Hirnhautentzündung

Toskana-Viren tauchen erstmals in Deutschland auf

Forscher machen Mücken für Übertragung des gefährlichen Erregers verantwortlich

München/Freiburg. In Baden-Württemberg sind nahe dem Oberrhein erstmals sogenannte Toskana-Viren nachgewiesen worden. Der Krankheitserreger, der eigentlich aus dem Mittelmeerraum stammt, könne leichte Hirnhautentzündungen hervorrufen, berichtet das Münchner Magazin "Focus". Überträger sind wahrscheinlich Sandmücken, schreibt das Magazin. Es beruft sich dabei auf eine noch unveröffentlichte Forschungsarbeit, die Mediziner der Universitäten Göttingen und Freiburg sowie des Klinikums Pforzheim im Journal "Emerging Infectious Diseases" eingereicht haben.

Nach einer Infektion komme es in vielen Fällen zu einer "leichten Hirnhautentzündung, die nach Tagen abklingt" zitierte "Focus" den Pforzheimer Neurologen Reinhard Kaiser. In ihrer Arbeit untersuchten die Forscher Entzündungsfälle ungeklärter Ursache aus mehreren Jahren. Zehn Patienten hätten Antikörper gegen das Toskana-Virus besessen und seien in der bis zu zwei Wochen dauernden Inkubationszeit nicht in Südeuropa gewesen. "Das Virus kommt jetzt in Baden-Württemberg vor", sagte Kaiser. In seltenen Fällen könnten die Toskana-Viren bleibende Nervenschäden nach sich ziehen.

Das Toskana-Virus wurde erstmalig 1960 in Italien in Sandmücken entdeckt. Bislang konnten drei unterschiedliche Typen des Erregers gefunden werden. Als natürliches Reservoir gelten Schafe, Ziegen und Fledermäuse, von denen dann das Virus durch Mücken auf den Menschen übertragen wird.

Das Virus konnte seitdem bereits in mehreren Ländern Südeuropas nachgewiesen werden. So sind Erkrankungsfälle aus Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland und Cypern bekannt. Besonders in Italien und Spanien zählt das Virus mit zu den Hauptverursachern von Gehirnhautentzündungen. So ergaben große epidemiologische Studien in Spanien, dass eine Infektion mit dem Toskana-Virus dort eine der drei führenden Ursachen für Meningitis ist. Auch in Italien spielt das Virus eine wichtige Rolle. So zeigte eine Studie, dass 40 Prozent der Fälle von Hirnhautentzündung und Gehirnentzündung bei Kindern in der Umgebung von Siena in Zusammenhang mit einer Infektion durch das Toskana-Virus standen.

Besonders Meningitisfälle, die in den Sommermonaten auftreten, werden oft durch dieses Virus verursacht. Alle Studien in Italien zeigten eindeutig, dass das Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren, im August am höchsten war, gefolgt von Juli und September.

Mit dem Toskana-Virus taucht bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit in Deutschland ein neues Virus auf, das aus dem Mittelmeerraum stammt. Im Frühjahr diesen Jahres hatten Wissenschaftler des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts ebenfalls in Baden-Württemberg erstmals sogenannte Sindbis-Viren in drei unterschiedlichen Mückenarten gefunden. Diese Erreger wurden erstmals 1952 in Ägypten entdeckt. Sie werden durch Mücken auf Menschen übertragen und können fieberhafte Erkrankungen mit rheumatischen Beschwerden verursachen. Ein Erkrankungsfall durch Sindbis-Viren ist allerdings in Deutschland noch nicht bekannt.