Gestaltung

Schöner wohnen im Urlaub

Eine  Ferienwohnung im Ostseequartier nach der Beratung durch Britta Thunecke und Innenarchitektin Synne Marienfeld

Eine Ferienwohnung im Ostseequartier nach der Beratung durch Britta Thunecke und Innenarchitektin Synne Marienfeld

Foto: Thunecke/Marienfeld / HA

Gäste erwarten von Ferienapartments einen höheren Ausstattungsstandard als zu Hause. Zwei Frauen erklären ihr Konzept für eine optimale Vermarktung. Vermietern raten sie nach dem Motto vorzugehen: das Beste ist gerade gut genug.

Britta Thunecke ist ein Vollblutprofi, dennoch freut sie sich jedes Mal wie ein Kind, wenn die von ihr und der Innenarchitektin Synne Marienfeld gestalteten Ferienwohnungen an den Start gehen. Alles muss stimmen: Nicht nur die jeweiligen Webseiten haben einladend und übersichtlich auszusehen, auch der Grundriss und die Einrichtung der Immobilie müssen so gestaltet sein, dass der Gast nichts vermisst in den wenigen Tagen im Jahr, in denen er urlaubt. Um ganz sicherzugehen, dass auch wirklich alles perfekt ist, lassen die beiden Profis die Wohnungen zum Schluss vom ortsansässigen Tourismusverein klassifizieren. So wie das Ostseequartier in Kronsgaard in der Region Angeln. Die kleine Anlage mit fünf Ferienwohnungen wurde gerade mit fünf Sternen ausgewiesen und wird offiziell am 3. Juli eröffnet.

Schon jetzt sind die Wohnungen, nur 80 Meter entfernt von Strand und Meer, nahezu bis in den Herbst hinein belegt. Das zeigt der Blick auf die Homepage www.ostseequartier.de. Alles spricht dafür, dass sich die Investition von 1,4 Millionen Euro in die Wohnanlage für Benjamin Thomsen, Eigentümer der Wohnungen, gelohnt hat. „Mir liegen sogar Anfragen von Menschen vor, die bislang in benachbarten Apartmentanlagen Wohnungen gebucht haben“, freut sich der 38-Jährige. Die umsichtige und professionelle Neu-Planung der Anlage, Jahre zuvor durch einen Brand zerstört, habe bei vielen wohl Eindruck gemacht, sagt er.

Britta Thunecke und Synne Marienfeld waren dafür im Herbst 2013 die Impulsgeber. „Beide hielten damals einen Vortrag über die Vorstellungen und Wünsche, die Gäste an Ferienwohnungen haben, und wie man diese am besten vermarktet“, erinnert sich Thomsen. Er war von den Ausführungen so angetan, dass er die bereits erstellten Pläne eines Architekten verwarf und sich von den beiden Frauen ein neues Vermietungs- und Vermarktungskonzept erstellen ließ.

Das sah vor, das Gebäude nicht in sieben, sondern fünf Ferienwohnungen zu unterteilen mit Flächen von 100, 60 und 40 Quadratmetern. „Damit erweiterten wir die Zielgruppe von Singles und Paaren auf Gruppen und Familien mit bis zu sechs Personen“, sagt Thu­ne­cke, die Tourismuswissenschaft und Betriebswirtschaft studiert hat. Auch ermutigten die beiden Frauen den jungen Vermieter darin, es bei der Ausstattung der Wohnungen an nichts fehlen zu lassen. „Ich bin ihrer Beobachtung gefolgt, dass Ferienwohnungen heutzutage eine neue Wertigkeit haben. Hier wird höchster Komfort erwartet“, sagt Thomsen. Er könne sich noch daran erinnern, dass seine Großeltern für die erste Ferienwohnung, die sie in Kronsgaard errichteten, das eigene Schlafzimmer ausräumten. „Heute ist es so, dass der Gast im Urlaub sogar einen höheren Standard in seinem Urlaubsdomizil vorfinden möchte, als er ihn zu Hause hat“, sagt Britta Thunecke.

