Historie: Das Hulbehaus an der Mönckebergstraße

Flandrischer Baustil als Vorbild

Foto: Staro

In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg war Hamburg eine einzige Baustelle. Mit Großbauprojekten suchte die Stadt den Weg in die Moderne.

Hamburg. In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg war Hamburg eine einzige Baustelle. Mit zahlreichen Großbauprojekten gab sich die Stadt ein neues weltstädtisches Gepräge und suchte den Weg in die Moderne mit ihren vielfältigen architektonisch-stilistischen Angeboten von Neo-Gotik bis Jugendstil. Dazu gehörten der Bau der Speicherstadt, des neuen Rathauses, der Landungsbrücken, der Hochbahn und des Hauptbahnhofs. Und immer wieder wurden neue große Kontorgebäude im Zentrum um den Jungfernstieg und die Binnenalster errichtet.

Da passte das von Fachwerkhäusern geprägte Altstadtquartier rund um die Petri- und die Jacobikirche, das den Großen Brand von 1842 überstanden hatte, nicht ins Bild - zumal es einer direkten Straßenverbindung zwischen dem 1897 eingeweihten Rathaus und dem 1906 fertiggestellten Hauptbahnhof im Wege stand. 1908 begann man mit dem Abriss des Quartiers, um Platz für die 29 Meter breite Mönckebergstraße zu schaffen. 1915 waren die Arbeiten inklusive der U-Bahn abgeschlossen - das Zentrum verlagerte sich von der Alster in die neue Einkaufsstraße.

Mitten an der Mönckebergstraße fällt ein kleines Gebäude nahe der Petri-Kirche auf. Das Hulbe-Haus wurde 1910/11 vom Kunsthändler Georg Hulbe gebaut. Die 1908 eingesetzte Sachverständigenkommission, die verhindern sollte, dass Bauspekulanten das anspruchsvolle Konzept der Mönckebergstraße verfälschten, hatte das geplante Hulbehaus nicht zuletzt wegen seiner exponierten Lage ausführlich diskutiert. Den Entwurf übernahm der Architekt Henry Grell. Er baute ein historisierendes, reich verziertes Gebäude nach dem Vorbild flandrischer Häuser der Renaissance-Zeit. Die alten barocken Hamburger Kaufmannshäuser waren weitaus schnörkelloser gebaut worden.

Zeitgenossen mögen das Haus als Beispiel einer internationalen kaufmännischen Bautradition empfunden haben, der Hamburgs Anspruch unterstrich, an der Spitze der Welthandelsstädte zu stehen. Ein Fremdkörper war das Haus jedoch nicht, und so wurde das durch Bomben beschädigte Gebäude nach dem Krieg vom Architekten Peter Pruter wieder aufgebaut - seit 1926 Büropartner von Henry Grell.

Wer mehr über die Mönckebergstraße und seine Gebäude erfahren möchte, sollte zu Jan Lubitz' 2009 im Junius-Verlag erschienenen Buch "Die Mönckebergstraße. Hamburgs Weg zur Großstadt" greifen.