"Wohnkosmetik"

Weniger ist mehr: So bringen Sie Ordnung in Ihr Haus

Die psychologische Einrichtungsberatung hilft dabei, Räume in wohltuende Rückzugsorte zu verwandeln. Expertinnen verraten, wie sie arbeiten.

Jacken und Mäntel türmten sich an der Garderobe übereinander, gleiches galt für allerhand Schuhe links im Regal. Dieses Bild ist Vergangenheit. Denn Constanze Köpp, die sich als "Wohnkosmetik"-Beraterin versteht, zwang die Hausherren zum Umdenken: "Kaputte und nicht mehr passende Schuhe wurden ausgemistet. Schuhe, die nicht aktuell genutzt werden, wanderten in den Keller. Und ich riet der Familie, in die hintere Einbuchtung der Wand Regale zu ziehen für Taschen und Schals." Außerdem verschwand der bunte Teppich, stattdessen ist im Sommer jetzt der schöne Steinboden zu sehen.

Auch die Einrichtungsberaterin und Feng-Shui-Expertin Katrin Täubig, Inhaberin der Firma Healing Home Design, kennt ein solches Kuddelmuddel bei vielen Kunden im Eingangsbereich. "Mit wenigen Mitteln kann man eine aufgeräumte und ruhige Atmosphäre schaffen, die sich schon nach kurzer Zeit auf das seelische Wohlbefinden der Bewohner überträgt", sagt Täubig.

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Getreu dem Motto "die Seele wohnt mit" betten immer mehr Einrichtungsberater ihre Dienstleistung in das Konzept einer psychologischen Wohnberatung ein. Mithilfe ausgeklügelter Fragetechniken, Visualisierungen oder Fantasiereisen tasten sie sich dabei an oft eher verborgene Wohn-Wünsche der Kunden heran. Auf dieser Basis erarbeiten sie ein Konzept, bei dem sich Raumnutzung, Einrichtungsstil, Farbgestaltung und Lichtplanung ganz an der Persönlichkeit und den Wohnbedürfnissen der Bewohner orientieren.

Das eigene Heim spiegelt im Idealfall die Persönlichkeit der Bewohner

Die Gleichung lautet: Je mehr das Ambiente mit den seelischen Bedürfnissen der Bewohner harmoniert, desto größer ihr Wohlbehagen. Das Heim wird so zur Kraftquelle für die Bewohner. Dass dieser Wunsch zunehmend von vielen Menschen geäußert wird, verwundert die Psychologin und Wohnexpertin Antje Flade nicht: "Viele von uns sind im Alltag fremdbestimmt, wenigstens zu Hause soll es so sein, wie man es sich wünscht. Die Umgebung soll die Persönlichkeit spiegeln."

Der Weg dorthin ist oft länger als gedacht. Denn nicht jeder Mensch ist sich seiner eigenen Wohnvorlieben bewusst, wie die Wohn-Psychologin Barbara Perfahl beobachtet hat. "Die meisten Kunden sind nur diffus unzufrieden mit ihrer Wohnsituation, ohne aber genau zu wissen, warum." Oft erkennen sie nicht, dass sie die Möbel manchmal nur anders anordnen müssten, um eine bessere Atmosphäre zu erzeugen.

Psychologisch geschulte Einrichtungsberater haben hingegen eine Methodik entwickelt, oft tief verschüttete Wohnbedürfnisse freizulegen. So hat Katrin Täubig eine Checkliste erarbeitet, mit der sie den Tagesablauf, die beruflichen und privaten Lebensumstände und ästhetischen Vorlieben der Kunden - von den Lieblingsfarben über bevorzugte Materialien bis hin zu Möbelstilen - abfragt. "Ich frage auch nach, in welchem Wohnraum sich der Kunde besonders wohlfühlt und in welchem weniger. Außerdem möchte ich wissen, was mit einer Veränderung der Umgebung bewirkt werden soll", sagt Täubig, die für ihre Beratung 75 Euro die Stunde berechnet. Einige Kunden etwa wollten nach einer Trennung neu beginnen und sich endlich so einrichten, wie es ihren eigenen Bedürfnissen entspricht. Nach der Bestandsaufnahme entwickelt sie ein Konzept für alle Räume, das auch die Lichtgestaltung umfasst. Täubig: "Damit die Lebensenergie Qi fließen kann, spielt vor allem Ordnung eine große Rolle. Wir möchten Luft zum Atmen haben. Wenn Räume ausgewogen und übersichtlich gestaltet sind, fühlen wir uns wohl und in Balance."

