Noch nicht gebaut - schon verkauft

Harvestehude: An der Außenalster entstehen Luxusdomizile. Trotz hoher Kaufpreise sind fast alle Wohnungen in den noblen Neubauten bereits vergeben.

"Harvestehude gehört zu den beliebtesten Wohnlagen in Hamburg", sagt Marc Schymura, Büroleiter Außenalster beim Maklerunternehmen Dahler & Company. Immobilien, die hier zum Verkauf stünden, egal ob Bestands- oder Neubauten, fänden in der Regel sehr schnell einen Käufer. Von diesem Run auf das Nobelquartier am östlichen Ufer der Außenalster profitieren derzeit auch Bauvorhaben wie die am Harvestehuder Weg 37 und am Pöseldorfer Weg 26.

"Die Bauarbeiten haben am Harvestehuder Weg noch gar nicht begonnen, und die Wohnungen sind bis auf eine bereits alle verkauft", sagt Garlef Kache vom Maklerunternehmen Grossmann & Berger. Jedoch gebe es auch für die 765 000 Euro teure letzte Dreizimmerwohnung bereits einen ernsthaften Interessenten.

Auch Hendrik Hesselmann, Geschäftsführer beim Maklerunternehmen Karla Fricke, freut sich über ein reges Interesse an den Wohnungen am Pöseldorfer Weg 26-32. Die Hälfte der 13 Vier- und Fünfzimmerwohnungen sind bereits verkauft. "Die Preise bewegen sich zwischen knapp 900 000 und 1,3 Millionen Euro für die 155 und 258 Quadratmeter großen Wohnungen, so Hesselmann. Kein Angebot also für Berufsanfänger, räumt er ein, aber offensichtlich dennoch eines für junge Leute. "Die Käufer sind zwischen 30 und 60 Jahre alt", sagt er und fügt hinzu, daß man sich bei der Bestimmung der Zielgruppe, für die man baue, häufig irre.

Alle Käufer seien sich darin einig, daß sie zwar gern in einem Neubau wohnen würden, dieser aber im alten architektonischen Stil gebaut sein soll. Beide Neubauprojekte an der Außenalster orientieren sich an klassisch-historischen Vorbildern in der Umgebung. So auch die kürzlich fertiggestellten Stadthäuser und Wohnungen am Harvesterhuder Weg 77-79, die auf den ersten Blick anmuten, als seien sie vor hundert Jahren gebaut worden. "Die Wohnungen dort sind fast alle verkauft. Die letzte freie Wohnung steht kurz vor der Beurkundung", sagt Schymura von Dahler & Company.

"Wer nach Harvestehude zieht, erwartet etwas Besonderes", betont Hesselmann. Hier lebe man überwiegend in alten Stadtvillen und schätze das hanseatische Flair der Umgebung. Neubauten im modernen, zeitgenössischen Stil seien am westlichen Rand der Außenalster nicht so beliebt.

"Investoren sind in Harvestehude stets auf der Suche nach Baugrundstücken, um die Nachfrage befriedigen zu können", sagt Schymura. Meist jedoch vergebens. Anders als sie können aber bald Kauf- und Mietinteressenten fündig werden, die es nach Harvestehude zieht. Auf dem Gelände der ehemaligen Standortverwaltung der Bundeswehr an der Sophienterrasse werden hochwertige Stadtvillen und andere Häuser entstehen. Geplant sind rund 300 Wohnungen für 500 bis 600 Menschen. "Wir werden dort Eigentums- und Mietwohnungen der unterschiedlichsten Arten errichten", sagt Wolfgang Conrad von der Immobilienfirma Frankonia Eurobau, die das Gelände im Mai erworben hat. "Auch im denkmalgeschützten Gebäude direkt an der Sophienterrasse werden wohl Wohnungen entstehen", sagt er. Die Details seien noch unklar, da man erst das Ergebnis des Architektenwettbewerbs abwarten wolle. "Wir bereiten diesen Wettbewerb, zu dem wir voraussichtlich zehn Büros zwischen Hamburg und New York einladen werden, gerade vor." Ende des Jahres sollen die Preisträger benannt werden, 2007 sollen die Bauarbeiten beginnen.

Den in der Presse genannten Kaufpreis von 35 bis 40 Millionen Euro für das ehemalige Bundeswehrgelände wollte das Vorstandmitglied des nordrhein-westfälischen Bauunternehmens unterdessen nicht bestätigen.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.