Phoenixhof: Industriedenkmal mitten in Ottensen

Eine Stadt in der Stadt

Foto: Kim Schönert

Es herrscht reges Treiben in der alten Werkshalle. Wohnungen sind auch in Planung.

Hamburg. "Dachbox" oder "Goldkiste" nennen das Architektenpaar Christina Heeckt und Thomas Maurer das 150 m⊃2; große Büro in Form eines Kubus, der versetzt oben auf dem Geschäftshaus aufliegt. "Den goldenen Glanz erhält es durch die Kupfer-Aluminium-Legierung namens Tecu Gold", sagt Maurer, der die Idee hatte, das fünfte Geschoss optisch in Form und Farbe vom Gebäude abzusetzen. Es bildet nun einen markanten Blickfang am Eingang zum Phoenixhof in Ottensen, der in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist.

Mittlerweile haben sich hier mehr als 60 Firmen angesiedelt, darunter ein Atelier, eine Tanzschule, rund ein Dutzend Einrichtungshäuser sowie das "Atlas", eines der besten Restaurants in Hamburg. "Wir wollten, dass sich hier im Kleinen alles widerspiegelt, was eine moderne Stadt zu bieten hat", sagt Jörg Essen, dem gemeinsam mit seinem Bruder Kay Essen das rund 18 000 m⊃2; große Areal zwischen Stahltwiete, Ruhr- und Schützenstraße gehört.

Die Idee hatte Essen schon vor rund 15 Jahren, als er in das Familienunternehmen Essen Gruppe einstieg. Damals gehörten die Werkshalle des Ottensener Eisenwerks, der Hof und die ehemalige Fischräucherei bereits der Familie. Sie hatte 1970 Anteile gekauft, um den Eisenwerken zu helfen, doch das Werk musste bald darauf schließen. In den vielen kleinen Gebäuden rund um die Halle siedelten sich Kleinstunternehmer an; hier wurden Öl und Reifen gewechselt, Kartonagen gepresst, Boote eingelagert.

"Als ich 1995 in die Firma kam, stand ich vor der Frage Abriss oder Neubau", sagt Essen. Das Amt für Denkmalschutz habe kein Interesse gehabt, doch er hätte Gefallen gefunden an der alten Substanz.

Nach Sanierung und Umbau sei die Phoenixhalle1997 vom Architekten-Ingenieurverein als Bauwerk des Jahres ausgezeichnet worden. Heute, sagt Essen mit leisem Stolz, zähle der Phoenixhof zu Hamburgs Industriedenkmälern.

Außen sind die alten Mauern aus Backstein erhalten, durchbrochen von Flächen aus Glas und Stahl. Im Inneren ist der Hallencharakter bewahrt durch einen breiten Mittelgang und Büros, die in zwei Stockwerken als Galerie verlaufen. Unten mischen sich Büros, der Kochsalon des Restaurants und Geschäfte, wie zum Beispiel "Ross", der auf gesunde Lichtkonzepte spezialisiert ist oder Kusch & Co, die Restaurants und Bürohäuser einrichten, aber auch einzelne Sitzmöbel und Tische verkaufen.

An der Längsseite der alten Halle liegt das ehemalige Hochregallager. Hier sind heute ebenfalls Einrichter angesiedelt, etwa die deutsche Niederlassung von Team 7, die sich mit maßgefertigten Möbeln aus Holz einen Namen gemacht haben. Um die Phoenixhalle gruppieren sich weitere, unterschiedliche Gebäude. So die ehemalige Räucherei, in der "Atlas" - unter anderem von der Chaîne des Rotisseurs ausgezeichnet - seine Gäste bewirtet. Zum Restaurant gehört auch das gelb gestrichene Kaufmannshäuschen nebenan, wo Gäste und Profiköche gemeinsam Abende gestalten können. Gegenüber befinden sich ein Geschäft für Teakholzmöbel und eines für klassische Damen- und Herrenmode.

"Es war zu Anfang schwierig, den Phoenixhof rentabel aufzubauen", sagt Essen. "Mittlerweile sind wir eine Anlaufstelle für ein breites Publikum. Man kann hier einkaufen, Eltern bringen ihre Kinder in die Tanzschule, Studenten besuchen Kurse für Illustrationsdesign und angewandte Kunst." Neue Besucher beschert dem Phoenixhof das seit Januar in Betrieb genommene Fernsehstudio, das auf dem Gelände gebaut wurde. Hier moderiert jetzt ZDF-Mann Markus Lanz, zudem finden hier die Sendungen "Lafer! Lichter! Lecker!" und "Die Küchenschlacht" statt. Für die Sendungen kommen jeden Abend etwa 150 Zuschauer zum Phoenixhof. Gebaut haben das 500 m⊃2; große Studio ebenfalls Heeckt + Maurer, die schon das nächste Projekt für Essens planen: Auf einem Parkplatz hinter dem Atlas entsteht ein neues Bürogebäude, weiter Richtung Stahltwiete sogar ein zweites.

Damit kommt Essen seiner Vorstellung von einer Stadt in der Stadt wieder ein Stück näher: "Erstmals haben wir jetzt die Genehmigung, zusätzlich zur gewerblichen Nutzung hier acht Wohnungen zu bauen. Damit arbeiten hier bald nicht nur Menschen, sondern wohnen auch."