Lockangebote

Wie Betrüger im Internet mit Immobilien tricksen

Wer eine  Ferienimmobilie online bucht, sollte nicht allzu schnell in Vorleistung gehen

Wer eine Ferienimmobilie online bucht, sollte nicht allzu schnell in Vorleistung gehen

Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Sie verlangen Geld noch vor der Besichtigung einer Wohnung. Portale sind sich der Gefahr bewusst, können jedoch kein Rundum-Sorglos-Paket bieten.

Es soll schon Ferienhäuser gegeben haben, die gar nicht existierten. Oder wo Menschen eine Anzahlung auf die Miete zahlten und sie dann am Urlaubsort entsetzt feststellen mussten, dass die Immobilie längst vergeben war. Dieses Beispiel lässt sich problemlos auf den Wohnungsmarkt ausweiten. Auch hier sind Betrüger am Werk, die mit Tricks zu Geld kommen wollen.

Eine Masche ist, dass angeblich im Ausland oder weit entfernt lebende Vermieter bzw. Eigentümer Wohnungen in bester Lage via Internet meist zu sehr günstigem Mietpreis anbieten. Interessenten, die Kontakt aufnehmen, wird die Zusendung eines Mietvertrages nebst Wohnungsschlüssel gegen vorherige Überweisung eines Geldbetrages versprochen. Sollte die Wohnung nicht gefallen, wird die Rückzahlung des Geldes garantiert. Um Interessenten in Sicherheit zu wiegen, wird für den Transfer von Schlüssel, Mietvertrag und Geld angeblich als Treuhänder ein Dienstleister zwischengeschaltet. Sobald das Geld transferiert ist, brechen plötzlich alle Kontakte zum „Wohnungsanbieter“ ab. Wer darauf reinfällt, hat weder die angepriesene Wohnung gesehen noch ist die Chance groß, das Geld je wiederzusehen.

Erfahrungsbericht von Lockangeboten bei Wohnungssuche in Hamburg

All das wäre beinahe einer jungen Autorin des Wochenmagazins „Die Zeit“ widerfahren. Sie hatte sich via Internet auf Wohnungssuche in Hamburg begeben. „Neun Anbieter haben sich an mir versucht – in der Hoffnung, der überlaufende Wohnungsmarkt hätte mir die Sinne vernebelt“, berichtet Martha Dudzinski in der Onlineversion der Zeitung. Mal sollte sie Geld nach Barcelona oder Schottland, ein anderes Mal nach Afrika überweisen. In einem Fall gab der angebliche Vermieter an, er sei gerade erst wieder von Mietinteressenten enttäuscht worden, daher wolle er nicht erneut zwecks Wohnungsbesichtigung nach Hamburg anreisen. Er werde die Vermietung nun aus der Ferne über die Übernachtungsplattform Airbnb organisieren. Doch das Portal bietet diesen Service gar nicht an, wie Dudzinski auf Nachfrage erfuhr: Es handle sich wohl um einen neuen Trick an Geld zu kommen, hieß es.

Immerhin: Die junge Autorin ging weder diesem noch den anderen acht Betrügern auf den Leim. Sie hat mittlerweile eine Wohnung in Altona gefunden und bezogen.

Die Nachfrage bei großen, bekannten Immobilienportalen beweist indes: Die Gefahr von fingierten Angeboten ist groß, und sie ist bekannt. „Wir überprüfen mittlerweile kontinuierlich unsere Sicherheitsmechanismen und passen diese regelmäßig an die gängigen Betrugsmaschen an“, versichert Kristiane Müller, Sprecherin von Immonet. „Valide“ Zahlen könne man leider nicht nennen, da man zügig auf jegliche Betrugsversuche reagiere und diese damit „bereits mit ihrer Entstehung“ verhindert würden.

