zum Vortrag in der Verbraucherzentrale unter www.vzhh.de oder Tel. 24 832-250.

Eine thermische Solaranlage mit zwölf Quadratmetern Kollektorfläche, die Energie für Heizung und Warmwasser liefert, wird mit mindestens 2000 Euro gefördert. Wieder neu eingeführt wird die Förderung für Solaranlagen zur reinen Warmwasserversorgung: Bei einer Kollektorfläche von drei bis zehn Quadratmeter gibt der Staat 500 Euro dazu, bis 40 Quadratmetern 50 Euro pro Quadratmeter.

Für Pelletkessel wird die Förderung von 2400 Euro auf 3000 Euro angehoben. Den Einbau eines Pelletkessels mit Pufferspeicher unterstützt der Staat mit mindestens 3500 Euro, bei Brennwerttechnik sind es mindestens 5250 Euro. Werden solche Biomasseanlagen mit einer Solarkollektoranlage oder einer Wärmepumpe kombiniert oder wird der Kessel an ein Wärmenetz angeschlossen, gibt es zusätzlich 500 Euro. Und wer schon eine Ökoheizung hat, kann sie noch verbessern: „Der Bund gibt nun auch Zuschüsse für die nachträgliche Optimierung“, sagt Fuckerer.

Für kleine Kellerkraftwerke, die Mini-KWK, gibt es darüber hinaus ein eigenes Programm bei der Bafa. Die Basisförderung richtet sich nach der elektrischen Leistung und liegt zwischen 1900 Euro und 3500 Euro. Besonders energieeffiziente Mini-KWK-Anlagen können zusätzlich einen Bonus von 25 Prozent bekommen. Einen Stromeffizienzbonus erhalten Anlagen mit einem besonders hohen elektrischen Wirkungsgrad, der nach heutigem Stand der Technik besonders von Brennstoffzellen erreicht wird.