Sex-Podcast

„Ich gucke nur ihm zuliebe Pornos. Ist das falsch?“

| Lesedauer: 6 Minuten
Katrin Hinrichs und Hajo Schumacher
Das gemeinsame Konsumieren pornografischer Filme noch vor dem eigenen Geschlechtsakt – eine gute Idee?

Das gemeinsame Konsumieren pornografischer Filme noch vor dem eigenen Geschlechtsakt – eine gute Idee?

Foto: Panthermedia

Die Hamburger Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs und Journalist Hajo Schumacher erörtern intime Fragen von Lesern und Hörern.

In der neuen Folge von „Ich frage für einen Freund“, dem Sex-Podcast für Erwachsene, beantworten der Journalist und Moderator Hajo Schumacher und die Hamburger Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs diesmal Fragen der Leser und Hörer, die ihnen in den vergangenen Wochen gestellt worden sind.

Blasenentzündung nach dem Sex vorbeugen

Manche Fragen seien klein, manche groß, manche lustig, manche dramatisch, manche medizinisch, kündigt Schumacher an, um dann mit dieser zu beginnen: „Eine Frau, die sich Iris nennt, möchte wissen: Sollte man möglichst bald nach dem Liebesspiel auf die Toilette gehen?“

Hinrichs, die Fragende für Alltagshelden hält, antwortet: „Das sollte man 10 Minuten danach machen, denn so wird die Wahrscheinlichkeit einer unangenehmen Blasenentzündung reduziert, falls da irgendwelche Bakterien unterwegs sind. Und das gilt nicht nur für Frauen, sondern nützt auch bei Männern.“ Vor allem wenn die Hormone mit dem Älterwerden nachlassen, werde untenrum alles etwas empfindlicher – das allerdings tatsächlich vor allem bei Frauen.

Wenn der verheiratete Mann Männer begehrt

Ein anonymer Mann fragt: „Ich liebe meine Frau, wir sind schon seit über zehn Jahren zusammen. Aber ich bin sehr neugierig auf Sex mit einem anderen Mann. Bin ich bi? Bin ich vielleicht sogar schwul? Kann ich mit meiner Frau darüber reden, oder soll ich es lieber heimlich ausprobieren?“

Die Expertin lobt auch diese Frage und erklärt: „Sexualität zu einem anderen Mann erotisierend zu finden, ist für den Fragesteller offenbar ein neues Gebiet. Ob das dann gleich eine Bedrohung für die Beziehung zu seiner Frau darstellt, wenn man offen drüber redet, kann ich so nicht einschätzen.“

Möglich sei, dass der Sex mit dem Mann gar nichts ist, und dann sollte man nicht gleich die ganze Beziehung riskiert haben, wenn diese sonst stabil ist. „Es gibt gute und schlechte Geheimnisse, das muss sich jeder selbst überlegen, wie offen man dem Partner gegenüber ist.“

Bindungsängste – woran liegt das?

Eine Single-Frau namens Heike hat dieses Problem: „Ich kann nicht vertrauen. Immer, wenn ich mit einem Mann eine gewisse Nähe erreicht habe, bin ich weg. Woran kann das liegen?“

Hinrichs hält eine tiefergehende Bindungsstörung durch Erlebnisse in der Kindheit für eine mögliche Ursache – strenge oder uninteressierte Eltern etwa, die immer eher distanziert als empathisch gewesen seien.

„Oder, das gibt es auch: Ist sie vielleicht verliebt in das Verliebtsein?“ Dieses Gefühl lasse meistens nach zwölf bis 18 Monaten stark nach, zugleich nehme die beziehungsbezogene „Sehstärke“ zu. Und die offenbare dann halt nicht nur Schokoladenseiten.

„Ich frage für einen Freund“ – die Hörerfragen:

Rollenspiel als Kick für Langzeitpaare?

Es folgt eine Frage von „Mister X“, verlesen von Schumacher: „Wir sind lange und glücklich verheiratet, über 20 Jahre. Da geht der Kitzel natürlich etwas verloren. Ich würde gerne ein Spiel inszenieren, bei dem meine Frau und ich uns zum Beispiel an einer Hotelbar treffen – und wir tun so, als wäre es das erste Mal. Die Idee dabei ist, dass wir am Ende auf dem Hotelzimmer landen und es wild zur Sache geht. Aber ich habe auch Angst vor einer Enttäuschung. Soll ich es riskieren?“

Hinrichs findet die Idee nicht schlecht. „Rollenspiele können den Sex durchaus aufpeppen. Einfach mal machen!“ Was denn schlimmstenfalls passieren könne, fragt Schumacher. „Dass der Sex ist wie immer, mehr eigentlich nicht“, so die Expertin.

Sex-Abenteuer darf nicht im Stress enden

Ilona möchte wissen: „Ich stehe total auf Sex an Orten, wo man erwischt werden kann. Mein Partner findet das merkwürdig. Wie kriege ich ihn dazu, dass er mitmacht?“ Verbote, so Hinrichs, gelten bekanntlich als Libido-Trigger: „Wenn mehr Adrenalin im Körper ist und damit mehr Hormone im Spiel sind, bringt einen das schon in Fahrt. Aber er darf nicht in einen Stress-Modus kommen, dann wird das sicher nichts mit einer Erektion.“

Insofern sei vielleicht ein gewisses Herantasten an pikante Situationen der richtige Weg. „Man muss es ja nicht gleich auf dem Zebrastreifen treiben wollen. Lieber mal im dunklen Auto oder so anfangen.“ Die berühmte Flugzeugtoilette oder der Fahrstuhl seien hingegen eher etwas für Fortgeschrittene.

Ejakulation nur außerhalb – warum?

„Jetzt habe ich eine etwas dramatische Frage, wieder von einer Frau. Sie nennt sich Gini und sagt: Mein Freund kann immer nur außerhalb kommen, also nicht in mir. Er penetriert mich zwar, kommt aber nicht in mir. Ist das noch normal? Mir tut das weh, seelisch, nicht körperlich.“

Hinrichs rät: „Ich kann das Problem verstehen. Dieser Mann ist einer, der wohl zu viele Pornos geguckt hat und nur auf Druck reagiert. Er sollte eine Sexualtherapeutin oder einen Therapeuten aufsuchen, und dann kann er lernen, seinen Penis zu resensibilisieren.

Es geht um andere Stimulationsmuster, die kann man zum Glück trainieren. Ob physikalische Hilfsmittel wie ein Penisring oder medikamentöse wie Cialis helfen, kann man dann auch besprechen.“

Pornos gucken vor dem Sex – gute Idee?

Die letzte Frage, auch von einer Frau: „Mein Freund möchte immer vor dem Sex Pornos gucken. Ich gucke nur ihm zuliebe mit. Ist das falsch?“

Hinrichs: „Hier stellt sich die Frage nach der Erregungsquelle.“ Da sollte sich der Mann den Porno lieber abgewöhnen, sonst sei es ähnlich wie beim vorherigen Fall. Mal einen Pornos zu gucken sei okay – zu viel jedoch nicht hilfreich.

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