Rauchen

Lungenkrebs bei Frauen bald häufiger als Brustkrebs?

Vor allem Frauen in der mittleren Altersgruppe fällt es besonders schwer, mit dem Rauchen aufzuhören

Vor allem Frauen in der mittleren Altersgruppe fällt es besonders schwer, mit dem Rauchen aufzuhören

Foto: Picture Alliance

Immer mehr Frauen sterben an Folgen von Nikotinkonsum. Vor allem mittelalte Raucherinnen gefährdet. Hamburg bleibt Qualmer-Hochburg.

Wiesbaden. Die Raucher sind in der Minderheit, der Tabakkonsum geht vor allem bei jungen Leuten zurück - dennoch sterben immer mehr Frauen in Deutschland an den Folgen des Rauchens. Krebserkrankungen, die mit Tabakkonsum in Verbindung gebracht werden können, seien 2013 für 15.370 Frauen tödlich gewesen, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag. Im Jahr 2005 waren 11.870 Frauen daran gestorben. Zu den tabakbedingten Krebserkrankungen gehören Lungen- und Bronchialkrebs sowie Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs.

Die Zahlen werden auch in den nächsten 10 bis 20 Jahren steigen, sagt die Heidelberger Expertin Martina Pötschke-Langer voraus. Grund: Vor allem in der mittleren Altersgruppe der Frauen werde weiter geraucht. Diesen Frauen falle es besonders schwer, damit aufzuhören, sagte die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention beim Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. „Wenn sie einmal drin sind in der Nikotinsucht, bleiben sie es ein Leben lang.“ Der Anteil der Raucherinnen war 2013 nach Angaben der Statistiker in der Altersgruppe von 25 bis 29 Jahren mit 31 Prozent am höchsten.

Lungenkrebs bald häufiger als Brustkrebs?

Allein Bronchien- und Lungenkrebs sei 2013 für 15 129 Frauen tödlich gewesen, heißt es in der Statistik. Es war die siebthäufigste Todesursache bei Frauen. Falls sich die Entwicklung fortsetze, werde diese Diagnose künftig häufiger auftreten als Brustkrebs, schreiben die Statistiker. Sie hatten nur die tabakbedingten Krebserkrankungen berücksichtigt. Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass viele Herz-Kreislauferkrankungen - nach wie vor Todesursache Nummer eins - auch auf das Rauchen zurückgeführt werden können.

Frauen holen gegenüber Männern auf

Immer noch sind Männer häufiger betroffen. Aber Frauen holen auf, und die Entwicklung ist gegensätzlich: 2005 starben 25,7 Frauen je 100.000 Einwohner an Krebs als Folge von Rauchen, acht Jahre später waren es schon 31,0 Frauen je 100.000 Einwohner. Bei den Männern zählten die Statistiker 50,1 Sterbefälle je 100.000 Einwohner 2013, im Jahr 2005 waren es noch 57,3 je 100.000 Einwohner gewesen.

Bei jungen Leuten zeigen Präventionsprogramme offenbar Wirkung: So stieg der Anteil der Nichtraucher in den jüngeren Altersgruppen zwischen 2005 und 2013 um zehn Prozentpunkte. Bei den 15- bis 19-jährigen Männern verzichten 84 Prozent aufs Qualmen, bei den gleichaltrigen Frauen sind es 89 Prozent.

Hamburg bleibt Raucher-Hochburg

Im Bundesvergleich halten Hamburgs Raucher hartnäckig den Spitzenplatz. Jeder Vierte (25,7 Prozent) in der Hansestadt ist Raucher, bundesweit sind es 24,5 Prozent, wie die Techniker Krankenkasse (TK) unter Berufung auf die aktuellen Daten des Statistikamtes mitteilt. Die höchste Raucherquote habe demnach Berlin mit 28,8 Prozent, die geringste Bayern mit 22,1 Prozent.

Gleichwohl belegen die Erhebungen, dass die Zahl der Raucher im Norden wie auch bundesweit seit Jahren zurückgeht. So hätten im Jahr 1999 noch 28,3 Prozent der Befragten in Deutschland geraucht, in Hamburg waren es sogar 32,8 Prozent. Zwischen der Befragung 1999 und der jüngsten Erhebung 2013 ist die Raucherquote hierzulande somit um rund sieben Prozentpunkte gesunken.

Junge Menschen verzichten auf Glimmstängel

Der Vergleich mit 2009 zeige, dass in ganz Deutschland zunehmend junge Menschen auf den Glimmstängel verzichten. "Die Zahl der Raucher zwischen 15 und 25 Jahren ist deutlich zurückgegangen, während sie bei den über 55-Jährigen gestiegen ist. Männer rauchten 2013 wie in den Jahren zuvor häufiger als Frauen", berichtet die TK.

„Der Konsum von Tabak ist für junge Menschen besonders schädlich, daher ist es erfreulich, dass sie sich immer häufiger gegen das Rauchen entscheiden“, sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. „Die Raucherquote in Hamburg ist dennoch sehr hoch und muss weiterhin kleiner werden.“ (dpa/HA)