Gesundheit

Nur wenige Hamburger nutzen Terminservice für Fachärzte

Eine Patient wird beim Augenarzt untersucht

Eine Patient wird beim Augenarzt untersucht

Foto: Istock

Das neue Angebot zur raschen Vermittlung an Fachärzte läuft nur schleppend an. Bei welchen Fachärzten es die größte Nachfrage gab.

Hamburg.  Die Vermittlung von Facharztterminen über die neu eingerichteten Terminservicestellen (TSS) bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) läuft in Hamburg nur schleppend an. Seit dem Start dieser Einrichtung am 25. Januar wurden in den ersten fünf Wochen zwischen 30 und 55 Terminen pro Woche vermittelt. Das geht aus einer Statistik der KV hervor.

Die TSS sollen nach der gesetz­lichen Vorgabe der Bundesregierung Patienten, die von ihrem Hausarzt eine Überweisung mit einem Dringlichkeitscode erhalten haben, innerhalb von einer Woche einen Termin bei einem Facharzt zu vermitteln, der innerhalb einer Frist von vier Wochen nach dem Anruf des Patienten liegt. Für Termine bei Augenärzten oder Gynäkologen ist keine Überweisung erforderlich.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern hat sich gezeigt, dass Hamburg bei der Inanspruchnahme dieser Einrichtung das Schlusslicht bildet. „Die Erklärung dafür kann nur sein, dass der Bedarf in Hamburg sehr gering ist. Das wiederum liegt an der guten Versorgung, die wir in der Hansestadt haben“, sagt Dr. Jochen Kriens, Pressesprecher der KV Hamburg. Eine Rolle spiele sicher auch, dass Hamburg ein Stadtstaat sei, in dem jeder Facharzt in erreichbarer Nähe vorhanden sei. In den Flächenländern sehe das schon anders aus. Erreichbar über die TSS sind 2459 niedergelassene Fachärzte in Hamburg.

Größte Nachfrage bei Rheumatologen und Neurologen

Am häufigsten nachgefragt wurden nach Angaben der KV Termine bei Neurologen und bei Rheumatologen. Jeweils ein Viertel der Anrufe galt einem Termin bei diesen Spezialisten. Alle übrigen Terminwünsche verteilten sich auf die anderen Facharztgruppen.

Rheumatologen zählen zu den hochspezialisierten Fachärzten. Zurzeit gibt es in Hamburg nur fünf große Praxen, in denen jeweils mehrere Rheumaspezialisten arbeiten. Wegen der hohen Nachfrage wurden die Rheumatologen gebeten, zwei freie Termine pro Arzt und Monat an die TSS zu melden. Bisher mussten sie nur einen Termin melden. „Es kommen nicht nur Notfälle, sondern auch viele Patienten, die mit ihren Beschwerden bereits eine lange Odyssee hinter sich haben und jetzt noch eine Zweit- oder Drittmeinung haben wollen“, sagt Dr. Peer Aries, niedergelassener Rheumatologe. Er hat auch festgestellt, dass nur bei 25 Prozent der Patienten, die über die TSS zu ihm kommen, tatsächlich eine Rheumadiagnose gestellt wird. „Bei den Patienten, die sich über den herkömmlichen Weg bei uns anmelden, sind es 50 bis 70 Prozent“, sagt Aries. Außerdem würden zehn bis 15 Prozent der Patienten, die über die TSS vermittelt würden, nicht zum vereinbarten Termin erscheinen.

Wie aus der Statistik der KV hervorgeht, wird nur ein Bruchteil der Anrufer tatsächlich vermittelt. Als Beispiel nennt Kriens die vierte Kalenderwoche dieses Jahres. In der Woche gingen 203 Anrufe bei der TSS ein. 78 Anrufer legten bereits wieder auf, während die Bandansage lief, sodass es 125 Gespräche mit der TSS gab. Von diesen Anrufern hatte aber fast die Hälfte allgemeine Anfragen, zum Beispiel zu medizinischen Problemen oder dazu, wie die TSS funktioniert. 78 hatten einen Terminwunsch. Neun konnten ohne Dringlichkeitscode an einen Augenarzt oder Gynäkologen vermittelt werden. Bei den anderen 69 war ein Dringlichkeitscode auf der Überweisung erforderlich, der aber nur bei 33 vorlag. Da auch einige Anrufer ihren Terminwunsch wieder stornierten, konnten letztendlich 31 Anrufer an einen Facharzt vermittelt werden. Das sei eine extrem niedrige Inanspruchnahme wenn man davon ausgehe, dass die geschätzte Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte in Hamburg pro Woche bei etwa 300.000 liege, sagt Kriens.

Bei den Kassen steigen Anfragen nach Facharztterminen

Die Hamburger Techniker Krankenkasse berichtet unterdessen über steigende Anfragen von ihren Versicherten. „Seit die TSS läuft, haben wir bei unserem eigenen Terminservice für unsere Versicherten bis zu zehn Prozent mehr Anrufe“, sagt Natalie Quadbeck, Pressereferentin der TK Hamburg. Allerdings ist bei diesem Service auch kein Dringlichkeitscode nötig, und die Wünsche der Patienten werden berücksichtigt.

Bei der DAK ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Von Januar bis Februar seien bundesweit die Anfragen beim Terminservice, den die DAK ihren Versicherten anbietet, um 30 Prozent gestiegen, sagt Rüdiger Scharf, Pressesprecher der DAK Gesundheit in Hamburg. Auch bei diesem Service muss nicht die Dringlichkeit des Termins nachgewiesen werden, der Anrufer erhält einen Termin bei einem Arzt der gewünschten Fachrichtung in seiner Nähe. Das wirft auch die Frage auf, ob die Zugangsbeschränkungen bei der TSS nicht ein weiterer Grund dafür sind, dass nur so wenige Hamburger von diesem Service Gebrauch machen.