Dieser Erkenntnis folgend wurden alle Wohnungen nicht nur mit einem Kamin, sondern teilweise sogar mit Sauna oder Infrarotkabine ausgestattet. Das Mobiliar wiederum spiegelt ein helles, maritimes Flair wider. „Die Mischung macht’s: Ikea-Schränke stehen in schönstem Einklang neben Boxspringbetten aus einer Kieler Bettenmanufaktur, und auf den Nachttischen stehen Designerlampen aus Holland“, sagt Thunecke. Der Clou sind aber die Kissen. „Sie wurden nach unseren Wünschen angefertigt. Das kostet nicht die Welt und macht alles um vieles individueller“, ergänzt Innenarchitektin Marienfeld. Gleiches gelte für die Bilder an den Wänden: „Selbst geschossene Fotos von der Umgebung, einfach auf Leinwand gezogen.“

Thomsen ist vom Endprodukt begeistert. Von den Kosten für die Beratung und Planung will er eigentlich nicht reden. „So ganz weiß ich es auch nicht, aber die Investition wird sich zehnfach auszahlen. Da bin ich sicher.“

Thunecke und Marienfeld freuen sich, dass immer mehr Menschen ihre Beratung suchen und die Vermietung professioneller gestalten wollen. Veranstaltungen wie das Designkontor im Auftrag des Touristikvereine sorgen dafür, dass sich ihr Bekanntheitsgrad erhöht. Hier berichtet Thunecke von ihren vielen Beobachtungen, was Gäste erwarten. Dabei profitiert sie auch von ihren Erfahrungen als ehemalige Mitarbeiterin eines großen Ferienhausanbieters auf der dänischen Insel Fanø. „Dort war ich Ansprechpartnerin für Wünsche und Reklamationen der Gäste“, sagt die 43-Jährige. Die Arbeit dort habe ihr auch gezeigt: Der deutsche Markt funktioniert anders als in Dänemark. „Hierzulande arbeitet jeder Vermieter allein und mehr oder eher weniger professionell vor sich hin.“

Deutscher Ferienhausmarkt dreimal so groß wie bislang angenommen

Dabei wird dieser Markt vollkommen unterschätzt, wie Tobias Wann, Vorstandschef des Deutschen Ferienhausverbands, unter Berufung auf eine aktuelle Studie betont. Danach entfallen auf die kleineren, privat vermieteten Quartiere rund 71 Millionen Übernachtungen pro Jahr und damit doppelt so viele wie auf den gewerblichen Ferienhausmarkt mit 32 Millionen. „Der deutsche Ferienhausmarkt ist mit rund 103 Millionen Übernachtungen pro Jahr dreimal so groß wie bislang angenommen und generiert einen jährlichen Bruttoumsatz von knapp acht Milliarden Euro“, so Wann weiter.

Und er wird weiterwachsen, wie die Interhyp AG mitteilt. Der Kreditvermittler beobachtet ein reges Interesse von Anlegern an Ferienimmobilien in den Küstenregionen und Bergen. Vorstandschef Michiel Goris warnt jedoch vor überzogenen Renditeerwartungen: „Die Immobilienpreise haben in den gefragten Regionen massiv angezogen. Kaufpreise, die in den Bestlagen von Boden- und Tegernsee sowie mancher Nordseeinsel die Marke von 10.000 Euro pro Quadratmeter durchbrechen, drücken erheblich auf die Rendite.“ Interessenten sollten realistisch kalkulieren, 30 bis 40 Prozent Eigenkapital haben und sich vorab professionell beraten lassen.

Kritisch beleuchten sollte man dabei auch den geplanten Grundriss einer Immobilie. „Wir haben für einen Kunden ein Projekt in einem Ferienhauspark in Pelzerhaken gemacht. Dabei haben wir den Grundriss so verändert, dass er anschließend viel praktikabler war.“ Das Gebäude gehörte danach zu den bestvermieteten Häusern und wurde von anderen Bauherren nachgebaut.

Apropos Pelzerhaken: Dort schießen derzeit die Ferienwohnungen wie Pilze aus dem Boden. Vor wenigen Tagen wurde der erste Spatenstich für die Ferienwohnanlage „Pelzerhaken Südkap“ gefeiert. Konkret errichtet die Otto Wulff Südkap GmbH am Strand der Lübecker Bucht 76 Apartments. Das Konzept sieht vor, diese fertig möbliert zu übergeben – zu Kaufpreisen von etwa 4600 Euro/m2. Etwa die Hälfte der Wohnungen ist bereits verkauft.

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