Mediation

Schlichten ohne Richter

Wo das Recht keine Regelungen vorsieht, kann die Mediation bei Streitfällen zu Kompromissen verhelfen

Ärger mit den Nachbarn, Probleme mit Handwerkern - Mieter wie Eigentümer kommen immer wieder in die Situation, solche Konflikte lösen zu müssen. Nicht selten endet das vor Gericht. Dabei könnten auch professionelle Mediatoren helfen. Die unabhängigen Streitschlichter führen die Konfliktparteien wieder zusammen und schaffen Raum für tragfähige Lösungen.

"Mediation eignet sich eher, wenn das Problem ins Nachbarrecht fällt, weniger bei Fragen des Mietrechts, denn da ist die rechtliche Situation meist eindeutig", sagt Ingo W. Lill, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt auf Miet- und Wohnungsangelegenheiten. Im Nachbarschaftsrecht sei dagegen vieles ungeregelt und werde von den gesetzlichen Vorschriften nicht erfasst. Mediationsverfahren könnten hier einen Interessensausgleich schaffen und die Gerichte entlasten.

Das bestätigt auch Marko Lohmann, Vorstand der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille. Er kann Mediations-Verfahren ebenfalls eine Menge abgewinnen: "Das ist immer dann interessant, wenn es zu Auseinandersetzung zwischen Nachbarn kommt, bei denen niemand klar gegen Regeln und Vorschriften verstößt, etwa bei Ruhestörung oder einem Streit um die Reinigung im Treppenhaus." Alle großen Wohnungsbaugenossenschaften in Hamburg böten ihren Mietern moderierte Gespräche an - und das oft kostenfrei. "Wir versuchen vorher durch Telefonate mit den Beteiligten, die Positionen herauszufinden und zu klären, wie erfolgreich ein gemeinsames Gespräch sein kann", sagt Lohmann. Am Ende stehe dann im günstigsten Fall ein Kompromiss. Wie tragfähig der dann sei, zeige die Zeit, denn das Ergebnis sei natürlich weder rechtsverbindlich noch gerichtlich vollstreckbar.

Rechtsexperte Lill verweist dagegen auf Mediatoren, die an den Gerichten beschäftigt sind: "Die Ergebnisse sind voll sanktionsfähig, denn letztlich steht die Staatsgewalt dahinter." In der Regel genüge aber ein unabhängiger Streitschlichter, ergänzt der Mediator im Bereich Planen und Bauen, Ulrich Hauck. Schließlich würden ja alle Beteiligten bereits durch ihre Teilnahme am Mediationsverfahren ein Interesse an einem tragfähigen Ergebnis bekunden.

Bauingenieur Hauck hat das Streitschlichter-Handwerk im Rahmen einer anderthalbjährigen Weiterbildung beim Hamburger Institut für Mediation gelernt und ist heute eingetragener Mediator bei der Handelskammer Hamburg. Für ihn bedeutet Schlichten, einen Raum zu schaffen, um einander zuzuhören und gemeinsam einen Weg aus der verfahrenen Situation zu finden - und das mithilfe eines neutralen Dritten. "Wenn man sich zu dritt trifft, dann passiert das hinter verschlossenen Türen. Alles was darin besprochen wird, bleibt auch dort. Vorgespräche führe ich nicht, denn man könnte mir unterstellen, Absprachen getroffen zu haben", sagt der Mediator. Neutralität und Vertrauen seien extrem wichtig.

Hauck ist von den Vorteilen überzeugt: "Gerichtsverfahren kosten viel, und man weiß nicht, wie sie ausgehen." Bein einem Streitwert von 50 000 Euro lägen die Kosten der Mediation etwa bei 10 000 Euro. Aber Gericht, Anwalt und Gutachter können schon mal bis zu 40 000 Euro kosten. Eine Mediation dauere etwa zehn bis 15 Vollzeitstunden, verteilt auf zwei bis drei Termine, damit die Betroffenen Zeit hätten, Entscheidungsprozesse nachzuvollziehen und ihr Gesicht zu wahren.

Doch wie findet man den richtigen Mediator? Hauck empfiehlt das Internetangebot der Handelskammer ( www.hk24.de ) als zentrale Informationsstelle. "Dort gibt es den Bereich 'Recht und Steuern', über den man Hamburger Mediatoren nach Arbeitsschwerpunkten suchen kann."

Ist der Richtige gefunden, sollte man über einen Anruf klären, ob der anhängige Konflikt sich für eine Mediation auch wirklich eigne. Wichtigste Voraussetzung sei allerdings, dass alle Beteiligten willens seien, sich auf ein solches Verfahren einzulassen. Trotz der zahlreichen Vorteile des Verfahrens sind Mediatoren nicht gerade überbeschäftigt. "Ich hätte gedacht, dass das Interesse größer ist, aber das Verfahren scheint noch zu unbekannt zu sein", sagt Mediator Hauck. "Gerade für den kleinen Geldbeutel bringt es eine Menge, denn abgerechnet wird lediglich nach Aufwand. Am Ende gibt es dann weder Gewinner noch Verlierer, sondern eine faire Einigung", sagt Hauck. Eine Win-win-Situation für alle.

Info: www.bmev.de

www.hk-24.de ; www.himev.de

www.mediation-planen-bauen.de

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