Auch Sonja May, bei der Immobilien Scout GmbH für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, ist daran interessiert, das Thema als erkannt und weitgehend gebannt darzustellen. Zwar räumt sie ein, dass bundesweit pro Woche circa 500 Objekte deaktiviert werden, wann immer der Eindruck entstehe, sie seien „gefaked“. Gleichzeitig betont sie, dass ja auch die Anzahl der pro Monat neu eingestellten Objekte und die das Portal besuchenden Nutzer stark gestiegen sei. „Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Anzahl der gefakten Objekte zugenommen hat. Tatsächlich ist es aber so, dass die Zahl von Betrugs-Objekten abgenommen hat.“ Doch auch May räumt ein: Das alles gleicht oft einem „Katz-und-Maus-Spiel“, da die Betrüger ihre Strategie kontinuierlich an die Sicherheitsvorkehrungen der Portale anpassten. Mit Newslettern und einem Webservice versuche man, die Nutzer über neue Betrugsmaschen aufzuklären und ihnen Verhaltenstipps zu geben.

Doch woran erkennt man zweifelhafte Angebote? „Wenn Vorkasse gewünscht wird oder irgendwelche Bearbeitungsgebühren erhoben werden“, sagt Eric Seele, Mitglied der Geschäftsführung in dem Hamburger Immobilienunternehmen Gladigau Immobilien. Es verwaltet 4000 Eigentumswohnungen und circa 6000 Mietwohnungen in der Hansestadt. Grundsätzlich gelte in Deutschland aber das Gebot, dass Makler erst dann Vermittlungsgebühren beziehungsweise eine Provision oder Courtage verlangen dürfen, wenn ein Mietvertrag bereits verhandelt und unterschrieben sei. Nie vorher. „Sobald von diesem Procedere abgewichen wird, sollte man – wie in jeder anderen Branche auch – die Finger von einem Geschäft lassen.“

Michael Lorscheidt, lange Zeit Referent im Hamburger Fachinstitut für die Immobilienwirtschaft – es bietet Lehrgänge für Makler und Hausverwalter an und für solche, die es werden wollen – betont, dass solche Betrügereien auch schon weit vor dem Zeitalter des Internets zu beobachten waren. „Teilnehmer unserer Seminare haben schon oft von dubiosen Offerten am Markt berichtet“, sagt Lorscheidt. Da werde dann auch in der vermeintlich richtigen Welt zur Besichtigung eingeladen, um Wohnungssuchende über den Tisch zu ziehen.

Seele bestätigt dies. „Das geht doch auch ganz leicht. Betrüger mieten eine Wohnung an oder verschaffen sich mit nachgemachten Schlüsseln Zugang zu einer leerstehenden Wohnung und versuchen dann Vorkasse zu machen.“ Im Zweifel helfe nur eins: „Wer eine Immobilie sucht, muss den Mut haben, den Rücken gerade zu machen“, betont Lorscheidt. „Genauso wie der Vermieter von Interessenten die Personalien wissen will, sollte man dies dann auch vom angeblichen Vermieter verlangen.“ Wenn dieser sich dagegen sperre, sei dies schon ein untrügliches Zeichen, dass etwas nicht stimme.

Wachsam sein bei sogenannten Schnäppchen am Markt

Wer ganz sicher gehen will, dass es sich um den wirklichen Eigentümer einer Wohnung handelt, kann auch direkt beim Grundbuchamt anfragen, um entsprechende Unterlagen einzusehen. Das bestätigt die Pressestelle des Oberlandesgerichts in Hamburg auf Nachfrage.

Ansonsten haben die Immobilienportale viele hilfreiche Tipps und Verhaltensregeln im Umgang mit dubiosen Angeboten auf ihren Homepages hinterlegt. Immobilienscout24 beispielsweise auf der Serviceseite www.sichere-immobiliensuche.de.

Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg rät, Angebote, die dubios erscheinen, sofort dem jeweiligen Betreiber eines Portals zu melden. „Diese können dann entsprechende Maßnahmen ergreifen.“