Badezimmer-Trends

Wellness-Bad statt Nasszelle

Foto: BAROQUINE / Baroquine

Das Badezimmer soll Wohlfühlambiente vermitteln und als erweiterter Wohnraum dienen. Neue Kollektionen spiegeln dies wider

Wie sieht das Bad der Zukunft aus, insbesondere in einer Zeit, in der Hightech zunehmend unseren Alltag bestimmt und intelligente Haustechnik in immer mehr Haushalten Einzug hält? Diese Frage stellte sich auch Badausstatter Kaldewei und beauftragte das Kölner Rheingold-Institut Mitte des vergangenen Jahres, der Frage in einer Studie nachzugehen.

Seit wenigen Wochen liegt das Ergebnis vor: Danach wünschen sich die repräsentativ ausgewählten Probanden ein Wohlfühlbad, das noch mehr als das Schlafzimmer als Rückzugsort dient. Große Fenster sowie Sitz- und Liegeflächen sollen Komfort und den Eindruck von Weite vermitteln. Eine Waschmaschine, wenn möglich sogar die Toilette, sollen in diesem Raum nicht mehr zu finden sein.

Hightech im Bad wurde hingegen von den Probanden eher skeptisch bewertet. So auch die beiden Szenarien, in denen sich der Raum automatisch in eine entspannende oder anregende Wellnessoase verwandelt, sobald Sensoren die jeweilige Stimmungslage des Menschen erfasst haben. Zwar fanden die Probanden Gefallen an der Idee, sogenannte komfortsteigernde Elemente im Raum zu integrieren - dazu gehören auch stimmungsvolle Videoprojektionen an der Wand - doch grundsätzlich lehnten sie es ab, dass der Mensch zum Spielball intelligenter Technik wird.

Experten aus der Hamburger Badbranche verblüfft dieses Ergebnis nicht. "Stimmung und Atmosphäre sind bei meinen Kunden d a s Thema, auch wenn hier und da der Wunsch nach einem iPad-Bad angedeutet wird", sagt Markus Nölle. Er ist Architekt, hat sich aber 2004 mit seinem Geschäft "Flagstone" im Zippelhaus allein auf die hochwertige Badplanung spezialisiert.

Einige seiner Kunden seien durchaus bereit, für eine durchdachte Planung zwischen 50 000 und 120 000 Euro zu investieren, verrät Nölle. "Ihr Wunsch ist, dafür eine individuelle Wohnwelt zu erhalten, in der alles bis ins Detail auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten ist", sagt der Badplaner. Bei dem einen könne dies die Integration von Kunst im Bad bedeuten, bei dem anderen eher die Inszenierung des Ausblicks oder die frei stehende, illuminierte Badewanne als Skulptur im Raum. "Grundsätzlich geht der Trend hin zu Bädern mit Raumgrößen zwischen 20 und 30 Quadratmetern, in denen neben Nischen und Funktionsinseln maßgeschneiderte Einbauten, Dampfsaunen oder XXL-Duschen Raum finden."

Das deckt sich mit einem weiteren Ergebnis der Rheingold-Studie: So zeigten sich die Probanden fasziniert von einem geräumigen, offen gestalteten Bad mit Blick in die Natur. Wichtiges Detail: Die Badewanne wird nicht länger in eine Ecke des Raumes verbannt, sondern bildet das zentrale Element im Raum und erinnert an natürliche Wasserbecken. "Vieles ist bei der Badgestaltung natürlich auch eine Preisfrage", sagt Andreas Bitter, Ausstattungsberater bei Peter Jensen, einem Unternehmen, das an mehreren Standorten in Hamburg mit Badausstellungen vertreten ist. Der Wunsch nach einem Wohlfühlambiente im Bad sei aber groß. Erkennbar werde dies auch daran, dass die Fliese zunehmend anderen Formen der Wandgestaltung weiche. So beispielsweise dem Gipsputz oder Tadelakt. Einem mineralischen Glanzputz für wasserfeste Oberflächen. "Die Lichtplanung ist ein weiteres Upgrade, das nicht unterschätzt werden sollte", so Bitter.

Fasziniert ist er zurzeit, ebenso wie viele Kunden, von der neuen Kollektion "Jungle" der Firma Cielo. "Sie bringt den Dschungel-Look ins Bad", sagt Bitter und sei vorerst nur in der Hummelsbütteler Filiale zu sehen. Zur Wahl stünden die Schlangen- oder der Alligatorenlook für die Oberflächengestaltung von Sanitärobjekten. Eine andere, ganz neue Möglichkeit, diese Objekte zu gestalten, biete auch die Serie "Axor Bouroullec" der Firma Hans Grohe. "Hier kann man sogar die Platzierung der Armaturen ganz frei bestimmen."

Auf die Kombination von Holz, Leder und pflegeleichtem Mineralwerkstein, mithin auf natürliche Materialien im Bad, setzt indessen die Kollektion "bad.e.quine". Sie wurde entworfen vom Inhaber der Hamburger Firma Bad-Elemente, Mike Günther, und der Innenarchitektin Katrin Arfmann. "Diese Badserie soll Wohlfühlambiente vermitteln", sagt Katrin Arfmann. Alle Elemente seien auf Kundenwunsch in verschiedenen Maßen und Ausführungen erhältlich, sodass eine individuelle Planung problemlos möglich sei.

Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der VDS Vereinigung deutsche Sanitärwirtschaft, zeigt sich im Vorfeld der ISH Weltleitmesse für innovatives Baddesign (s. Infokasten) zuversichtlich. "Nachdem die Küche in vielen Haushalten bereits eine Aufwertung erhalten hat, ist jetzt das Bad an der Reihe." Im Trend lägen Konzepte, in denen das Bad auch mithilfe von Vorwandinstallationen neu unterteilt werde. "Zum Beispiel kann durch eine Waschinsel die bislang ungenutzte Mitte des Raums genutzt werden", sagt Wischmann. Unterfahrbare Waschtische oder schwellenlose Duschen mit integrierter Sitzbank seien weitere Details. Noch unentdeckt sei hingegen am deutschen Markt das Dusch-WC, in asiatischen Ländern längst Standard. "Es ist für mich die perfekte Symbiose von Komfort und Hygiene", sagt Wischmann.

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