Goethe und die Monroe stets zu Gast

Foto: Michael Zapf

Hoch über den Dächern von Rotherbaum wohnt Jürgen Hunke in seiner "Junggesellenbude". Sein Tag beginnt hier in der eigenen Sauna

Seine Tage beginnt Jürgen Hunke stets in aller Frühe. Morgens um fünf Uhr steht der Hamburger Kaufmann, Kunsthändler, Verleger, Autor und ehemalige Präsident des Hamburger Sportvereins auf. Dann kommt ein Masseur. Anschließend treibt der 66-Jährige, der schon den legendären New Yorker Marathon gelaufen ist, eine Stunde Sport und rundet das morgendliche Programm mit einem Gang in die Sauna sowie ins Dampfbad ab. Danach widmet sich Jürgen Hunke in seinem großen Wellness-Bereich mit direkt angrenzender Ankleide der Post und der Tageszeitungs-Lektüre, bevor er gegen zehn Uhr in seinem Büro am Mittelweg aufschlägt.

Bereits seit 1990 bewohnt Jürgen Hunke das prächtige Dachgeschoss eines schönen, schneeweißen und mehr als 100 Jahre alten Jugendstilhauses im Stadtteil Rotherbaum nahe der Hamburger Universität. "Ich wollte unbedingt ganz oben wohnen, nach Pariser Vorbild und vor allem mit einem herrlichen Blick über die Dächer dieser Traumstadt", erzählt der hochgewachsene Mann mit dem zurückgekämmten Haar. Und so scheute er keine Mühen und sprach höchstpersönlich beim Bauamtsleiter vor, um eine Genehmigung für den Dachausbau zu erhalten. Mit Erfolg. Drei Jahre später waren die umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten vollbracht, und Hunke konnte seine "Junggesellenbude", die überwiegend für den Abend konzipiert ist, beziehen. Der Blick aus den teilweise bodentiefen Fenstern ist tatsächlich faszinierend. Noch eindrucksvoller allerdings ist der Rundum-Blick von der großen Dachterrasse mit Holzbelag. Sie ist über eine Wendeltreppe vom Wohnbereich aus zu erreichen. Dort fühlt sich der Hausherr vor allem in den warmen Sommermonaten besonders wohl und "seiner Stadt" sehr nah.

Was mittlerweile längst üblich ist, hat Jürgen Hunke bereits vor 20 Jahren realisiert. Ineinander übergehende, großzügig bemessene Wohnräume mit großen Fenstern und extrem hohen Decken, die immer wieder neue Sichtachsen entstehen lassen. Vorherrschende Farben in allen Räumen sind Schwarz, Weiß und ein kräftiges Rot.

Die Farben hat der bodenständige, aber auch extrovertierte Wahlhamburger mit Bedacht ausgewählt. Seit er vor über 30 Jahren zum ersten Mal nach Asien gereist ist, faszinieren ihn die Architektur, die Landschaft, die Menschen und die Religion der Jahrtausende alten Kulturen. Von der Philosophie des Buddhismus und der fernöstlichen Welt ist er seitdem nicht mehr losgekommen. Das Ergebnis seiner Eindrücke und Erinnerungen spiegelt sich in seinen Sammlungen alter und neuer Buddha-Darstellungen und Buddha-Köpfe wider. Erhältlich sind sie in den vier Mikado-Galerien. Auch in seinen eigenen vier Wänden stehen unzählige Schreine und Buddha-Figuren aus Thailand, Bali oder Burma.

Etwa zwei Meter groß ist die Figur, die den Besucher empfängt, wenn er den Fahrstuhl verlässt. Davor stehen zwei hohe, transparente Kerzenleuchter, ein Pflanzgefäß mit strahlend weißen Orchideen und ein Wasserbecken, in dem Seerosen schwimmen. "Die Buddha-Statuen geben mir Ruhe, sie inspirieren mich", erzählt Jürgen Hunke, der heute als evangelischer Christ nach der buddhistischen Philosophie lebt. Es ist genau diese Mischung verschiedener Elemente, die er in der heutigen Welt als ungeheuer wichtig erachtet.

In seiner Wohnung hat er ebenfalls ausgiebig, lustvoll und mutig kombiniert. Einen spannenden Kontrast zu den alten Wohnaccessoires bildet die hochmoderne Technik, die überall zum Einsatz kommt. Auch die zeitgenössischen Gemälde mit überwiegend realistischen Motiven sowie die passgenau hergestellten Einbauschränke, Sideboards und Bücherregale harmonieren mit den alten Stücken.

Viele der Einzelmöbel hat Jürgen Hunke auf seinen Reisen entdeckt oder nach seinen Vorstellungen anfertigen lassen. "Ich bin nun mal absolut kein Markenfetischist, sie interessieren mich überhaupt nicht", sagt Jürgen Hunke, der stets auf der Suche nach Neuem ist: Stillstand kommt für ihn deshalb nicht in Frage. Zu den aktuellen Errungenschaften in seiner Wohnung gehören weiße Holzshutter für die Fenster, die er in China hat bauen lassen. Sie tauchen die Wohnräume in ein angenehm zu dosierendes Licht.

Besonders stolz ist Jürgen Hunke auf seine neuen Wandverkleidungen aus Glas. "Der Baustoff zählt für mich zu den schönsten überhaupt", sagt der Ex-HSV-Chef. "In Zukunft werde ich noch viel mehr damit planen." In Auftrag gegeben hat der Hamburger auch das riesige, etwa drei mal vier Meter große Gemälde, das an der Wand bei dem großen, schwarzen Holzesstisch hängt. Verewigt sind darauf einige seiner Vorbilder - der griechische Philosoph Sokrates, der spanische Maler Salvador Dalí, der Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der Komponist Ludwig van Beethoven, der US-Autor Ernest Hemingway und der Physiker Albert Einstein - in fröhlicher Runde an einer Tafel vereint.

Nicht minder auffällig ist die Ansammlung von etwa 20 silbernen Bilderrahmen auf dem schwarzen Klavier. Sie zeigen nicht etwa Aufnahmen von lieb gewonnenen Menschen, sondern Immobilien. "Das sind die Schätze, die ich im Laufe der Jahre erworben oder gebaut habe", erzählt Hunke, der in seiner Wohnung noch nie einen Innenarchitekten beschäftigt hat. In Kürze könnten zwei neue Bilderrahmen dazukommen, denn der Tausendsassa plant wieder: Zum einen richtet er sich gerade über seiner Galerie in der Berliner Fasanenstraße ein modernes Stadtpalais ein. Das zweite Projekt schiebt er derzeit in seiner zweiten Heimat Timmendorf an der Ostsee an. Auf einer Plattform der Seebrücke soll ein anderthalbgeschossiges, weißes Teehaus mit einer Bildergalerie entstehen. Der Visionär Hunke will es so realisieren, wie es ihm und auch den Timmendorfern gefällt: Weil ihm nicht nur Hamburg und Berlin, sondern eben auch der Timmendorfer Strand am Herzen liegt.