Afrika: Einrichtungsstile der Welt

Möbel aus Metall und Seegras

So schön wohnt man in fremden Ländern. Anregungen vom zweitgrößten Kontinent. Traditionelle Gegenstände in neuer Funktion.

Mit einer Fläche von 30,3 Millionen Quadratkilometern ist Afrika der zweitgrößte Kontinent der Welt. In den 53 unabhängigen Staaten werden über 2000 eigenständige Sprachen gesprochen. Allein diese Zahlen geben einen Eindruck von der Vielfalt der ethnischen Gruppen und der von ihnen benutzten Wohn- und Gebrauchsgegenstände.

Von einer international ausgerichteten Produktion für Wohnmöbel kann man mit Ausnahme von Südafrika bisher nur in Ansätzen sprechen. Mit Geschäften in Hamburg, Berlin und Karlsruhe versucht Mia-Collection ursprüngliche Formensprachen neu zu interpretieren und Produkte zu entwickeln, die funktional sind und in das moderne Wohnambiente hineinpassen. Hierbei wird eng mit Produktdesignern aus Ghana zusammengearbeitet.

Der Hocker zum Beispiel, von hoher Symbolkraft und seit Jahrhunderten in Verwendung, ist ein typisches afrikanisches Möbel. In einigen Gebieten zählt er zu den ersten Geschenken eines Vaters an sein Kind. Gleichzeitig ist er aber auch als Brautgeschenk oder Herrschersitz üblich. Mit einer schalenartig gewölbten Sitzfläche über einem vertikalen Kreis auf einer ebenen Bodenplatte findet man Letzteren in Teilen Westafrikas. Während der flache Boden die Verbindung zu den Ahnen darstellen soll, steht der Kreis für die Vollkommenheit, und die gewölbte Sitzfläche signalisiert die Verbindung zum Himmel. Afrika befindet sich im ständigen Wandel. Oftmals haben Ritualobjekte ihre traditionelle Bedeutung verloren und sich zu reinen Dekorationsobjekten entwickelt. Viele Afrikaner bevorzugen in ihrem Wohnumfeld heute westlich orientierte Gebrauchsmöbel. Allerdings ist in jüngster Zeit eine Rückbesinnung auf afrikanische Identitäten, Symbole und Formensprachen zu verzeichnen. ,,Viele dieser Dekore und Muster waren vor gar nicht allzu langer Zeit noch den Göttern vorbehalten. Heute ist die Vielfalt der jeweiligen Muster, die immer mit einer bestimmten ethnischen Gruppe in Verbindung standen, in abgewandelter Form an hölzernen Sitzmöbeln, Kommoden sowie auf Vorhangstoffen und Bezügen zu finden", sagt Alexander Dorn, Geschäftsführer von Origomundi, einer Online-Galerie für ethnografische Kunst und Dekorationsobjekte in Hamburg. Origomundi - lateinisch für Erschaffung der Welt - will Käufer für authentische, aber erschwingliche Gegenstände der Tribal Art begeistern. "Hinter den Gegenständen - ob Masken, Gefäße oder Waffen - stehen zudem spannende Geschichten", sagt Dorn. Nicht nur Sammler suchen solche Exponate, sondern die Gegenstände sind auch zunehmend als dekoratives Element im Wohnraum gefragt.

Da in Afrika in den letzten Jahrhunderten viele Waldreserven abgeholzt wurden - in Ghana allein waren es über 70 Prozent der Wälder - versucht Mia den Rohstoff Holz bewusst und sparsam einzusetzen und benutzt daher bei der Entwicklung neuer Möbel auch Metall und Ton. Beispiel dafür sind Tisch und Stühle aus einer Kombination von Metall und Seegras. "Das Metall wird mit Lehm überzogen, damit es nicht so kalt wirkt", sagt Kai Brenke, Inhaber von Mia-Collection in Hamburg. Mit den beige-grünlichen Bändern aus Seegras werden Tischteile dekorativ umwickelt, Sitzflächen geflochten und auch Lampenschirme bespannt. Für große Bastkörbe, wie sie aus dem Senegal kommen, wird dagegen Elefantengras verwendet. Teilweise werden auch Recyclingmaterialien für die Möbelherstellung verwendet: "Wir importieren aus Ghana den Woodcore-Hocker aus hellem Ceiba-Holz. Aus Ceiba-Stämmen werden die großen Einbaum-Boote gebaut. Die für unsere Hocker verwendeten Ceiba-Holzkerne sind ein Abfallprodukt, welches bei der Holzplattenherstellung angefallen ist", sagt Brenke.

Ein beliebtes Dekorationsobjekt ist auch die getöpferte Vase, die in ihrer ursprünglichen Bedeutung als Tongefäß zur Aufbewahrung von Lebensmitteln und Wasser diente. Heutzutage werden die Vasen oder auch kleinere Beistelltische in Aufbautechnik verfertigt oder auf der Töpferscheibe gedreht, wenn sie aus Ton sind. Anschließend werden sie mit traditionellen Symbolen versehen.

"Wir haben hier im Geschäft Vasen, die in der Raku-Technik entstanden sind. Dabei werden die Tonwaren im offenen Feuer gebrannt und noch heiß mit Blättern und Sägespänen abgedeckt. Hierbei oxidiert ihre Oberfläche und wird metallisch glänzend schwarz", sagt Brenke.

Ein weiteres Feld der afrikanischen Einrichtung bildet der textile Bereich mit seiner Farbenpracht und einer Vielzahl von gewebten und gedruckten Mustern. Teilweise erhalten Wände auch dreidimensionale Oberflächenstrukturen aus Lehm, die dann bemalt werden. Eine kleine Alternative zu dieser dekorativen Wandveredelung bieten kleine Reliefs in dieser Technik, die aufgehängt werden können. Afrikanisches Wohnambiente in Miniatur.

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