Teppiche: Neue Farben, Materialien und Strukturen

Kunsthandwerk für den Boden

Ob Einzelstück oder Fliesenware, Wohnung oder Büro: Bodenbeläge aus Textilien geben Räumen mehr als nur einen farbigen Blickpunkt.

Wie Licht und Farbe setzt auch der Teppich im Raum einen wichtigen Akzent. Sofatische können optisch aufgewertet werden, Tisch und Stühle einer Sitzgruppe im Essbereich erhalten einen Rahmen. Mit unterschiedlichen Formaten, Farben und Materialien lassen sich Wohninseln schaffen oder auch die Großzügigkeit einer Wohnung betonen. Nicht zuletzt bietet ein Teppich natürlich auch Wärme durch die Verwendung von Textilien.

Für Timo Holthoff, Geschäftsführer der einzigen deutschen Verkaufsausstellung des chinesischen Teppichherstellers "Tai Ping" in Hamburg, kann ein Teppich aber auch ein Kunsthandwerk sein. "Wir können Teppiche mit bis zu 150 Farbschattierungen produzieren", sagt Holthoff. Dabei setzen wir natürlich auch unterschiedliche Garne wie Seide oder Wolle ein. Außer der Vielfalt an Farben mit ihren changierenden Tönen böten die unterschiedlichen Herstellungstechniken eine weitere große Vielfalt, dem Teppich eine individuelle Note zu geben, sagt Holthoff.

So können zum Beispiel langflorige Teppiche unterschiedlich hoch geschoren werden, während an anderer Stelle des Teppichs ein dekoratives Element durch einen kurzen Velours oder eine Schlaufenware betont werden. Eine unterschiedliche Florhöhe - man bezeichnet dies auch als Polhöhe - wurde schon in den 1970er-Jahren als beliebtes Gestaltungselement eingesetzt. Unter der Bezeichnung "Shaggy-Teppich" waren dieses damals mit ihrem flauschigen Garn in vielen Wohnräumen zu finden. "Heute werden Langflorteppiche oft aus einem Polyestermaterial gearbeitet und bieten ein gewisses Maß an Wohnlichkeit", sagt Friedrich Bender, Partner und Mitbegründer des Teppichherstellers Kymo.

Für den Fachmann stellt sich mit der Frage nach der Wahl des Materials auch die Art der Nutzung. So würden im Bürobereich und im Home-Office eher kurzflorige und pflegeleichte Teppiche eingesetzt werden, während im Lounge- und Wohnbereich viele Innenarchitekten einen Langflor auswählten.

Nicht langflorig, dafür aber mit Höhen, Tiefen und deutlichen Farbschattierungen versehen ist der Teppich "Mienterra" aus der Deep Collection des türkischen Herstellers Stepevi. Wie in Falten gelegt wirken die Teppiche der Kollektion, die aus Wolle, Seide oder Leinen gearbeitet werden.

"Allgemein werden die Flore wohl kürzer", sagt Isa Glink, Chefdesignerin des Textilverlegers Kinnasand. Ihrer Meinung nach werden dafür die Herstellungstechniken, Strukturen und die Materialien eines Teppichs wichtiger und je nach Entwurf die Farbübergänge im Reliefschnitt streng betont. Während in diesem Jahr die auch in der Mode weit verbreitete Farbe Lila häufig im Teppichdessin verarbeitet wurde, sieht Friedrich Bender für 2010 ein helles, kühles Blau in den Teppichentwürfen. Als klassischer Farbton sei dabei aber immer noch das dezente Grau, ein Perlweiß oder auch das dunkle Anthrazit zu finden. Isa Glink sieht eine Farbentwicklung hin zu neutralen, eher subtil gestalteten Farben wie Grau oder Beige, die einen Farbeinschlag zu einer anderen Farbe haben, sich aber nicht genau einordnen lassen - dafür aber natürliche Töne mit kräftigen Farbakzenten kombinieren.

Eine ganz neue Dimension bei der Kreation von Einzelteppichen hat der Hamburger Architekt und Designer Hadi Teherani mit der Teppichfliesenkollektion Scale eröffnet. Ob Büro oder Wohnung, unterschiedliche Elementgrößen, Farben, Webarten und Muster können innerhalb ihrer Formate kombiniert werden und auch zu einem Einzelteppich zusammengesetzt werden.

Wie jeder Einzelteppich kann auch die Teppichfliese Raumwärme speichern - Fachleute sprechen von einer etwa zehnprozentig höheren Speicherkapazität als bei einem Hartboden. In diesem Zusammenhang sollte bei der Wahl eines Teppichs immer auch der mögliche Einsatz einer Fußbodenheizung bedacht werden. So sollte man beim Kauf auf die Rückenbeschichtung achten. Ein möglichst geringer Wärmedurchlasswiderstand stellt sicher, dass der Raum schneller erwärmt wird - mit weniger Energieaufwand.

Bei der Frage der Reinigung rät die Teppich-Chefdesignerin Isa Glink zu vorsichtigem Handeln. In jedem Fall sollte keine harte Chemie eingesetzt werden. Sicherer und in vielen Fällen auch erfolgreicher sei es dagegen, den Fleck nur mit Wasser, oder verdünnter Wollwaschlauge zu beseitigen.

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