Historie: Die alte Pathologie des AK Barmbek

Gesundheitszentrum hinter denkmalgeschützter Fassade

Auf dem Gelände des alten Allgemeinen Krankenhauses (AK) in Barmbek ist derzeit mit dem "Quartier 21" eines der größten Wohnprojekte der Hansestadt in Planung.

Hamburg. Neben den 21 erhaltenen historischen Gebäuden, die zu Wohnhäusern umgewandelt werden (wir berichteten), liegt am Rande des neuen Wohnquartiers an der Fuhlsbüttler Straße ein ehemaliges Krankenhaus-Gebäude: die alte Pathologie. Sie in ein Wohnhaus umzuwandeln wäre selbst in einer Zeit, in der kein Fernsehkrimi ohne Obduktion auskommt, etwas makaber gewesen. Das unter Denkmalschutz stehende Backsteingebäude wird daher bis 2010 von dem Projektentwickler Hansa-Terra zu einem modernen Gesundheitszentrum mit 13 Praxen umgebaut.

Barmbek - 1894 vom Vorort zum Stadtteil erhoben - hatte sich seit dem Bau der Speicherstadt in den 1880er-Jahren zu einem dicht bevölkerten Arbeiterwohnquartier entwickelt. Seine Bewohner fanden ihr Auskommen im Hamburger Hafen und in den zahlreichen Barmbeker Fabriken. Als man 1910 im Norden des Quartiers mit dem Bau des AK Barmbek begann - es wurde kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Betrieb genommen - orientierten sich die Planer am AK Eppendorf mit seinen Pavillons.

Diese sollten, nicht zuletzt in frischer Erinnerung an die fürchterlichen Auswirkungen der Cholera-Epidemie von 1892, verhindern, dass ansteckende Krankheiten in einer Station auf andere übergreifen konnten. Also erhielt auch das AK Barmbek - nach den Allgemeinen Krankenhäusern in St. Georg und in Eppendorf das dritte in der Hansestadt - 30 einzeln stehende, stadtvillenartige Gebäude.

Das hygienisch auf dem neuesten Entwicklungsstand gebaute Krankenhaus lag in einem Park mit eigenen Brunnen. Es war weitab von den Arbeiterquartieren auf der grünen Wiese gebaut worden. Das Wohnviertel Barmbek-Nord entstand erst in den 1920er-Jahren.

Mit dem Bau der Asklepios-Klinik Ende der 1990er-Jahre war das Gelände des alten Allgemeinen Krankenhauses obsolet geworden. So begann man neue Pläne auszuarbeiten und das Gelände als Wohnquartier zu entwickeln ( www.quartier21.eu ). Die Pathologie bleibt dabei aus den oben genannten Gründen außen vor. Der Backsteinbau soll ein Atrium erhalten, in dem ein Patienten-Café die Wartezeit verkürzen soll. "Mit dem Gesundheitszentrum wollen wir die Nahversorgung der Bürger verbessern und die Nähe zur Asklepios-Klinik nutzen, um den interdisziplinären Austausch zu fördern", sagt Objektentwickler Bernd Miebach.

Auch wenn die Grundrisse des 2800 Quadratmeter großen Gebäudes den Erfordernissen moderner Arztpraxen angepasst werden mussten, bleibt die Altbausubstanz doch erhalten. Teile werden sogar in den Originalzustand zurückversetzt. So wird beispielsweise das Dach mit vier neuen Dachreitern nach dem Vorbild des Dachs von 1913 versehen. "Wir orientieren uns eng an dem historischen Vorbild, um dieses architektonische Juwel, das modernste Infrastruktur für Ärzte bereithält, attraktiv zu machen", sagt Frank Kutschera, geschäftsführender Gesellschafter der Hansa-Terra.

Überhaupt wurden alle Arbeiten am Haus in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt vorgenommen. Das Haus war in den Jahren, als es leer stand, jugendlichem Vandalismus zum Opfer gefallen und nicht nur mit Graffiti beschmiert worden, sondern durch eingeschlagene Fenster dem Verfall preisgegeben.

Davon wird nichts mehr zu sehen sein, wenn das Gesundheitszentrum im Frühjahr 2010 seinen Betrieb aufnimmt und Mediziner aller Disziplinen ihre Praxen eröffnen. "Die Nachfrage seitens der Ärzte war groß", sagt Bernd Miebach.

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