Baustil: Holzfassaden und überdachte Veranden

Wohnen wie in den USA

Für deutsche Ansprüche wird die Gartenseite aufgewertet und ein Flur eingeplant.

"The American way of life" - allabendlich flimmert der amerikanische Lebensstil in die Wohnzimmer. Man meint ihn zu kennen und viele möchten ähnlich leben. "Ich erkenne in den Gesprächen mit Kunden schon, dass diese Fernsehserien ein Image von einem Haushalt transportieren, wie es viele gerne hätten", sagt Andrea Lissner-Espe, geschäftsführende Gesellschafterin von Boston Haus in Berlin. Doch die meisten deutschen Bauherren, die sich den Traum von einem klassischen amerikanischen Haus erfüllen, kennen die USA oder Kanada auch aus eigener Anschauung und verbinden persönliche Erinnerungen mit diesem Architekturstil.

Und ihre Zahl wächst. Die Anbieter amerikanischer Häuser registrieren ein steigendes Interesse. Deutsche Fertighaushersteller wie Baufritz (www.baufritz.de) haben amerikanische Häuser in ihr Programm aufgenommen. "Unser erstes amerikanisches Haus entstand in Zusammenarbeit mit zwei Professoren der Fachhochschule Rosenheim, die lange Zeit in den USA gelebt haben", sagt Marketingleiter Dietmar Spitz. Dass sich auch im metrischen Maß mit ausschließlich in Deutschland gefertigten Elementen ein amerikanisch anmutendes Haus bauen lässt, zeigt das rund 163 Quadratmeter große, schlüsselfertig ab 489 000 Euro angebotene Haus Steiger .

Klassisch amerikanische Häuser fallen nicht nur durch einige architektonische Besonderheiten auf, sondern durch zahlreiche Details wie die typischen Schiebefenster. Die Häuser scheinen aus mehreren ineinander geschobenen Elementen zu bestehen, was zu einer entsprechend verwinkelten Dachlandschaft führt. Das verleiht diesen Häusern ein einmaliges Flair.

Unverzichtbares Merkmal ist die "Porch", eine überdachte Veranda an der Vorderfront des Hauses. "Am Beispiel der Porch zeigt sich, dass US-Amerikaner ein anderes Verständnis vom Wohnen haben als wir Deutschen", sagt Marcus Klein von The White House in Högsdorf (www.whitehouse.de). In den Staaten lebe man zur Straße hin und genieße den Abend im Schaukelstuhl auf der Porch. "In Deutschland sitzt man lieber auf einer Terrasse hinter dem Haus mit Blick auf den eigenen Garten." Während die Gartenseite deutscher Häuser oft schöner als ihre Straßenseite ist, ist es in Amerika genau umgekehrt. "Amerikanern ist es egal, wie ihr Haus von hinten aussieht", sagt Klein. "Hinten liegen Wirtschaftsräume wie die Küche, der Wohnbereich liegt im Vorderteil des Hauses."

Das aber gefällt deutschen Kunden nur selten. Für sie werden die Pläne der amerikanischen Hersteller deshalb in der Regel überarbeitet. "Wir ziehen die Küche nach vorne und verlegen die Wohnräume nach hinten", so Lissner-Espe. Außerdem gibt es einen Flur, denn Deutsche platzen ungern direkt von der Straße ins Wohnzimmer. Beim rund 174 m2 großen Haus "Hamilton" von Boston Haus (www.bostonhaus.de), das schlüsselfertig für 250 500 Euro angeboten wird, hat die Wohnküche eine eigene kleine Veranda zum Carport. Die Einkäufe lassen sich so problemlos in die Küche bringen.

Wichtig sei, so Marcus Klein, dass man beim Planen die typisch amerikanischen Details nicht aus dem Auge verliere. So importierten die Hersteller von US-Häusern die charakteristischen Schiebefenster mit ihren getönten Scheiben, die Türen mit den Drehknäufen und die flachen Dachschindeln aus Nordamerika.

Lässt sich die Raumaufteilung leicht nach eigenen Vorstellungen ändern, sollte man jedoch bei äußeren Modifikationen sensibel vorgehen, rät Klein. "Wir werten die Rückfront des Hauses durch eine weitere Veranda auf, aber wir verzichten deshalb nicht auf die vordere." Kunden, die diese wegnehmen wollten, rät er davon ab, da so der Charakter des Hauses zerstört werde.

Ein schönes Beispiel, wie man es machen kann, ist das 206 Quadratmeter große Haus "Stroke of Luck" von The White House (schlüsselfertig 360 500 Euro). "Es ist im frühen amerikanischen Stil erbaut", so Klein. "Es hat zwei Veranden, einen Flur und drei große Zimmer im Erdgeschoss sowie eine Küche mit Tür zum Autostellplatz." In der Bibliothek gibt es einen Kamin. Mit den richtigen Möbeln steht dem amerikanischen Lebensgefühl so nichts mehr im Wege.

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