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Barbara Perfahl wird häufig bei "Wohnkonflikten" innerhalb einer Familie konsultiert. So gebe es oft Streit über die Zimmeraufteilung oder die Gestaltung gemeinsam genutzter Wohnräume. Bei der Beratung vor Ort klärt Perfahl zunächst die Frage nach den jeweiligen "Wohnbedürfnissen" der Familienmitglieder: "Hier geht es um die Frage, welche Funktionen - von Schutz, Rückzug, Erholung, Geselligkeit oder Selbstverwirklichung - jeder Einzelne mit dem Heim verbindet." Wolle ein Partner eher ein gemütliches Wohnzimmer, der andere jedoch eher einen repräsentativen "Showroom", versuche sie durch eine neue Raumaufteilung oder durch Rückzugsecken einen Kompromiss zu schaffen. Sei keine Einigung in Sicht, stünde meist ohnehin ein anderes Problem im Raum. "Meistens verdecken solche Konflikte nur ein lange schwelendes Problem in der Beziehung", weiß Perfahl. Ihre Beratung kostet 140 Euro für zwei Stunden.

Aufschlussreich sei auch oft der Blick auf die "Wohngeschichte": Wie sahen bisherige Wohnungen der Kunden aus? Welche Möbel, Tapeten und Farben prägten das Elternhaus und das frühere Kinderzimmer? "Im Lauf der Jahre nähern sich viele Menschen unbewusst wieder dem Einrichtungsstil der Eltern an, auch wenn sie glaubten, ihn abgelegt zu haben", sagt Perfahl. Möbelstücke im Stil der elterlichen Wohnung könnten wie ein Anker in der Vergangenheit diese Sehnsucht befriedigen.

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Eine "Fantasiereise" ist für Ilona Dörr-Wälde, Wohnexpertin und Buchautorin ("Herzensräume") von der Typakademie in Limburg, die effektivste Möglichkeit, versunkene Wohnträume zu entschlüsseln. "Bei dieser Reise beschreibt der Kunde sein Traumhaus und mit welchen Möbeln, Materialien und Farben es eingerichtet ist." Anschließend werden diese Vorstellungen anhand von Bildern mit Motiven verschiedener Wohnstile sowie Farbpaletten dargestellt. "Am Ende kommt meist ein Mix verschiedener Wohnstile heraus, aus dem wir dann das Einrichtungskonzept entwickeln können." Die Farbwahl - ob für Wände oder Wohnaccessoires - sollte in erster Linie mit dem Temperament der Bewohner harmonieren, rät Dörr-Wälde. So fühlten sich introvertierte Persönlichkeiten eher umgeben von ruhigen Farben wohl, dynamische Temperamente hingegen bevorzugten klare Töne, "die Bewegung in die Räume bringen". Doch es gibt auch Ausnahmen. "Oft suchen extrovertierte Persönlichkeiten nach einer ruhigen Farbumgebung, in der sie entspannen können. Hier muss von Fall zu Fall entschieden werden."

Grundregel einer optimalen Raumgestaltung: Weniger ist mehr

Egal auf welche Weise alle Expertinnen die Wohnwünsche ihrer Kunden entschlüsselt haben: Sie alle folgen den Grundregeln für eine optimale Raumgestaltung, und dazu zählt der Leitsatz: Weniger ist mehr. "Viele Wohnungen sind völlig überladen, hier geht es vor allem darum, sich von Dingen zu befreien", sagt Barbara Perfahl. Eine weitere Regel laute: Helle Farben und filigrane Möbel lassen kleine Räume großzügig wirken. Ein weiterer, oft vernachlässigter Aspekt ist die Lichtplanung. Täubig rät zu einem Mix von Lichtquellen. "Licht ist Leben, schafft Harmonie und stärkt den Organismus."

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www.healinghomedesign.de

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