Bautagebuch

Das große Finale: Unser Haus ist fertig!

Foto: Sebastian Schmidt / Sebastian Schmidt/Sandra von Zabiensky

In 25 Folgen schrieb unsere Autorin das Bautagebuch. Jetzt hat sie mit ihrem Mann endlich ihr neues Heim in Kuddewörde bezogen.

Seit dem Umzug habe ich zwei neue beste Freunde: Der eine ist schnittig und bewegt sich mit elegantem Schwung über das Parkett, der andere ist eher der zackige Typ und hält sich bevorzugt im Freien auf. Die Rede ist von unserem Parkettstaubsauger sowie dem Fiskars-Profi-Rasenrechen. Ohne diese zwei Helfer wären wir aufgeschmissen. Unglaublich, wie viel Erde zwei so kleine Hunde trotz peniblen Pfotenabputzens ins Haus bringen können. Tägliches Staubsaugen ist daher Pflicht, will man nicht knirschenden Sand unter den Sohlen spüren und Kratzer im Parkett riskieren. Denn unsere geölten, verklebten Eichendielen sind empfindlicher als die lackierte Variante und auch aufwendiger auszutauschen als bei schwimmender Verlegung. Dafür finden wir die natürliche Oberfläche optisch schöner, und sowohl Verlegeart als auch Holzoberfläche eignen sich für unsere Fußbodenheizung.

Zusätzlich zu den Erdkörnern bevölkern auch immer wieder hereingewehte Eichenblätter unseren Flur, jedenfalls, wenn ich nicht rechtzeitig zum Rechen gegriffen habe. Denn erwähnte ich die schönen, riesigen Bäume auf beziehungsweise an unserem Grundstück? An manchen Tagen bin ich versucht, ihnen mit einem rostigen Nagel in der Rinde den Garaus zu machen, denn die Menge an Laub, die sie abwerfen, haben die Kapazitäten unseres Komposters schon überschritten.

Diese Pläne verwerfe ich jedoch beim Blick in die mächtigen Baumkronen sofort wieder, und auch das erste zarte Wachstum meiner Pflanzenschützlinge entlohnt für viele Mühen. Trotz unserer häufigen Gartenarbeiten hat es sich allerdings noch nicht überall herumgesprochen, dass unser Haus jetzt bewohnt ist. So pflügt sich etwa eines Morgens eine ältere, gepflegt gekleidete Frau durch die Knickbepflanzung, lehnt ihr Hinterteil ungeniert an unseren Wildfangzaun und erledigt ein anscheinend dringendes Geschäft, wovon sie weder Hundegebell noch mein aufgeregtes Rufen: "Entschuldigung, wir sehen Sie!" abhalten. Seitdem beäugen wir misstrauisch silberne Limousinen aus Pinneberg, die langsam an unserem Grundstück vorbeifahren.

Auch die Aufstellung einer Figur in Form einer hockenden Frau, darunter ein "NO!" ziehen wir kurzfristig in Erwägung. Die Dame aus Pinneberg können wir bislang aber als einzigen unerfreulichen Besuch bezeichnen, ansonsten ist es in Kuddewörde genau so, wie wir es uns immer vorgestellt haben: voller Leben, mit viel Besuch von Freunden, netten Nachbarn und Familie.

Auch wenn noch viele Möbel fehlen, begeistert uns unser "Bauhaus-Cottage". Trave Massivhaus hat beste Arbeit geleistet und das Haus in weniger als sechs Monaten fertiggestellt. Die Planung der Räume ist sehr gut gelungen, und die 145 m² Wohnfläche wirken großzügig und aufgeräumt. Dank der Abseite im Flur, dem Ankleidezimmer, unserem Büro und dem Dachboden haben wir auch ohne Keller genügend Platz. Unser Hausbau-Projekt kann ich also als vollen Erfolg bezeichnen.

Wenn ich von anderen Bauvorhaben lese, die nach sechs Monaten gerade einmal mit dem Innenausbau beginnen, weiß ich das umso mehr zu schätzen. Die Zeit, die wir damals in Recherchen zum Bauträger, Besichtigungen von bereits fertiggestellten Häusern und Überprüfung von Vertrag sowie Bauleistungsbeschreibung gesteckt haben, hat sich wirklich gelohnt. So gab es während des Bauens eigentlich nur zwei echte Schockerlebnisse: Als der von uns beauftragte Fliesenleger die Fußbodenheizung mit der Flex massakrierte und der ebenfalls durch uns beauftragte Türenbauer uns zum eigentlichen Liefertermin mitteilte, dass die Anfertigung unserer Haustür vergessen wurde. Glücklicherweise fanden wir schnell Hilfe bei Firmen aus der Umgebung. Überhaupt, Stichwort Hilfe: Ohne die Unterstützung unserer Freunde und Nachbarn hätte unser neues Heim ganz anders ausgesehen, und dafür sind wir allen sehr, sehr dankbar.

Ein Freund von uns bezeichnete erst dieses Wochenende das Bauen als eines der letzten echten Abenteuer unserer Zeit. Ob wir dieses Abenteuer wieder wagen würden, wenn wir uns noch einmal entscheiden könnten? Aus vollem Herzen ja, jederzeit!

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