Langzeitstudie

Kontakt mit Pestiziden erhöht das Risiko für Demenz

Paris. Wer bei der Arbeit ständig Pestiziden ausgesetzt ist, hat ein erheblich höheres Risiko für eine Demenz. Dies geht aus einer 1997 begonnenen Langzeitstudie des französischen Instituts für Volksgesundheit, Epidemie-Forschung und Entwicklung hervor, die gestern von der Wissenschaftszeitung "Occupational and Environmental Medicine" veröffentlicht wurde.

Für die Studie wurden 614 Arbeiter im Abstand von vier oder fünf Jahren zweimal neurologischen Tests unterzogen. Dabei wurden u. a. Gedächtnis, Sprachvermögen und Reaktionsfähigkeit getestet. Die zwischen 50 und 60 Jahre alten Arbeiter wurden in vier Gruppen unterteilt - je nachdem, wie stark sie in den vorangegangenen 20 Jahren Schädlingsbekämpfungsmitteln ausgesetzt waren.

Bei der zweiten Testreihe schnitten Landarbeiter, die in den Weinbergen von Bordeaux Kontakt mit besonders hohen Konzentrationen von Pestiziden hatten, deutlich schlechter ab als bei der ersten Untersuchung. Das Risiko eines starken Rückgangs der Gedächtnis- und Konzentrationsfähigkeit habe sich bei dieser Gruppe verdoppelt, heißt es in der Studie. Besonders auffallend sei das Abfallen der Leistungen in einem so kurzen Zeitraum und bei relativ jungen Testpersonen.

Frankreich ist der Studie zufolge in der EU das Land mit dem höchsten Pestizid-Einsatz. Demnach sind derzeit 800 000 Franzosen regelmäßig Schädlingsbekämpfungsmitteln ausgesetzt. Etwa ebenso viele französische Rentner hatten während ihrer Berufstätigkeit Kontakt mit Pestiziden. Weltweit steht Frankreich beim Einsatz dieser Chemikalien an vierter Stelle - nach den USA, Japan und Brasilien.