Wohnen im Denkmal

Grindelhochhäuser - die ersten Giganten Hamburgs

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Die Hochhäuser in Harvestehude sind nach der Modernisierung wieder begehrt. Atemberaubend ist auch der Blick, den die Wohnungen bieten.

Atemberaubend ist der Blick, den Sigrid Sandmann von ihrer Wohnung über die Dächer der Stadt hat. Die Hamburger Künstlerin lebt und arbeitet seit 2003 in einer Zweieinhalbzimmerwohnung, die sich im elften Stock eines der stadtbekannten Hochhäuser am Grindel befindet. "Neben der Aussicht, dem guten Grundriss und der zentralen Lage ist es vor allem die Helligkeit, die mich fasziniert. Ich habe auch im Winter viel Licht", schwärmt Sigrid Sandmann. Sie ist stolz darauf, in dem Hochhaus zu wohnen: "Die Grindelhochhäuser sind in einer Zeit entstanden, als Hamburg noch zu großen Teilen in Schutt und Asche lag. Das macht sie zu einem ganz besonderen Ort. Der Zeitgeist des Wiederaufbaus ist hier für mich heute noch spürbar."

Rund 3000 Menschen leben auf dem Areal zwischen Grindelallee, Hallerstraße, Brahmsallee und Oberstraße. Von den insgesamt zwölf Giganten sind elf im Bestand von Hamburgs größtem Vermieter Saga-GWG, die unter Denkmalschutz stehen. Das ganze Gebäudeensemble war nicht nur der erste Hochhhausbau der Stadt, sondern auch die erste Wohnhochhaussiedlung in Deutschland.

Zurück geht das Hochhaus-Ensemble auf Pläne der britischen Besatzungsmacht. Sie wollte für ihre Offiziere und für Familien der Zonenverwaltung im stark verwüsteten Harvestehude komfortable, moderne Wohnungen schaffen. Doch es kam ganz anders: Statt in der Hansestadt wurden die "Forces" in Frankfurt konzentriert - das Aus für die Großbaustelle. 1948 entschied dann die Stadt, das Bauvorhaben abzuschließen und mehr als 2100 neue Wohnungen zu schaffen. Für das Projekt wurden ausnahmslos politisch unbelastete Architekten gewählt. Dazu zählten zum Beispiel Rudolf Lodders, Bernhard Hermkes, Albrecht Sander, Ferdinand Streb und Fritz Trautwein. Die ersten Häuser wurden 1950 bezogen, die letzten 1956 übergeben. "Eine eigene Wohnung mit warmem Wasser, Heizung und Müllschluckanlage zu haben, bedeutete für die meisten ersten Mieter einen bis dahin nicht gekannten Luxus", erzählt Sigrid Sandmann.

Die auf Lichtprojektionen sowie andere Kunstprojekte spezialisierte Künstlerin hat sich mit der Geschichte der Hochhäuser ausgiebig befasst. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Grindel-Giganten hat sie ein 13 mal 30 Meter großes Transparent angefertigt, das drei Monate an der Giebelwand des Eckhauses Hallerstraße 1 aufgehängt wurde. Auf dem Kunstwerk hat Sandmann persönliche Erinnerungen und Aussagen langjähriger Bewohner in einer Text-Collage verewigt.

Mehr als 20 Interviews hat die gebürtige Hildesheimerin dafür geführt. "Viele ältere Herrschaften berichteten, wie glücklich sie in den 1950er-Jahren über ihr neues Zuhause waren. In dieser Zeit entstanden viele Freundschaften. Die Menschen erfreuten sich an der fortschrittlich gestalteten Parkanlage und an den Geschäften, von denen es früher mehrere in den Häusern gab. Und es wurde viel mehr zusammen gefeiert", fasst Sandmann zusammen.

Zu den Anliegen des städtischen Konzerns gehört es, das architektonisch wie städtebaulich bedeutende Erbe zu erhalten. Die elf Gebäude wurden in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt in den letzten Jahren für rund 75 Millionen Euro saniert. Die hellen Klinkerfassaden und die Grünanlagen wirken heute frisch und einladend, die Wohnungen sind sehr begehrt. Vor allem jüngere Menschen sind in den vergangenen Jahren neu hinzu gezogen. Die Bewohnerstruktur zeichnet sich heute durch einen Mix aus Menschen jeden Alters, Singles und Paare mit und ohne Kinder, aus. "Die Kontakte im Haus sind von Offenheit geprägt und dabei nicht verpflichtend", sagt Sandmann. Ein Umzug kommt für sie nicht infrage. "Hier oben fühle ich mich häufig wie in einer anderen Welt. Hier kann ich hervorragend entspannen, aber auch gut denken und gut arbeiten. Zum Beispiel an meinem neuesten Projekt, bei dem es um Container und den Hamburger Hafen geht. Eines steht fest. Ich will hier garantiert nicht ausziehen."