Verbrauchertipp

Mit Expertenhilfe Pfusch am Bau verhindern

Beim Hausbau kann ein begleitendes Controlling durch einen Sachverständigen die schlimmsten Fehler verhindern

Beim Hausbau kann ein begleitendes Controlling durch einen Sachverständigen die schlimmsten Fehler verhindern

Foto: www.markopriske.de

Fehler beim Hausbau, der Modernisierung oder Sanierung können schnell passieren, sie können aber vermieden werden. Kostenlose Beratungsangebote werden in Hamburg gemacht, um Bauherren, Käufer und Sanierer auf mögliche Fallstricke und Probleme hinzuweisen

Glaubt man der aktuellen Analyse vom BSB Bauherren-Schutzbund zur Entwicklung der Bauschäden und Bauschadenkosten, dann hat sich hierzulande nicht nur die Anzahl der Versicherungsschäden im Zeitraum von 2009 bis 2013 verdoppelt, sondern auch die durchschnittliche Bauschadenssumme: von 33.000 auf 67.000 Euro. Der BSB in Berlin beruft sich dabei auf 4837 analysierte Bauschäden mit einer Gesamtschadenssumme von 215 Millionen Euro. „Die durchschnittlichen Streitwerte von 42.000 Euro bei Baurechtsstreitigkeiten dokumentieren das hohe Prozesskostenrisiko für private Bauherren“, heißt es beim BSB. Und weiter:

Die Auswertung spiegele eine „dramatische Entwicklung der Bauschäden im Wohnungsbau“: 22 Prozent davon treten noch während der Bauzeit auf, 54 Prozent im ersten bis dritten Jahr in der Gewährleistungsfrist. Die Auswertung baubegleitender Qualitätskontrollen zeige dabei, dass Baumängel – wenn nicht rechtzeitig erkannt und beseitigt – später zu Bauschäden führen, deren Beseitigungskosten die Mängelbeseitigungskosten um ein Vielfaches überstiegen, heißt es beim BSB weiter. Die Ergebnisse der Studie zur prozentualen Verteilung der Schadenbilder stimmten tendenziell mit den Ergebnissen der Untersuchung des Instituts für Bauforschung e.V. Hannover „Bauqualität beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern – Auswertung baubegleitender Qualitätskontrollen der Bauherrenberater des BSB“ überein,. heißt es weiter.Als Grund für „Pfusch am Bau“ wird die „Komplexität des Bauprozesses“ angegeben: So hätten Bauschäden schnell Auswirkungen auf mehrere Bauteile. Besonders hohe Steigerungsraten wurden beispielsweise im Bereich der Wärmedämmung und der Haustechnik festgestellt.

Herbert Oberhagemann, öffentlich bestellter und vereidigter Bausachverständiger des Verbands Privater Bauherren im Regionalbüro Hamburg, stellt zwar fest, dass „seit den 35 Jahren meiner Architektentätigkeit in Hamburg prima am Bau gepfuscht werden kann.“ Für wichtig hält er aber den Zusatz: „wenn nicht aufgepasst wird“. Dies sei mit baubegleitenden Qualitätskontrollen möglich. „Mittlerweile kann ich von Bauabnahmen berichten, bei denen nahezu Mängelfreiheit besteht.“

Doch nicht immer läuft alles glimpflich ab. Nicola Beck, Leiterin des EnergieBauZentrums in Harburg, weiß von Bau- und Sanierungsmaßnahmen, bei denen vieles schief gelaufen ist, „weil Verbraucher nicht oder nicht rechtzeitig die entsprechenden Fachleute eingeschaltet haben.“ Aus der Beratungstätigkeit des Zentrums könne sie drei „Klassiker“ aufzählen, die häufig vorkommen und in denen sich bestimmt mancher wiederfinde. So wüssten zwar viele, dass man für zahlreiche Maßnahmen Förderung von der KfW und/oder der Stadt Hamburg erhalte. „Das gilt jedoch nicht, wenn mit der Maßnahme bereits begonnen wurde“, erläutert die Diplomingenieurin.

