Familienhäuser ab 66 000 Euro

Ausbauimmobilien: Wie man billig baut, was man mitbringen muß. Eigenleistung ist bei diesen Heimen fest eingeplant.

Nur 96 999 Euro - sowenig kostet das Ausbauhaus "Xtra", das der Hersteller Massa bei einer Sonderaktion mit RTL II anbietet. Und es geht noch billiger: 86 000, 73 000, sogar 66 000 Euro. Das klingt nicht mehr nach Haus-, sondern eher nach Autokauf. Doch sind diese Angebote echte Schnäppchen?

Fest steht: für sowenig Geld bekommt man kein schlüsselfertiges Haus. In den meisten Fällen verbergen sich dahinter sogenannte Ausbauhäuser nach dem Schema: außen fertige Hülle, innen wenig drin. Was im wesentlichen fehlt, sind Installationsarbeiten, die Verkleidung von Wänden und Decken, Fußböden und Innentüren. Eigenleistung soll bei diesen Häusern Geld sparen. Fachleute gehen davon aus, daß je nach handwerklichem Geschick zwischen 10 000 und 30 000 Euro beim Innenausbau gespart werden können. Zudem rechnen Banken die als "Muskelhypothek" bezeichnete Arbeitsleistung des Bauherren (und oft seiner Freunde und Verwandten) als Eigenkapital bei der Finanzierung an.

Ausbauhäuser gibt es in vielen Baustilen: klassisch, modern, im Landhausstil, als Ein- oder Zweifamilienhaus. Marktführer auf diesem Gebiet ist Massa (www.massa-haus.de). Beim Haustyp LifeStyle 10 ist sogar ein Wintergarten im Preis von 73 000 Euro enthalten (gr. Foto). Das Ausbauhaus kommt mit einer Wohnfläche von rund 163 m2 in Niedrigenergiebauweise.

Der Typ Summer 130 von Allkauf-Haus (www.allkauf-ausbauhaus.de) ist für 90 000 Euro zu haben. Das klassische Haus mit Sparrendach hat ein fünftes Zimmer, das als Arbeits-/Gästeraum oder drittes Kinderzimmer genutzt werden kann. Der Grundriß ist quadratisch, die Wohnfläche umfaßt rund 137 m2.

Rensch-Haus bietet bei der Baureihe Clou (www.rensch-haus.com) eine Auswahl von 16 Grundrissen bei unterschiedlichen Baustilen. Das Niedrigenergie-Pultdachhaus Clou 140 zeigt sich zum Beispiel in schnörkelloser, moderner Architektur. Bodentiefe Fensterfronten sorgen für viel Licht. Eine offene Massivholztreppe führt ins Obergeschoß, in dem sich drei Schlafzimmer, ein Arbeits- oder Gästezimmer und ein großes Bad befinden. Insgesamt beträgt die Wohnfläche 140 m2. Im Preis von 88 340 Euro sind Bauantrag, Außenfensterbänke aus Naturstein, Innenfensterbänke aus Jura-Marmor und Rolläden enthalten.

Gerade einmal 66 000 Euro kostet das einfachste Ausbauhaus aus der Capri-Reihe von CreAktiv, einer Kampa-Tochter (www.creaktiv-haus.de). Geboten wird dafür die fertige Haushülle inklusive hoch gedämmter Außenwände, farbigem Putz, Fenstern, Rolläden und Architekturleistung. Die Häuser können durch Erker und Anbauteile erweitert werden. Die Grundvariante hat 112 m2 Wohnfläche.

Fertige Ausbaupakete für das jeweilige Haus können erworben werden, detaillierte Anleitungen sind enthalten. Bei den meisten Anbietern steht ein Ausbauberater zur Seite, und CreAktiv bietet zweitägige Kurse, in denen Bauherren in einem Musterhaus den Ausbau üben.

Die meisten Ausbauhäuser werden in Holzrahmenbauweise gebaut. Die Hüllen sind in der Regel in zwei bis drei Tagen errichtet und dann bereits rundum wetterfest. Der Selbstausbau kann dann beginnen. Es gibt auch massive Ausbauvarianten, die aus Betonfertigteilen oder Stein auf Stein errichtet werden.

Selbst bauen verlangt jedoch handwerkliches Geschick und vor allem viel Zeit (Grafik li.). "Bauherren sollten sich gut überlegen, was sie in Eigenleistung erbringen können", rät Frank Staudinger vom Verband Privater Bauherren. "Insbesondere der technische Bereich mit Heizungs- und Elektroinstallation sollte schon wegen der Gewährleistung von Profis ausgeführt werden." Wichtig sei auch das Zeitmanagement. Eigenleistungen müssen exakt in den Bauablauf integriert werden. Zeitverzögerungen verursachen Extrakosten, wenn beim Innenausbau Firmen involviert sind.

Zusätzliche Kosten für Strom- und Gasanschlüsse, die nur vom Fachbetrieb installiert werden dürfen, und für einen Bauleiter, der die einzelnen Bauabschnitte kontrolliert (behördlich verlangt), sollten einkalkuliert sein. Kosten fallen auch für die Bau-Berufsgenossenschaft an, denn hier müssen alle beteiligten Helfer registriert sein.

Wer sich bestimmte Arbeiten nicht zutraut, sollte sich nur für ein Ausbauhaus entscheiden, das bereits mit Heizung, Elektro- und Sanitärrohrinstallationen sowie Estrich ausgestattet ist. In der Regel haben die Anbieter solche technikfertigen Ausbauhäuser in ihrem Programm.

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