Lokstedt im Fokus der Entwickler

Foto: Schenk & Waiblinger Architekten

Auf den aktuellen Baustellen der Stadt sind 80 Prozent der Wohneinheiten bereits vergeben

Hamburg. "Der frühe Vogel pickt den Wurm", weiß ein altes Sprichwort. Ähnliches gilt für Wohnungssuchende, die eine Neubauwohnung in Hamburg beziehen wollen. "Auf fast allen Baustellen sind mehr als 80 Prozent der Wohnungen schon verkauft, bevor die Erdarbeiten für Keller und Tiefgarage abgeschlossen sind", sagt Andreas Ibel, Landesvorsitzender des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Den Käufern reiche es, einen Grundriss und eine Animation zu sehen, um sich für den Kauf einer Wohnung für 3000 Euro und mehr pro Quadratmeter zu entscheiden.

Das ist bei Luxuswohnungen, angeboten zu Quadratmeterpreisen von 6000 Euro aufwärts nicht der Fall, hebt Christian Manke von der Grundstücksgesellschaft Manke hervor. "Wer so viel Geld ausgibt, will das Haus begehen und den Blick aus dem Fenster einschätzen können." Sein Unternehmen baut an der Elbchaussee, unweit des Jenischparks, zwei neoklassizistische Häuser mit insgesamt fünf Luxuseigentumswohnungen. Die Quadratmeterpreise liegen zwischen 5150 und 6900 Euro.

Die rege Nachfrage nach Eigentumswohnungen erklärt Andreas Ibel als Folge der Finanzkrise. Die Menschen suchten nach sicheren Anlagen und fänden diese in der Immobilie. Nicht alle Käufer wollten die Wohnungen auch selbst nutzen, zunehmend registriere man private Anleger - darunter viele aus Bayern. "Die sind aus München ganz andere Preise gewöhnt, dagegen präsentiert sich Hamburg vergleichsweise günstig", so Ibel. Diese Wohnungen würden dann in Hamburg vermietet. Dieser Markt sei ebenso aufgeheizt wie der für Eigentumswohnungen. "Beim Projekt Skolgaarden liegen für die 60 Mietwohnungen, die in der Altonaer Altstadt errichtet werden, bereits über 100 Anfragen vor", weiß der BFW-Landesvorsitzende. Die Miete liege unter knapp zehn Euro pro Quadratmeter. Auch die im Projekt vorgesehenen 35 Eigentumswohnungen seien bereits zu 80 Prozent verkauft. Der Quadratmeter koste zwischen 3050 und 3850 Euro. Angesichts der Nachfrage könnte die Hamburger Wohnungswirtschaft weitaus mehr bauen, verkaufen oder vermieten. "Es gibt aber zu wenige günstige Grundstücke in der Stadt", sagt Ibel. Immerhin sei die neue Vergabepolitik des Senats zu begrüßen, wonach jetzt nicht mehr das höchste Angebot den Zuschlag erhalte, sondern das beste Konzept. So könne man preiswerter bauen und auf die breit gefächerte Nachfrage angemessener reagieren.

Als Beispiel führt der BFW das Projekt "360° Lokstedt" vor. Hier baut die cds Wohnbau gemeinsam mit WHB Wulff Hanseatische Bauträger eine Siedlung mit 18 Eigentums- und 182 Mietwohnungen sowie 40 Stadthäusern. Ihr Konzept, basierend auf den Plänen der Architekturbüros Czerner Göttsch Architekten und wrs-Architekten, beruht auf dem Gedanken, die zunehmende Berufstätigkeit von Mann und Frau in einem Bauvorhaben widerzuspiegeln. Durch ein optimales Raumangebot soll es freiberuflichen Frauen mit Kleinkindern mithin erleichtert werden, Arbeiten, Wohnen und Kinderbetreuung unter einem Dach und in der Siedlung zu verwirklichen. Lokstedt ist, nicht zuletzt wegen seiner Nähe zu Eppendorf, in den Fokus der Wohnungswirtschaft geraten. Hier gibt es neben "360° Lokstedt" mit den "Stadtgärten Lokstedt" und dem "Lokstedt Carré" gleich zwei weitere Großbaustellen. Während im "Lokstedt Carré" nur Einheiten zum Kauf - 19 Stadthäuser und sechs Wohnungen - gebaut werden, wird es in den Stadtgärten zusätzlich Mietwohnungen geben. Die Mieten bewegen sich zwischen acht und 13,75 Euro, je nach Anbieter.

Angesichts der knappen und teuren Grundstücke nimmt das Bauen im Bestand einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Der BFW verweist auf zwei besonders kreative Beispiele. So hat der Architekt Prof. Bernhard Winking für Behrendt Wohnungsbau in der Averhoffstraße, unweit des Einkaufszentrums Hamburger Straße, das ehemalige Verwaltungsgebäude eines Waisenheims zu einem Wohnhaus umgestaltet. Rund die Hälfte der Wohnungen im Altbau, die zwischen 390 000 und 770 000 Euro kosten, ist noch nicht verkauft. "Wer sich bei einem denkmalgeschützten Gebäude vor Beginn der Umbaumaßnahmen zum Kauf entschließt, kann die Denkmal AfA in Anspruch nehmen und so Steuern sparen", betont Andreas Ibel. Kaufe man nach Baubeginn, verringere sich der Steuervorteil prozentual zum Baufortschritt.

Auf dem Dach eines Hochbunkers errichtet indessen der Projektentwickler Michael Hugge unter dem Namen "Highhomes 43" fünf Maisonettewohnungen und zwei Penthäuser. Drei der Einheiten sind zu Kaufpreisen ab 395 000 Euro noch zu haben.