In einem Fall habe dies schlimme Konsequenzen gehabt. „Der Bauherr hatte sich innerhalb der Familie bereits Geld geliehen, um ein Haus zu kaufen. Er wollte dieses mit Hilfe der Förderung zurückzahlen. Als ihm mitgeteilt wurde, dass er den Anspruch auf Förderung verloren hatte, war es zu spät: Er konnte den Hauskauf nicht mehr rückgängig machen, die Schulden nicht mehr begleichen und bekam Streit mit der Familie.“ In einem anderen Fall sei ein Haus aus dem Bestand scheinbar günstig gekauft worden – ohne einen Sachverständigen zu Rate zu ziehen. „Nach Abschluss des Kaufvertrags wurden dann zahlreiche Bauschäden sichtbar. Leider waren die Käufer außerstande, das Haus auch nur halbwegs in Ordnung zu bringen“, sagt Beck. Sie mussten es zum Schleuderpreis verkaufen, machten ein Minus von gut 80.000 Euro.

Der dritte Klassiker seien Eigenleistungen im Rahmen einer energetischen Sanierung. „Wenn dann die erforderliche Luftdichtheit nicht erreicht wird, entsteht Schimmel.“ Oft sei dies nach dem Austausch von Fenstern oder bei der Erneuerung des Daches zu beobachten.

Viele Fehler wären vermeidbar, würden Bauherren, Käufer und Sanierer noch mehr die kostenlosen, meist sogar individuellen Beratungsangebote über das EnergieBauZentrum – es befindet sich im Elbcampus direkt am ­S-Bahnhof Harburg – oder das Zebau-Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt nutzen. Beide informieren herstellerunabhängig und im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, so zum Beispiel am 16. ­April zum Thema Lüften. „Es werden bauphysikalische Zusammenhänge erklärt und erläutert, wann Fensterlüftung noch ausreicht und ab wann lüftungstechnische Maßnahmen erforderlich sind“, sagt Beck.

Für die Zebau wiederum informiert Lars Beckmannshagen am 28. April, ebenfalls ab 18.30 Uhr, zusammen mit einem Experten der Hamburgischen Investitions-und Förderbank sowie einem Architekten über diverse Baustandards und aktuelle energieeffiziente Bauprojekte. „Es kursieren so viele Begriffe am Markt, zudem kommen regelmäßig neue dazu, die leicht unterschiedlich definiert werden, da verliert man leicht den Überblick“, sagt der Diplom-Ingenieur.

Insbesondere, wenn in Bauverträgen nicht klar definiert werde, was der Bauherr geliefert bekommt. „Ganz schwierig wird es zudem, wenn über ein Baucontrolling nicht die von der KfW geforderte Bestätigung erbracht werden kann, dass bestimmte Maßnahmen erfolgt sind“, sagt Beckmannshagen. Dann bestehe das Risiko, dass Fördermittel nicht ausgezahlt werden. „Und Sachverständige, die im Nachhinein eine solche Bestätigung ausstellen sollen, tun sich schwer. Immerhin ist damit ein Haftungsrisiko verbunden.“

Der VPB macht zudem auf ein weiteres Risiko aufmerksam: „Private Bauherren haben im Schlüsselfertigbau keinen Anspruch, Planungsunterlagen einzusehen“, sagt Corinna Merzyn, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes. Fatal sei das im Bereich der Statik oder der energetischen Qualität. „Beispielsweise ist hier nicht immer gesichert, ob eine gedämmte Wand auch die Förderbedingungen der KfW erfüllt.“ Stelle diese bei einer Stichprobe, und die finde immer öfter statt, fest, dass schlechtere Qualität verbaut wurde, müsse die Förderung eventuell zurückgezahlt werden. „In einem solchen Fall hängt vieles davon ab, ob die Firma sich durch Insolvenz einer Schadensregulierung entziehen kann oder nicht“, sagt Merzyn. Hier sehe der VPB dringenden Handlungsbedarf durch den Gesetzgeber, nicht zuletzt, damit die Energiewende nicht gefährdet werde.

www.zebau.de und www.energiebauzentrum.dewww.vpb.de und www.bsb-ev.de