Quartier 21

Neues Leben im alten AK Barmbek

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Alexandra Grossmann

Auch wenn das Quartier 21 noch im Bau ist - 330 von 590 Wohnungen sind auf dem ehemaligen Krankenhausgelände bereits bezogen.

Das Projekt ist einzigartig in Hamburg: Auf dem Gelände des ehemaligen Barmbeker Krankenhauses entsteht mit dem Quartier 21 ein Stadtteil im Stadtteil, mit restaurierten Altbauten, modernen Wohnungen und einer Infrastruktur, die außer Geschäften ein Ärztehaus und ein Seniorenpflegezentrum umfasst. Noch befindet sich vieles im Bau: Erst vor wenigen Tagen wurde Richtfest gefeiert für zwei L-förmige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 63 Wohnungen, die eine landschaftlich gestaltete Grünanlage umgeben.

"Ich finde das ganze Ensemble faszinierend", sagt Bastian Humbach, Projektleiter bei Hamburg Team. "Das Quartier 21 ist eine Besonderheit, eigentlich ein Flächen-Denkmal. Altes wird nach den Vorgaben des Denkmalschutzes umgebaut und ergänzt durch Neubauten." Die Struktur sei schon vorhanden, bei den Altbauten handle es sich um stattliche Gebäude, die eine starke Präsenz haben. "Sie sind umgeben von Bäumen und Alleen, manche der Kastanien und Eichen sind 100 Jahre alt. Die Atmosphäre, die das Quartier prägt, ist besonders."

Humbach hat von Anfang an die Planungen und den Umbau des Areals begleitet - seit Hamburg Team und Hochtief 2006 das Krankenhausgelände von der Stadt unter der Auflage übernommen hatten, einen großen Teil der Gebäude und Parkbäume zu erhalten. "Heute sind rund 80 Prozent des Quartiers fertiggestellt", sagt der Planer. 410 von insgesamt 590 Wohnungen und Häusern seien gebaut, rund 330 von ihnen bereits bezogen. Kaufpreise bewegten sich zwischen 3200 und 3700 Euro pro Quadratmeter. "Bis Ende des Jahres sollen alle Baumaßnahmen abgeschlossen sein."

+++Traumquartier an der Martinistraße+++

Schon jetzt ist Leben auf dem Gelände eingekehrt: Mütter mit Kinderwagen sind zu sehen, Spaziergänger flanieren auf den neu angelegten Wegen, vor allem auf der "Campusspange", einer großzügigen Freifläche in der Mitte des Areals, wo es Spielplätze und Sitzgelegenheiten gibt. Auch die Infrastruktur ist schon da: "Es ist fast alles zu bekommen, was wir für den Alltag brauchen", sagt Nina Endtner. "Es gibt einen Supermarkt und eine Drogerie, einen Bio-Markt und eine Apotheke."

Die 37-Jährige und ihr Mann Robin kauften im Oktober vergangenen Jahres eines der Stadthäuser im Haus 29, das zu den restaurierten Krankenhaus-Solitären zählt. "Es steht etwa in der Mitte des Quartiers", sagt Endtner. "Aus dem Mittelteil des Gebäudes wurden acht Wohnungen, aus den Seitenflügeln je drei Stadthäuser gebaut."

Endtners wohnen mit den Söhnen Julius, 5, und Fabian, 3, an einem Ende, ihr Haus hat zwei Etagen und einen 300 Quadratmeter großen Garten. "Es ist wunderschön hier, aber den Ausschlag für den Kauf gaben andere Gründe", sagt Nina Endtner. "Wir lebten in der Nähe, mussten uns aber vergrößern, weil die Wohnung für vier zu klein wurde. Ich wollte auf keinen Fall an den Stadtrand ziehen, wir mögen den Stadtpark, viele unserer Freunde wohnen in der Umgebung. Und die Kinder sollten in ihrer Kita bleiben können."

Durch Zufall hörten Endtners vom Verkauf der Stadthäuser im Quartier 21. "Wir stellten schnell fest, dass es für uns ideal ist", sagt die zweifache Mutter, "weil wir hier alles Notwendige vorfinden." Neben den Geschäften zum Einkaufen sind wir nah an der S-Bahn. Mein Mann und ich gehen abends häufig aus, mit der Bahn sind wir schnell in der Stadt." Wenn die Kinder größer seien, könnten auch sie sich selbstständig bewegen, sagt sie. Jetzt, da die Jungen noch klein sind, haben sie jede Menge Platz auf den freien Flächen und den Spielplätzen. "Und es gibt genügend andere Kinder zum Spielen." Mittlerweile habe sie sich auch in das Haus verliebt, verrät Nina Endtner. "Es ist ein sehr spezielles Wohnen. Die Decken sind 3,70 Meter hoch, überall ist sehr viel Licht, das durch die schönen neuen Sprossenfenster einfällt."

+++Alt und Jung leben gemeinsam unter einem Dach+++

Das AK Barmbek wurde 1910 gebaut, im Laufe der Jahre entwickelten sich die weiten Wege zwischen den Häusern und die kleinen Stationen immer mehr zu einem Problem. So wurde es nach dem Bau der benachbarten Asklepios-Klinik stillgelegt.

"Ich fand es spannend zu überlegen, wie wir die Krankenhausatmosphäre ändern, wie wir dem Gelände eine neue Identität geben können", sagt Humbach. "Zu Anfang gab es nur verlassene Gebäude, hier und da an stand eine leere Pritsche herum", sagt der 36-Jährige. Das Ziel sei gewesen, auf den Flächen ein Quartier zu planen, das als lebendiger Bestandteil des Stadtteils Barmbek empfunden werde. "Wir bildeten zehn Baufelder, die jeweils eigenverantwortlich entwickelt wurden. Hamburg Team übernahm die Baufelder zwei, sieben und Teile von fünf", sagt der Entwickler.

Da von Beginn an die Idee verfolgt wurde, ein Quartier zu schaffen, in der alle Altersgruppen zusammenleben, gibt es neben Wohnungen in verschiedenen Größen auch das Integra Seniorenpflegezentrum. Es bietet 132 stationäre und 15 Tagespflegeplätze. Ebenso gehört es zum Konzept, das ehemalige Krankenhausgelände in den Stadtteil zu integrieren, darum wurde ein Ärztehaus eingerichtet. Ein Kindergarten ist geplant, ebenso ein Fitnessstudio. "Das letzte, was für uns noch zu tun bleibt, ist, den Zusammenhalt unter den Bewohnern zu fördern", sagt Humbach. Zurzeit gründe sich ein Nachbarschaftsverein, eventuell gingen daraus eine Kinderbetreuung, ein Fahrrad-Pool oder gemeinsam organisierte Seniorenhilfe hervor. "Unser Job ist es, uns irgendwann zurückzuziehen, auch wenn dies langsam geschieht", sagt Humbach. Über die Jahre habe er ein persönliches Verhältnis zu dem Quartier entwickelt. "Die einzelnen Häuser sind schön", sagt er, vor allem das ehemalige Casino sei ein Schmuckstück geworden. "Es war toll, bei der Entwicklung dabei sein zu können. Als der erste Briefträger über die Wege ging, die ersten Bewohner Briefe aus dem Postfach holten, das hat mich sehr begeistert."

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