Typ-2-Diabetes

Haferkur senkt Insulinbedarf

Herzspezialisten in Bad Bevensen setzen bewährtes Hausmittel bei Diabetikern wieder ein

Bad Bevensen. Ein altes Hausmittel kommt zu neuen Ehren - die Haferkur. Ärzte am Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) in Bad Bevensen behandeln damit Patienten mit Typ-2-Diabetes, um ihren Insulinbedarf zu senken.

Bis in die 60er-Jahre war diese Methode an deutschen Kliniken nicht ungewöhnlich, geriet dann aber fast in Vergessenheit. Dass diese einfache Therapie jetzt neue Anhänger findet, ist einer Studie der Universität Heidelberg zu verdanken. Sie wies nach, dass eine zweitägige Haferkur eine Halbierung der Insulindosis erlaubt und der positive Effekt über vier Wochen anhält.

Diese Erkenntnisse wendet Prof. B. Andrew Remppis bei der Therapie seiner Patienten an. Der Herzspezialist, der vor anderthalb Jahren von der Uniklinik Heidelberg als Chefarzt der Kardiologie an das HGZ wechselte, setzt die Methode vor allem bei Patienten mit schwerer Herzschwäche und Diabetes ein. Patienten mit Verdacht auf ein metabolisches Syndrom, die Kombination von Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und Insulinresistenz, wird eine Haferkur verordnet.

Zwei Tage lang erhalten die Patienten nur Hafer, Wasser und Tee

Ziel ist es, ihren Insulinbedarf zu senken. "Denn Insulin sorgt nicht nur dafür, dass Zucker in die Zellen aufgenommen wird, sondern auch gleichzeitig für eine effektivere Fettresorption aus dem Darm", so Remppis. Zudem macht es hungrig, und so kommen die Patienten in einen Teufelskreis. Remppis: "Insulin macht dick. Und das Fett, das im Bauch und in der Leber abgelagert wird, ist ein hoch aggressives Gewebe. Es setzt Entzündungsbotenstoffe frei, erhöht die Gerinnungsfähigkeit des Blutes und steigert den Blutdruck."

Dieser Kreislauf lässt sich mit dem Getreide durchbrechen. Zwei Tage lang nehmen die Patienten außer Wasser, Hafer und Tee nichts zu sich. Der Hafer wird im heißen Wasser aufgekocht und soll im Extremfall ohne Zusätze gegessen werden. "Damit es besser verträglich ist, können meine Patienten morgens Zimt und Mandeln dazunehmen und ein bisschen Süßstoff. Mittags und abends wird das Rezept mit Gemüsebrühe gekocht, damit es nach etwas schmeckt. Diese drei Portionen Haferbrei am Tag führen dazu, dass das Insulin im Körper wesentlich besser wirkt", sagt der Kardiologe.

Dabei müssen die Patienten einiges beachten, damit sie nicht in eine gefährliche Unterzuckerung geraten. Remppis: "Jeder, der eine Haferkur plant, sollte das vorher mit seinem Hausarzt besprechen. Wichtig ist, dass die Dosis des Langzeitinsulins schon am Abend vor Beginn der Haferkur halbiert wird. Das Kurzzeitinsulin wird sowieso nur nach Bedarf gespritzt. Und es gibt Medikamente, die sich mit der Haferkur nicht vertragen. Deswegen müssen bestimmte Mittel gegen den Diabetes, die Sulfonylharnstoffe, abgesetzt werden." Durch den geringeren Insulinbedarf können die Patienten leichter abnehmen, werden aktiver und kommen in ein gesünderes Gleichgewicht.

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