Bahrenfeld: Einblicke in die Steenkampsiedlung

Ein Wohn-Ensemble im Wandel der Zeit

Foto: Holmer Stahncke

 Foto: Holmer Stahncke

Die Häuser wurden vor gut 90 Jahren errichtet. Nach dem Verkauf durch die Saga werden sie Zug um Zug saniert.

Hamburg. Man sieht der Steenkampsiedlung in Bahrenfeld ihr Alter von beinahe 90 Jahren an. Einige Häuser der Anfang der Zwanzigerjahre von der Saga erbauten Gartenstadt sind vor zwei Jahrzehnten zum letzten Mal renoviert worden, andere haben in den vergangenen Jahren eine Komplettmodernisierung erlebt. Darunter ist auch das Haus des Architekten Gerhard Fischer, Inhaber des Architekturbüros GFHF. Er hat das Reihenhaus, in dem er mit seiner Frau Stefanie und ihrem vierjährigen Sohn lebt, vor einigen Jahren von der Saga gekauft. Vertraut ist ihm das Haus seit seiner Kindheit, denn hier haben seine Großmutter und später auch seine Mutter gewohnt. Seine Großmutter war in den 1930er-Jahren in die Steenkampsiedlung gezogen, die seinerzeit noch zu Groß Flottbek gehörte.

Damals waren die Häuser der Siedlung hochmodern und konnten mit einem Keller und einem Bad aufwarten - zu der Zeit durchaus keine Selbstverständlichkeiten. In den Gärten der Siedlung wurde Gemüse und Obst angebaut, manche Mieter hielten sich auch Schweine, nicht zuletzt weil die Mieter nach dem Heimstättengesetz zur Selbstversorgung verpflichtet waren.

Seitdem hat sich einiges in der in pastelligen Gelb- und Rosatönen gehaltenen Siedlung verändert. Sie hat sich in eine idyllische grüne Oase inmitten der Großstadt verwandelt.

Fischer, der sich als Architekt auf Umbauten spezialisiert hat, macht mit Kaufinteressenten Begehungen in Häusern der Siedlung, wenn diese von der Saga zum Verkauf angeboten werden. Dazu Saga-Sprecher Carl Mario Spitzmüller: "Vor zehn Jahren wurden in der Steenkampsiedlung erstmals Häuser zum Kauf angeboten - ausschließlich Mietern, die sie mit Abschlag auf den Marktpreis erwerben können. Heute befinden sich rund 60 Prozent der Häuser im Eigentum."

Die Bausubstanz der Gebäude ist, so der Architekt Fischer, ihrem Alter und den knappen Baumitteln in den Zwanzigerjahren entsprechend. "Man ist damals sparsam mit Mörtel umgegangen." Eigentümer, die ihr Steenkampsiedlungshaus renovieren wollen, rät er, zunächst einmal die gesamte Haustechnik zu erneuern, wie er es in seinem Haus auch getan hat. "Die elektrischen Leistungen waren teilweise noch mit Stoff isoliert. Das musste alles neu verlegt werden." Damit im Keller ein neuer Gasofen aufgestellt werden konnte, musste dieser zunächst einmal trockengelegt werden. Dazu Gerhard Fischer: "Glücklicherweise konnten wir unseren Nachbarn überzeugen, seinen Keller ebenfalls trockenzulegen. Nur so konnten wir den Bagger auf die Rückseite des Hauses bekommen, um die Außenwand freizulegen und abzudichten." Andernfalls hätte er den Bagger mit einem Kran übers Dach transportieren lassen müssen.

Zur Sanierung gehörte auch die Dämmung des Daches und der Außenwände. Zur Gartenseite wurde eine Dämmschicht von 20 Zentimetern aufgebracht, zur Straßenseite begnügte Fischer sich mit zwölf Zentimetern, um "den Vorsprung gegenüber den Nachbarhäusern nicht zu groß erscheinen zu lassen". Auch neue Sprossenfenster wurden eingesetzt. Mit dem Dachausbau erweiterte sich die Wohnfläche von 80 auf 105 Quadratmeter.

Um das Haus auch im Inneren wohnlicher zu gestalten, wurde nicht nur der alte Dielenfußboden freigelegt - er war unter einer Farbschicht von "Ochsenblut" kaum noch zu erkennen. Und im Bad wurden Waschbecken installiert, denn dort gab es bisher nur eine Wanne. Um einen großen Küchen- und Essbereich mit Kochinsel zu schaffen, ließ Fischer eine Wand beseitigen. Die Kosten für diese Umbauten betrugen rund 80 000 Euro.

Um die Wohnfläche noch einmal um 20 Quadratmeter zu erweitern, wurde das Haus zur Gartenseite erweitert. "Die Siedlung steht unter Milieuschutz, sodass einem bei Anbauten Grenzen gesetzt sind", erklärt Fischer. Umso größer war sein Erstaunen, dass er sich bei dem Anbau nicht am Altbau orientieren sollte, sondern an einem Anbau am Nachbarhaus aus den 80er-Jahren. "Der war damals ohne Baugenehmigung gebaut worden - die wurde erst viel später nachgereicht", wundert sich der Architekt. Auch wenn er seinen ursprünglichen Entwurf deshalb nicht bei der Genehmigungsbehörde durchbekam, ist er mit seinem neuen Wintergarten doch zufrieden.

www.heimstaette-steenkamp.de
www.saga.de
www.gfhf.de

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