Workshop in Hamburg

„Hour of code“: Wenn Siebenjährige Programmieren lernen

In einem Workshop durften Groß und Klein in die Kunst des Programmierens schnuppern. Auch in Hamburg trafen sich die Mark Zuckerbergs von morgen. Die Aktion „Hour of Code“ hat weltweit stattgefunden.

Hamburg. Hanna (14, Name geändert) beißt sich auf die Unterlippe. Ganz genau lauscht sie den Worten von Nils. Der trägt ein rotes T-Shirt, auf dem der wohl bekannteste, angebissene Apfel der Welt prangt. Nils ist Mitarbeiter im Apple-Store am Hamburger Jungfernstieg und erklärt zehn wissbegierigen Augenpaaren gerade die Anfänge des Programmierens.

Am Donnerstagabend fand im Rahmen der Informatik-Woche „Computer Science Education Week“ weltweit die Aktion „Hour of Code“ statt. Eine Aktion, bei der Kinder und Jugendliche, aber auch ältere Menschen kostenlos für eine Stunde in die Welt des Programmierens eintauchen durften. Die Altersspanne bei diesem Kurs: sieben bis 65 Jahre.

Hinter der „Hour of Code“, die dieses Jahr zum ersten Mal auch in Deutschland stattfand, steckt die Organisation code.org, die Schüler dazu ermutigt, sich mit Computerwissenschaft zu beschäftigen. Geht es nach code.org, sollte jeder die Chance haben, Informatik zu lernen und so den Grundstein für den Erfolg im Berufsleben des 21. Jahrhunderts zu legen. Schließlich kann schon die Entwicklung einer cleveren App ausreichen, um ausgesorgt zu haben.

Die ersten Zeilen programmieren

Dabei hilft neben anderen bekannten Unternehmen auch Apple: In allen 446 Retail Stores weltweit fand am Donnerstag der Workshop statt, für den das Unternehmen Räumlichkeiten und Geräte bereitstellte. Denn – das ist ganz klar – es ist auch im Interesse des Konzerns, bei Kindern das Interesse an Technologie zu wecken.

Auch Hanna entschloss sich, mit ihrem Bruder den Workshop zu besuchen. „Mich hat einfach interessiert, wie Programmieren funktioniert“, erzählt die 14-Jährige. „Wie es ist, die Person zu sein, die so was selbst macht.“ So sitzt die Jugendliche am Donnerstagabend auf einem schwarzen Holzstuhl im ersten Stock des Ladens, den Kopf in die linke Hand und den Ellbogen auf den hellbraunen Tisch gestützt, und lauscht Nils’ Ansagen. Dass um sie herum das alltägliche Apple-Geschäft von statten geht, ignoriert Hanna.

In Form eines Spiels soll sie ihre ersten Zeilen eines Codes programmieren, der einen Vogel durch ein Labyrinth lotst – und zwar ganz einfach mit den Befehlen „Vorwärts gehen“, „nach links drehen“, „nach rechts drehen“. Die Befehle richtig aneinander gereiht ergeben den Lösungs-Code – und den Einblick in die Basis des Programmierens. Hanna schnappt sich ein iPad mini, steckt die Ohrstöpsel gekonnt in Steckplatz und Ohren und legt los. Immer wieder kneift sie die Augen zusammen, überlegt kurz und tippt dann routiniert auf die Oberfläche des Tablets. Schnell ist sie bei Level 8 angelangt. „Wir haben was Ähnliches schon in der Schule gemacht. Es ist mir also nicht ganz neu“, sagt sie.

„Mädchen beschäftigen sich zu wenig mit Informatik“

Hanna gegenüber sitzt ein Vater mit seinem Sohn. Beide starren konzentriert auf ihr Tablet, die flinken Finger des Jungen lösen die Rätsel schneller als die des Vaters. Nach knapp 30 Minuten haben aber dann doch beide alle Hürden genommen und erhalten zur Belohnung ein Zertifikat, das ihnen bescheinigt, die Grundlagen der Computerwissenschaft zu verstehen. Auch Hanna und ihr Bruder bekommen am Ende die Urkunde. Dass sie an diesem Tag das einzige Mädchen ist, kann Hanna nicht nachvollziehen. Ihr selbst macht Informatik Freude. „Ich glaube, dass Mädchen einfach zu selten darauf gebracht werden, sich mit Informatik zu beschäftigen“, vermutet sie und zuckt die Achseln. Sie selbst kann sich sehr gut vorstellen, später mal im Informatikbereich zu arbeiten. Was genau? Das weiß sie noch nicht.

Anders ist das bei Delf Egge (65). Auch er nahm am Kurs teil, brach ihn aber zur Halbzeit ab. Denn Egge lehrt selbst Programmieren an der HafenCity Universität, beherrscht fünf Programmiersprachen und braucht eine Einführung in die Grundlagen schon lange nicht mehr. „Ich wusste, dass dieser Workshop eher für Kinder ist“, erklärt der Professor mit den strubbeligen grauen Haaren. „Aber ich bin ein großer Apple-Fan und versuche, hier jedes Angebot mitzunehmen.“

Dass sich die Organisation so einsetzt, junge Menschen an die Kunst der Informatik heranzuführen, begrüßt Egge. „Ich befürchte, dass die Zukunft beherrscht wird von einzelnen Programmierern, die ganz viel Geld verdienen“, sagt er. „Der Otto-Normal-Verbraucher wird das einfach schlucken. Deshalb bin ich dafür, diese Barriere zu durchbrechen und den Menschen zu zeigen, dass ein Programmierer auch aus dem ‚normalen Volk’ kommen kann.“ So wie zum Beispiel Hanna.