Darmkeim

Wissenschaftler warnen vor EHEC-Gefahr im Trinkwasser

Der EHEC-Erreger werde es darauf anlegen, "irgendwann wieder in den Menschen zu kommen", so ein Experte. Nistet er sich in der Umwelt ein?

Hamburg. Experten gehen davon aus, dass der EHEC-Erreger fähig ist, sich in der Umwelt einzunisten. Jetzt warnen Wissenschaftler davor, dass er auch ins Trinkwasser gelangen könnte. "Die Gefahr durch eine mikrobiologische Belastung des Trinkwassers wurde bisher absolut unterschätzt", sagte Martin Exner, Direktor des Hygiene-Instituts der Uni-Klinik Bonn und Vorsitzender der Trinkwasser-Kommission des Umweltbundesamts, dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Der Keim werde es darauf anlegen, "irgendwann wieder in den Menschen zu kommen", sagte Helge Karch, Direktor des Instituts für Hygenie des Universitätsklinikums Münster, dem Magazin. In den deutschen Ballungsgebieten sei die Gefahr eher gering, weil das Trinkwasser mehrmals am Tag kontrolliert werde. Anders sehe die Situation jedoch in kleineren Wasserwerken aus. Das Magazin berichtet von einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach in fünf Prozent der Proben aus kleineren Wasserwerken Baden-Württembergs und in fast jedem zweiten privaten Brunnen des Landes Darmbakterien schwammen. (dapd)

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In Deutschland sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) drei weitere Menschen im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC gestorben. Damit stieg die Zahl der gemeldeten EHEC- und HUS-bedingten Todesfälle bundesweit auf 42. Seit Ausbruch der Epidemie Anfang Mai sind 3688 Personen an EHEC oder dem Hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankt.

Zum aktuellen Stand der Epidemie veranstaltete die Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Gastroenterologie jetzt ein EHEC-Forum. Dr. Alexander Zoufaly, Infektiologe am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), beschrieb die Erstsymptome, mit denen die Erkrankten in die Klinik kamen. Während bei Erwachsenen vor allem blutige Durchfälle und krampfartige Bauchschmerzen auftraten, standen bei den Kindern Bauchschmerzen im Vordergrund und weniger die Durchfälle. Die Inkubationszeit von der Infektion bis zum Auftreten der Symptome dauerte mit durchschnittlich acht Tagen länger als bisher angenommen.

Es wurde auch deutlich, dass die Infektion in vielen Fällen mit Komplikationen verlief. Dr. Sebastian Ullrich, Leitender Oberarzt der I. Medizinischen Abteilung an der Asklepios-Klinik Altona, berichtete von Beobachtungen an 61 Patienten, bei denen der EHEC-Erreger nachgewiesen wurde. 43 von ihnen entwickelten im Verlauf der Erkrankung Komplikationen.

Noch immer bleiben viele Fragen offen. So sollen zum Beispiel weitere Untersuchungen des RKI klären, wie lange der EHEC-Erreger nach Abklingen der Symptome noch von Infizierten ausgeschieden wird.

Unterdessen haben sich die Hamburger Gesundheitsbehörde und der spanische Gemüsehändler Frunet im Zusammenhang mit dem EHEC-Erreger vor dem Verwaltungsgericht der Stadt angenähert. "Die bundesweite Aufhebung der Warnung vor dem Verzehr von Gurken, Salat und Tomaten umfasst auch die Produkte der Firma Frunet", teilte die Behörde gestern mit. Frunet sieht sich dadurch rehabilitiert. Mögliche Schadenersatzforderungen wegen voreiliger Warnhinweise sind jedoch noch nicht vom Tisch.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat den von der EHEC-Epidemie besonders betroffenen Kliniken in der Diskussion um finanzielle Entschädigung seine Unterstützung zugesagt. Er habe bereits einen Bericht bei den Krankenkassen angefordert, um zu sehen, ob die Möglichkeiten des Gesetzes ausreichend genutzt werden, sagte Bahr gestern. (cw/dpa)