Smartpen

Intelligenter Stift - Schluss mit der Zettelwirtschaft

Der Kugelschreiber Smartpen überträgt handschriftliche Notizen auf den Computer, wo sie leicht vervielfältigt werden können.

Hamburg. Ein Kugelschreiber, der nicht verschmiert? Der "Echo Smartpen" der Firma Livescribe genügt weit höheren Ansprüchen. Dank eines eingebauten Speichers merkt er sich Handschriftliches aller Art - von der kurzen Notiz bis hin zur Zeichnung. Per USB-Kabel lässt sich das Geschriebene später auf einen Computer übertragen, als digitale Kopie, die der Autor schnell vervielfältigen kann. Mit Hilfe einer Volltextsuche in der Software des Smartpen sind Aufzeichnungen zu bestimmten Themen später leicht wiederzufinden - ein weiterer Vorteil gegenüber der analogen Zettelwirtschaft.

Das Geheimnis des intelligenten Stifts: In seiner Spitze ist eine Infrarotkamera eingebaut. Damit diese erkennt, wo auf dem Papier sie sich befindet, benötigt sie spezielle Blocks mit aufgedruckten Punktmarkierungen. Diese sind in diversen Formaten erhältlich, aber nicht ganz billig. Rund zehn Euro kostet ein gebundenes Notizbuch mit 100 Seiten. Mit einem handelsüblichen Drucker kann man solches Smartpen-Papier aber auch selbst anfertigen.

Der Stift hilft Nutzern, die schnell viele Informationen festhalten wollen

Am Ende jeder Blockseite gibt es ein Menü zum Abrufen der wichtigsten Stiftfunktionen. Unter anderem lässt sich darüber eine Sprachaufnahme starten, die dem geschriebenen Text zugeordnet wird. Tippt man später mit dem Smartpen auf die entsprechende Stelle im geschriebenen Text, spielt er automatisch die dazu passende Aufnahme ab. Diese Kombination von Stift und Diktiergerät ist für all jene hilfreich, die schnell viele Informationen festhalten müssen, ohne dabei ganze Romane schreiben zu wollen. Man notiert einfach ein paar Stichworte und diktiert seine Ideen dazu, um sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzuspielen. Sinnvoll ist dieses Prinzip auch, wenn man sich bei Vorträgen oder Meetings Notizen macht. So muss man nicht mehr jedes Wort mitschreiben - ein Stichwort genügt, das man später antippt, um sich eine Passage anzuhören.

Durch sein eingebautes Diktiergerät kann der Stift Notizen mit Sprachkommentaren verknüpfen

Bevor der Umgang mit dem Smartpen in Fleisch und Blut übergeht, muss man allerdings eine Weile üben. Immerhin gibt es dabei einiges zu entdecken. Der Smartpen fungiert beispielsweise auch als Taschenrechner. Das Aufzeichnen von Schrift und Sprache funktioniert verblüffend gut.

Wem die mitgelieferten Funktionen nicht reichen, der kann über die Seite des Herstellers kostenpflichtige Zusatzprogramme herunterladen, sogenannte Apps. Etwa ein Übersetzungsprogramm, das die geschriebenen Worte in nahezu jede Sprache überträgt und als Sprachausgabe wiedergibt. Eher spaßig als wirklich sinnvoll ist das virtuelle Klavier, dessen Tasten man auf das Papier malt und dann mit der Spitze des Stiftes anschlägt.

Ein ganz anders Konzept liegt "DigiMemo" von Blu Innovation zugrunde. Das System besteht aus einem elektronischen Klemmbrett und einem Spezialstift. Der Nutzer schreibt auf handelsüblichem Papier, was gegenüber dem Smartpen Kosten spart. Das DigiMemo-Klemmbrett zeichnet alles auf, was auf ihm geschrieben oder gezeichnet wird. Bedient wird das Gerät über eine Tastenleiste am linken Rand. Nach dem Wechsel der Papierseite muss man dem System per Tastendruck mitteilen, dass man auch in den digitalen Aufzeichnungen eine neue Seite beginnen möchte. Der eingebaute Speicher hat laut Hersteller Platz für fast 1000 Seiten. Sprachaufzeichnungen sind aber nicht möglich. Dafür ist der Stift schmaler und liegt besser in der Hand als der recht klobige Smartpen.

Das digitale Klemmbrett ist sehr leicht, handlich und damit viel leichter zu transportieren als ein Notebook oder ein Tablet wie Apples iPad. Die Notizen werden selbst dann noch zuverlässig erkannt, wenn man auf einem Block schreibt. Übertragen werden sie per USB-Kabel oder über einen separat erhältlichen Bluetooth-Adapter. Die dazugehörige Software ist einfach gehalten. Die Seiten können in einem eigenen Format namens E-Book gespeichert, ins PDF-Format umgewandelt oder in das Office-Programm OneNote exportiert werden.

Für die Bearbeitung der Notizen ist ein spezielles Programm nötig

Ein Knackpunkt beider Systeme ist die Weiterverarbeitung der erzeugten Daten. Um die handschriftlichen Notizen in ein digitales, mit Textverarbeitungsprogrammen kompatibles Format umzuwandeln, muss man für beide eine zusätzliche Texterkennungssoftware namens MyScript erwerben. Falls man diese nicht zusammen mit dem Gerät kauft, kostet das noch einmal bis zu 50 Euro. Diese Anschaffung ist für das DigiMemo eigentlich unerlässlich, wenn man nicht nur digitale Kopien der handschriftlichen Aufzeichnungen erstellen will - denn dann könnte man sie auch einfach einscannen. Die Konvertierung funktioniert in beiden Fällen halbwegs akzeptabel - vorausgesetzt, man bemüht sich um eine halbwegs leserliche Schrift. Smartpen und DigiMemo arbeiten mit Windows-PC und Mac-Rechnern zusammen. Welchem Gerät man den Vorzug gibt, hängt von den Arbeitsgewohnheiten ab; es ist aber auch eine Frage des Preises: Während die Acht-Gigabyte-Version des vielseitiger einsetzbaren Smartpens mit Notizblock, Ersatzminen und Kopfhörer rund 250 Euro kostet, ist der DigiMemo im Din-A4-Format mit Stift schon für rund 150 Euro zu haben.