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Ein Umzug von Winterhude nach Ammersbek

Niels und Nicole Stehn mit Tochter Nuria Marie vor ihrem Haus im Kreis Stormarn. Sie wollen es bis Weihnachten bezugsfertig saniert haben

Niels und Nicole Stehn mit Tochter Nuria Marie vor ihrem Haus im Kreis Stormarn. Sie wollen es bis Weihnachten bezugsfertig saniert haben

Foto: Marcelo Hernandez

Eine Hamburger Familie wagt die Sanierung eines Siedlungshauses, um mit Garten am Stadtrand zu wohnen. Wenn alles glatt läuft, sollen die Arbeiten bis Weihnachten abgeschlossen sein. Das Abendblatt wird die Familie abschließend noch einmal besuchen.

Im Haus arbeiten die Handwerker, und auch die Bauherren packen mit an. Muskelhypothek nennt man solche Eigenleistungen. Zur selben Zeit spielt Nuria Marie, die kleine Tochter von Niels und Nicole Stehn, in dem großen Garten hinter der Baustelle. Ihre Geburt war letztlich der Auslöser, die in dem Designer und der Chirurgin den Wunsch wachsen ließen, ihre Wohnung in Winterhude aufzugeben und sich eine Bleibe am Stadtrand zu suchen. „Ich bin in den Walddörfern aufgewachsen und meine Frau in einem Dorf bei Wetzlar“, sagt Niels Stehn. Da lag es nahe, wieder zu den Wurzeln zurückzukehren. „Anstelle eines Balkons wollten wir wieder einen Garten.“

Bei der Suche nach einem Haus ließ sich das Ehepaar Zeit. „Wir haben gut ein Jahr lang den Markt beobachtet“, sagt Niels Stehn. „Im Internet hatten wir einen Suchauftrag laufen, aber wir haben uns die vielen Angebote nur auf dem Bildschirm angesehen.“ Bis dann eines Tages ein Baugrundstück in Ammersbek ihre Aufmerksamkeit weckte. „Wir hatten verstärkt in dieser Gegend gesucht, weil einige Freunde aus meiner Jugend, die es nach dem Studium auch nach Winterhude gezogen hatte, wieder in die Walddörfer und Umgebung zurückgezogen sind.“

Und jetzt waren sie auf ein 1070 Quadratmeter großes Grundstück gestoßen, das in einer 1936 gebauten Siedlung mit weiß verputzten Einfamilien-Typenhäusern lag. Da die ersten Bewohner der Siedlung sich verpflichten mussten, etwas Landwirtschaft und Viehzucht für den Eigenbedarf zu betreiben, waren die Grundstücke entsprechend großzügig geschnitten. „Das große Grundstück fiel uns natürlich sofort ins Auge“, erzählt Niels Stehn.

Ins Auge fiel allerdings auch, dass das ziemlich in die Jahre gekommene und seit den 1960er-Jahren mit einer grauen Fassadenabdeckung verschlimmbesserte Wohnhaus ebenfalls noch stand. „Das hätten wir erst abreißen müssen, um neu bauen zu können.“ Verschiedene Varianten – darunter der Bau eines Doppelhauses – wurden diskutiert und verworfen. „Kauf, Abriss und Neubau – das rechnete sich nicht.“ Schnell war den Stehns klar: Sie würden weiter suchen müssen.

Doch dann die Überraschung, als sie bei der erneuten Suche wieder auf dieses Grundstück in Ammersbek stießen. Diesmal wurde es nicht als Baugrundstück, sondern als Grundstück mit einem zu renovierenden Altbau angeboten. „Renovieren und Modernisieren? Das war eine Überlegung wert“, sagt Stehn.

Nach einer gründlichen Besichtigung mit seinem Vater, einem Bauingenieur im Ruhestand, stand fest: Die Bausubstanz war in Ordnung, Mauerwerk und Balken stabil und der Keller trocken. Noch besser, das Haus hatte auch Potenzial. Mit etwas Fantasie ließ sich aus dem alten Typenhaus etwas machen.

Jetzt konnte der Zeichenstift gespitzt werden – nicht um die Finanzierung erneut durchzurechnen, sondern um Ideen zu Papier zu bringen, wie das Haus einmal aussehen sollte. „Das hat viel Spaß gemacht“, sagt Designer Stehn. „Ich bin ja kein Architekt, also habe ich recherchiert, was man aus alten Häusern alles machen kann.“ Erst als ihr neues Heim auf dem Papier konkrete Formen angenommen hatte, wurde der Kaufvertrag unterzeichnet.

Eines stand von vornherein fest. Der Hühnerstall am Ende des langen Gartengrundstücks, das seit etlichen Jahren eine große, von Büschen und Bäumen umstandene Rasenfläche bildet, sollte nach Abschluss der Bauarbeiten erhalten und als solcher auch wieder genutzt werden. Sobald die Umbauarbeiten sich dem Ende nähern, wollen auch die drei Stehns einziehen. Auf keinen Fall wollen sie die einzelnen Bauabschnitte über Jahre strecken und ewig auf einer Baustelle leben. „Unser Ziel ist es, Weihnachten in Ammersbek zu feiern.“ Bis dahin wollen sie viel Muskelhypothek investieren und auch auf ihre Urlaubsreise verzichten.

Es war also keine Zeit zu verlieren. Ein Ingenieurbüro wurde beauftragt, die Zeichnungen in Planungszeichnungen umzusetzen, die bei den entsprechenden Behörden eingereicht werden können. Der neue offene Grundriss mit einem Wohn-, Küchen- und Essbereich als Lebensmittelpunkt, einem Arbeits-, einem Gästezimmer und einem Schlafzimmer nebst zwei Kinderzimmern im Dach wurden schnell genehmigt. Einige nicht tragende Wände sollten entfernt werden, aber die Berechnungen hatten ergeben, dass das problemlos möglich war. Eine Verzögerung ergab sich jedoch unerwartet bei der Genehmigung eines Carports. Doch auch das klappte schließlich.

Jetzt konnten die Freunde der beiden Bauherren endlich anrücken und das Haus von der grauen, heruntergekommenen Fassadenabdeckung befreien, die vor einigen Jahrzehnten angebracht worden war. Wie erhofft, fanden sich unter der Abdeckung keine Schäden im Mauerwerk. Nach nur wenigen Stunden harter Arbeit zeigte sich das Haus wieder im gleichen Weiß wie die Nachbargebäude. „Wir werden die Fassade natürlich dämmen und sie anschließend wieder weiß verputzen lassen“, sagen die Bauherren. Mit der neuen Grundrissgestaltung ist der Umbau noch nicht getan. Viele alte Teile müssen durch neue ersetzt werden. Das Dach beispielsweise muss neu eingedeckt, die Hauselektrik neu verlegt werden und Türen und Fenster ausgetauscht werden. Schließlich soll auch noch eine Solaranlage auf das Dach kommen.

Das Abendblatt wird die Familie nach ihrem Einzug in das sanierte Haus besuchen.

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