Openleaks

"Stresstest" für europäischen Konkurrenten von Wikileaks

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Openleaks steht kurz vor dem Start. Das Portal soll ebenfalls für Enthüllungen aus Politik und Wirtschaft sorgen. Hacker wollen nun die Sicherheit prüfen.

Nach dem weltweiten Erfolg von Wikileaks steht mit Openleaks eine europäische Konkurrenz kurz vor dem Start. Sie soll ebenfalls im großen Stil für Enthüllungen aus Politik und Wirtschaft sorgen. Das gab am Mittwoch die Berliner „Tageszeitung“ („taz“) bekannt, die nach eigenen Angaben der erste Kooperationspartner von Openleaks ist.

Der stellvertretende Chefredakteur der „taz“, Reiner Metzger, sagte, Openleaks werde alles unternehmen, um die Anonymität von Informanten zu schützen. „Wenn man eine Datei zur Verfügung gestellt hat, dann ist schon eine Sekunde später nicht mehr nachvollziehbar, wer die Seite angewählt hat“, sagte Metzger.

Der Informatiker Daniel Domscheit-Berg hatte Openleaks im Frühjahr dieses Jahres angekündigt. Er war einst Teil des harten Kerns von Wikileaks um dessen Gründer Julian Assange, hatte sich aber von dem Projekt verabschiedet. Domscheit-Berg teilte die Ziele und Aktionen von Assange nicht mehr uneingeschränkt.

Der Programmierer hielt diese Zeit in seinem Bestseller „Inside WikiLeaks – Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt“ fest. Wikileaks hatte zuvor vertrauliches Material über die US-Militäreinsätze in Afghanistan sowie ebenfalls geheime Depeschen der Botschaften und Konsulate der USA aus aller Welt publiziert.

Anders als Wikileaks will Openleaks lediglich als Plattform dienen, um wie ein toter Briefkasten technisch die Anonymität der Zuträger für Enthüllungen zu schützen. Openleaks solle selbst keine brisanten Dokumente veröffentlichen, hatte Domscheit-Berg schon früh erklärt. Der Gründer erklärt auf openleaks.org ausführlich sein Konzept.

Die Dateien sollen demnach von Openleaks entgegengenommen und an Partner weitergereicht werden. Das sollen Medien und Verbände sein. Laut „taz“ gehören neben ihr die Wochenzeitung „Der Freitag“, der Verband Foodwatch sowie die portugiesische Wochenzeitung „Expresso“ und das dänische „Dagbladet Information“ zu den ersten Partnern.

Der Openleaks-Testlauf sollte noch am Mittwoch auf leaks.taz.de freigeschaltet werden. „Die anderen Partner sind offenbar technisch noch nicht so weit“, sagt Metzger. Ziel sei es nun, das Portal zunächst bis zum Wochenende ausführlich zu prüfen.

Openleaks und die „taz“ hatten den Zeitpunkt der Testphase bewusst gewählt: Seit Mittwoch kommen auf dem jährlichen Chaos Communication Camp im Brandenburgischen Finowfurt IT-Experten und Hacker aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen.

Domscheit-Berg sagte dazu seinem Kooperationspartner „Der Freitag“: „Jeder der will, kann sich Openleaks fünf Tage lang ansehen und soll versuchen, die Plattform zu hacken, sie kaputt zu machen oder was auch immer.“ Einen Termin für den offiziellen Start von Openleaks wollte Domscheit-Berg allerdings noch nicht nennen. Das hänge nicht zuletzt von den Ergebnissen des angelaufenen „Stresstests“ ab.