Experten warnen vor dem Kauf von Schrottimmobilien

Es gibt Indizien für unseriöse Angebote. Einen Vertrag nie unter Zeitdruck unterschreiben

Angesichts der Finanzkrise gilt vielen die Immobilie als sichere Wertanlage, doch nicht alles ist "Betongold", was glänzt. Darauf weist Nicole Mutschke hin. Die Düsseldorfer Juristin vertritt seit Jahren Käufer, die in Schrottimmobilien investiert haben. Damit bezeichnet man Objekte, die über Wert und unter falschen Versprechungen bezüglich der Rendite verkauft werden.

Nach Angaben der Juristin gibt es Indizien, die auf unseriöse Angebote hinweisen. "Die Käufer werden unaufgefordert angerufen und mit verlockenden Aussichten zu einem persönlichen Beratungsgespräch überredet. In den weiteren Gesprächen werden nur die Vorteile des Kaufs geschildert. Risiken werden verschwiegen und eine Besichtigung der Immobilie als unnötig dargestellt." Oft werde auch gleich eine hundertprozentige Finanzierung durch eine Bank mit angeboten. Meist sei der Kaufpreis dabei überzogen.

"Der Bundesgerichtshof hat 2009 erstmals eine Marke festgelegt, ab der es ratsam ist, den Kaufpreis kritisch zu hinterfragen", sagt Mutschke. "Danach sollte man bei einem Preis, der weit über dem 14-Fachen der Nettojahreskaltmiete liegt, zumindest hellhörig werden." Natürlich gelte es die Marktsituation zu berücksichtigen sowie wertbildende Faktoren wie Standort und Zustand der Immobilie. Insofern gebe eine andere Entscheidung des BGH aus dem Jahr 2001 Orientierung, wonach ein Kaufvertrag über eine Immobilie sittenwidrig ist, wenn der Preis den Wert der Immobilie um circa 80 Prozent oder mehr übersteigt. "Ist dies der Fall, ergibt sich möglicherweise sogar der Anspruch aus ungerechtfertigter Bereicherung", sagt Mutschke.

Gabriele Schmitz, Anlageexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, rät, sich beim Kauf einer Immobilie keinesfalls unter Zeitdruck setzen zu lassen. "Auch nicht, wenn behauptet wird, man müsse sich schnell entscheiden." Nach dem Beurkundungsgesetz müsse der Entwurf des notariellen Kaufvertrages 14 Tage vor dem Beurkundungstermin vorliegen, um ihn prüfen zu können. "Diese Gelegenheit sollte man nutzen, um eine auf Jahre bindende Entscheidung zu überdenken."