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Battlefield 3: Egoshooter mit "Suchtpotenzial"

Battlefield 3 von Electronic Arts gehört zu den besten Computerspielen 2011, für das sich Gregor P. extra seinen Urlaub genommen hat.

Hamburg. 28 Grad Celsius, weißer, feiner Sandstrand, die Hängematte ist zwischen zwei Kokosnuss-Palmen befestigt und die Wellen branden in der Bucht - so stellen sich viele Berufstätige ihren Urlaub vor. Gregor P. verbringt seine freien Tage auf andere Art: mit Explosionen, Maschinengewehr-Salven, Düsenjets und Panzern. Doch nicht etwa auf einem Kriegsschauplatz in Afghanistan, sondern im heimischen Wohnzimmer. Der 24-Jährige spielt Battlefield 3 und hat sich zum Erscheinungsdatum fünf Tage freigenommen, um das neue Kriegsspiel von Electronic Arts auf der Playstation 3 zu spielen.

Ein Jahr hat der Junior-Manager eines deutschen Großkonzerns gebannt auf den siebten Teil der Battlefield-Reihe gewartet. „Das ist so verrückt. Endlich ist es da.“ Nach Battlefield 1942, Battlefield Vietnam, Battlefield 2, Battlefield Modern Combat, Battlefield 2142, Battlefield Bad Company, Battlefield Heroes, Battlefield 1943 und Battlefield Bad Company 2 ist Battlefield 3 ein weiterer Ego-Shooter der Unterkategorie Taktikshooter. Der Spieler schlüpft im Singleplayer in die Rolle eines US-Marine, der Terroristen bekämpft und eine nukleare Katastrophe in New York verhindern will. Dabei findet sich der Spieler im Irak und im Iran wieder, kämpft in Paris und New York. Die vielen Grafikdetails lassen zeitweise vergessen, dass es sich um ein Computerspiel handelt. Allerdings ist der Singleplayer schnell abgeschlossen - selbst für ungeübte Spieler etwas enttäuschend.

Dafür haben sich die Macher von Dice, der schwedischen Tochterfirma des Spieleherstellers Electronic Arts (EA), beim Multiplayer besonders viel Mühe gegeben. Wie in den bisherigen Teilen sind vor allem die Fahrzeuge das Charakteristikum von Battlefield. Auf den zum Teil riesigen Spielwelten, auf denen es Stützpunkte zu verteidigen, Bomben zu legen oder zu entschärfen gilt, ist der Spieler ohne Fahrzeuge fast aufgeschmissen. Den beiden Zwölf-Mann-Teams stehen daher Flugzeuge, Helikopter, Panzer und Jeeps zur Verfügung.

Bei den Spielen, in denen Stützpunkte erobert werden, hat das Team verloren, dessen Punktekonto, von dem nach jedem verlorenen Stützpunkt oder Tod eines Spielers Punkte abgezogen werden, als erstes leer ist. Bei den „Rush“-Spielen, bei denen Bomben an bestimmten Plätzen gezündet oder entschärft werden müssen, gibt es ebenfalls Punktekonten, die herunterzählen.

Im Online-Modus erhält der Spieler Punkte für jeden eroberten Stützpunkt, jeden getöteten Gegner, jeder entschärften Bombe und jeder erfolgreicher Wiederbelebung der Mitspieler sowie zahlreichen anderen Aufgaben. Diese Punkte wandern auf ein Konto. Je mehr Punkte der Spieler sammelt, desto bessere Waffen und Zubehör werden ihm freigeschaltet. Es gibt bis zu 145 unterschiedliche Ränge. Bei den zum Teil chaotisch und hektisch wirkenden Gefechten im Internet ist nicht immer deutlich, woher die tödlichen Schüsse kommen. So kann es vorkommen, dass gerade ungeübte Spieler am Anfang sehr oft getötet werden. Dies weckt jedoch den Ehrgeiz, besser zu werden, was zum Suchtfaktor des Spiels werden kann. Um seine Punkte mit anderen Spielern und Freunden zu vergleichen, hat EA „Battlelog“, eine soziale Plattform ähnlich des Netzwerkes Facebook, ins Leben gerufen. Dort werden alle gesammelten Punkte gezeigt.

Allerdings stellt sich die Frage: Wie real dürfen Computerspiele noch werden? In einigen Szenen wirken die chaotischen, brutalen Kriegsszenen auch dank der Grafik wie abgefilmt. Erschreckend ist auch eine Mission im Single-Player, die an eine in den Nachrichten gezeigte Szene erinnert. Der Spieler soll aus einem Flugzeug eine Gruppe Menschen, offensichtlich Terroristen, markieren, die dann von einem weiteren Flugzeug per Luftschlag ausgeschaltet werden. Der Spieler ist dabei dichter am Geschehen als bei den gezeigten Ausschnitten in den Nachrichten. Er selbst führt die Befehle aus.

Durch die realistischen Szenen bekommen die Menschen vor den Bildschirmen einen Einblick, wie es sich in den Krisengebieten abspielen kann. Auf brutales Töten wird bei Battlefield 3 keinen Wert gelegt. Es fliegen weder Körperteile umher, noch wird unnötig viel Blut verspritzt.

Unterdessen wird auch Kritik laut, dass EA mit der notwendigen Software Origin seine Kunden ausspioniert. Auf der Internetseite nimmt EA Stellung zu den Vorwürfen: „Origin ist keine Spyware. Weder nutzen noch installieren wir Spyware auf Ihren PCs. Origin erfasst in begrenztem Umfang Informationen, die notwendig sind, um Ihnen das Kaufen, Herunterladen, Zugreifen und Spielen von Games und Spiele-Inhalten zu ermöglichen“, heißt es.

Für Gregor ging der Urlaub viel zu schnell vorbei. Doch sein Fazit nach fünf Tagen fällt positiv aus. „Der Singleplayer ist wie erwartet eine realistische und unglaublich gute Story, die sich hervorragend spielen lässt und bis zum Schluss beeindruckt. Battlefield 3 ist ein faszinierendes Spiel mit vielen verschiedenen Möglichkeiten. Die vielfältigen Features und Möglichkeiten sind gut durchdacht und gut aufeinander abgestimmt. Ein Spiel mit Suchtpotenzial. Da will man gar nicht mehr aufhören und noch weitere Tage Urlaub nehmen“, sagt er. Aber sein erstes Wochenende nach dem Urlaub verbringt der 24-Jährige dann doch mit seiner Freundin.

Battlefield 3 ist ab 18 Jahren und im Handel ab rund 50 Euro zu kaufen.