Outdoor

Beschwingt durch die Freiluft-Saison

Norddeutsche sollen ein Faible für Teakholz und Geflechtmöbel haben.  Geschätzt wird auch, wenn alles witterungsbeständig und pflegeleicht ist

Norddeutsche sollen ein Faible für Teakholz und Geflechtmöbel haben. Geschätzt wird auch, wenn alles witterungsbeständig und pflegeleicht ist

Foto: Jati & Kebon

Möbel für Terrasse und Balkon erscheinen in dieser Saison graziler und leichter. Das liegt auch an den Materialien, die immer öfter zum Einsatz kommen. Zudem werden Stoffe für den Außenbereich immer pflegeleichter

Der Norden tickt anders als der Rest der Republik. Davon ist Nadine Schulze überzeugt. Sie muss es wissen: Sie verkauft Gartenmöbel auf 3000 Quadratmetern in ihrem Geschäft in Volksdorf. Das ist gerade vom Magazin „Schöner Wohnen“ zum Top-Fachhändler des Jahres ausgezeichnet worden. So viel zur Fachkompetenz.

Wenn wir Nadine Schulze Glauben schenken können, dann stehen die Norddeutschen auf Geflechtmöbel, kombiniert mit großen Tischen in Holzoptik – gern „grey-brushed“, von vornherein also in Grauoptik –, und sie lieben es gemütlich und rustikal. Alles muss zudem pflegeleicht und witterungsbeständig sein und darf gern den Eindruck vermitteln, es handle sich um ein Wohnzimmer, das kurzerhand nach draußen verlagert wurde. Die Hersteller haben auf all dies längst reagiert: Sie bieten stylische Accessoires an, um den Outdoorbereich zu möblieren. Sogar Teppiche für Terrasse und Balkon sind erhältlich. Sie geben einem auch an kühlen Tagen oder Abenden bis in den Herbst hinein ein wohliges Gefühl unter den Füßen. Speziell gearbeitete Aussparungen im Grundgewebe sorgen dafür, dass Wasser einfach durchläuft und der Teppich rutschsicher ist. Das junge Designlabel kymo wirbt damit, auch unkonventionelle Materialien wie Sicherheitsgurte dafür einzusetzen.

Auch die Auflagen für Polstergarnituren sind mittlerweile so raffiniert und intelligent beschichtet und mit einem Schaumstoffkern ausgestattet, dass sie trotz Regen draußen bleiben können – und nach einem Guss schnell wieder trocknen. „Das sind mit Teflon beschichtete Stoffe, sie sind wasser- und schmutzabweisend“, sagt Schulze.

Dies alles hat natürlich seinen Preis: Nicht selten kommen vier- bis fünfstellige Beträge zusammen für eine hochwertige Garnitur, bestehend aus Tisch, Stühlen und Loungesesseln. „Aber das ist für viele Kunden kein Problem mehr“, sagt Nadine Schulze.

Das deckt sich mit Beobachtungen des Verbandes der deutschen Möbelindustrie: Im vergangenen Jahr gaben die Deutschen doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren für die Möblierung des Außenbereichs aus. Rund 2,8 Milliarden Euro kamen so zusammen – rund 50 Millionen Euro entfielen davon auf Möbel aus deutscher Produktion.

Die Firmen hierzulande danken dies durch beste handwerkliche Verarbeitung, einen nachhaltigem Umgang mit Materialien und dem Hinweis darauf, dass Möbel aus ihren Kollektionen noch Jahre später problemlos nachbestellbar sind. „Kein ganz unwichtiger Punkt – das unterscheidet unsere Produkte von denen aus dem Baumarkt“, sagt Will Seyfang, Sprecher bei Fischer Möbel. Das Unternehmen aus der Stuttgarter Region wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und arbeitet nach der Devise, unverwechselbare und zugleich langlebige Möbel für den Außenbereich zu schaffen.

Wer sich aktuelle Kollektionen dieses und anderer renommierter Unternehmen anschaut, wird feststellen: Die Möbel dieser Saison erscheinen meist sehr grazil und beschwingt. Das liegt auch an den verwendeten Materialien. Die neue Kollektion Pan von Garpa Garten & Park Einrichtungen beispielsweise setzt sich aus Edelstahl und geschnürter Kunststofffaser zusammen. Immer häufiger wird auch ein Material namens fm-rope verwendet. Bislang kam es vornehmlich im Segel- und Bergsport zum Einsatz. Wegen seiner enormen Belastbarkeit und Dauerelastizität garantiert das Material höchsten Sitzkomfort.

Leichter erscheinen mittlerweile selbst Loungemöbel. Wer die Kollektion „Kettal Mesh“ der spanischen Designerin Patricia Urquiola zum ersten Mal sieht, ist verzaubert von der Leichtigkeit und Eleganz, die sie verströmt.

Thomas Jünemann, Marketingleiter bei Garpa, macht auf eine weitere Neuheit aufmerksam: Erhältlich sind jetzt sogenannte ­„Dining-Lounge“-Möbel. Gemeint sind komfortabel gepolsterte Sessel in Kombination mit Tischen, die eine Sitzhöhe von 65 Zentimetern haben. „Der Teller muss beim Essen also nicht mehr auf den Knien abgestützt werden“, sagt der Experte. Loungemöbel eigneten sich damit auch für den Essbereich. Und das sei vielen Kunden immer noch sehr wichtig: Ein Tisch, an dem sie mit Freunden und Familie lange im Freien zusammensitzen können. „Gern darf die Platte dann aus Teakholz gefertigt sein. Selbst die Eiche setzt sich immer mehr durch“, hat Jünemann beobachtet.

Dass die Bundesbürger beim Kauf immer mehr auf Qualität und Nachhaltigkeit achten, freut den Verband der Deutschen Möbelindustrie. „Viele haben erkannt, dass sie sich und der Umwelt mit Billigprodukten keinen Gefallen tun“, sagt Sprecherin Ursula Geismann. Siegel wie das Goldene M der Deutsche Gütegemeinschaft Möbel und andere gäben hier Auskunft, ob der Verbraucher auf der richtigen Seite ist.

Vorausschauend handelt, wer zudem beachtet, dass vermutlich auch hierzulande in wenigen Jahren für die Entsorgung von „materialgemischten“ Möbeln Gebühren erhoben werden. „In Frankreich ist dies bereits seit einem Jahr der Fall“, sagt Geismann.