Surface

Mit diesem Tablet greift Microsoft das iPad an

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abendblatt.de

Microsoft stößt in den Tablet-Markt vor. "Surface" kommt in zwei Versionen: Eine ist für den Heimgebrauch gedacht und wird von Windows RT betrieben, die andere für den professionellen Gebrauch mit dem gleichen Betriebssystem wie PCs.

Los Angeles. Der US-Softwarekonzern Microsoft stößt mit „Surface“ in den Tablet-Markt vor. Das mobile Gerät wurde am Montag (Ortszeit) in einer kurzfristig angekündigten Pressekonferenz in Los Angeles vorgestellt. „Surface“ kommt in zwei Versionen: Eine ist für den Heimgebrauch gedacht und wird von Windows RT betrieben, die andere für den professionellen Gebrauch mit dem gleichen Betriebssystem wie PCs. Microsoft stellt damit erstmals seit 37 Jahren wieder selbst Windows-Hardware her. Auf einer Pressekonferenz in Los Angeles präsentierte der US-Konzern seine neue Produktreihe Surface (dt. „Oberfläche"). Mit einem Modell will Microsoft direkt das iPad angreifen, mit dem anderen eher Leichtgewicht-Laptops wie beispielsweise von Dell den Rang ablaufen. Beide Geräte sollen als Plattform für das neue Betriebssystem Windows 8 dienen, das spätestens im Herbst den Markt aufmischen soll. Wann die Tablets erstmals in den Läden liegen und wie teuer sie werden, teilte Microsoft nicht mit.

Beim Schutzdeckel haben Kunden die Wahl zwischen einem drei Millimeter dünnen sogenannten Touch Cover mit Sensortasten und dem Type Cover mit klassischen Tasten, das zwei Millimeter dicker ist. Die Surface-Tablets stecken in einem anthrazitfarbenem Gehäuse aus einer Magnesium-Legierung und sind mit Micro-SD-Karten-Slot, USB-Ports, n-WLAN sowie einer HD-Front-Kamera und einer rückwärtigen Kamera zum Beispiel für Videotelefonate ausgestattet.

Zuerst verfügbar sein soll eine 9,3 Millimeter dünne Surface-Version mit stromsparendem ARM-Prozessor und Windows RT – das ist die für mobile ARM-Chips optimierte Windows-8-Version. Das Gewicht gibt der Hersteller mit 676 Gramm an. Der USB-Anschluss arbeitet nach dem 2.0-Standard, externe Displays lassen sich über einen Micro-HDMI-Port anschließen. Der Speicher ist entweder 32 oder 64 Gigabyte (GB) groß.

Mit 13,5 Millimeter und 903 Gramm ist das ebenfalls angekündigte Surface-Tablet mit Windows 8 Pro deutlich dicker und schwerer. Dafür arbeiten auch leistungsstarke Quad-Core-Prozessoren der dritten Intel-Core-Generation in dem Tablet, das zudem mit USB 3.0 und Mini-Display-Port ausgerüstet ist und auch Micro-SD-Speicherkarten nach der aktuellen SDXC-Spezifikation unterstützt. Microsoft liefert beim großen Surface auch einen Eingabestift für den Touchscreen mit. Es sind zwei Konfigurationen mit 64 oder 128 GB Speicher angekündigt.

Die Äpfel im Tablet-Geschäft hängen hoch, seit Apple 2010 mit dem iPad praktisch einen neuen Markt schuf und die bis dahin dümpelnde Nachfrage nach Tablets weltweit anheizte. Allein im laufenden Jahr sollen laut Schätzung des Marktforschungsinstituts Gartner mit 119 Millionen Exemplaren doppelt so viele Tablets verkauft werden wie 2011. Der Marktanteil von Apple liegt demnach bei 61 Prozent. Das Wachstum ist weit größer als auf dem klassischen PC-Markt, wo immer noch 90 Prozent aller Geräte mit Windows laufen.

Analysten gaben sich skeptisch ob der Erfolgsaussichten für Microsoft. „Die Frage ist, warum Microsoft das tut“, sagte Gartner-Analyst Michael Silver. Es bestehe die Gefahr, dass der Konzern seinen eigenen Auftragskunden Konkurrenz mache. Hardware-Partner sind unter anderem Samsung Electronics und Hewlett Packard. Bisher gilt Samsung mit seiner Galaxy-Reihe auf Basis des Android-Betriebssystems von Google als größter Apple-Konkurrent. Im Gegensatz zu Apple, die seit Jahren Hardware sowie Software anbieten, hat Microsoft bisher seine Software anderen Konzernen gegen Lizenz angeboten. Lediglich bei der Spielekonsole Xbox hat Microsoft bisher als Gerätehersteller Erfahrungen gesammelt – nach milliardenschweren Investitionen gilt die Xbox heute als Erfolgsgarant. Der Musikabspieler Zune und das Kin-Handy der Amerikaner waren hingegen Fehlschläge.

„Ich sehe die Geräte nicht als iPad-Killer, aber sie haben eine Menge Potenzial“, sagte Sarah Rotman Epps. Nachbörslich stiegen die Microsoft-Papiere um 0,8 Prozent. Vor allem die Details kamen gut an. So soll zumindest eins der Geräte über USB-Anschlüsse sowie MicroSD-Slots verfügen, die beispielsweise das iPad nicht aufweist. Die Modelle sollen schwerer als Apples neues iPad, jedoch etwas dünner und entweder mit 32 oder 64 Gigabyte ausgestattet sein. Die leichtere und dünnere Version der beiden Surface-Modelle wird mit einem Nvidia -Chip arbeiten und zeitgleich mit der Windows-8-Einführung auf den Markt kommen. Die Abdeckung des Geräts soll als Tastatur funktionieren.

Entgegen der Erwartungen gab Microsoft-Chef Steve Ballmer nicht an, ob die Tablets auch über Xbox-Features verfügen, den Skype-Telefondienst, den die Amerikaner im vergangenen Jahr gekauft haben, oder den E-Reader von Partner Barnes & Noble's.

Die fünf größten Hersteller von Tablet-Computern 2011

– Apple, Hersteller des iPad, weltweit 40,5 Millionen ausgelieferte Exemplare, 62 Prozent Marktanteil.

– Samsung, Hersteller des Galaxy line, 6,1 Millionen, neun Prozent.

– Amazon, Hersteller des Kindle Fire, 3,9 Millionen, sechs Prozent.

– Barnes & Noble, Hersteller des Nook, 3,3 Millionen, fünf Prozent.

– AsusTek, Hersteller des Transformer, 2,1 Millionen, drei Prozent.

– Andere, 9,4 Millionen, 14 Prozent.

Mit Material von dpa und dapd

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