Alternativmedizin im Aquarium

Linderung, keine Heilung: Wenn Fische an Schuppenflechte knabbern

Die Therapie mag abenteuerlich klingen, kann aber zu einer Verbesserung des Befindens der Erkrankten beitragen.

Chronisch kranke Patienten sind oft zu allem bereit, um eine Linderung ihres Leidens zu erreichen. Wenn Medikamente und schulmedizinische Therapien nicht weiterhelfen, suchen Betroffene nach Alternativen. Bei der Schuppenflechte (Psoriasis), einer verbreiteten, chronischen Hautentzündung, ist eine dieser Alternativen klein, schwarz und hat Flossen: Die Kangal-Fische knabbern abgestorbene Hautstücke schonend ab und tragen zu einer Verbesserung des Befindens der Erkrankten bei.

Professorin Ingrid Moll, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gibt auf Anfrage des Abendblatts allerdings zu bedenken, dass diese Therapie "auf keinen Fall eine wissenschaftliche Methode" sei.

Auch wenn Patienten von Linderung berichteten, seien ihr keine Studien bekannt, die eine Wirksamkeit nachweislich belegen. Ebenso hält die UKE-Hautärztin nichts davon, die Fische, wie einige Betroffene es tun, in der eigenen Badewanne zu halten. "Wenn man so etwas macht, sollte die Behandlung unter ärztlicher Aufsicht stattfinden." Ihr sei in diesem Zusammenhang nur eine Klinik in der Türkei bekannt.

Die dortige Therapie ist allerdings durchaus aufwendig. Die Fische sind in den Quellen nahe der Stadt Kangal im Herzen Anatoliens (Türkei) beheimatet. In dieser abgelegenen Gegend leben sie in sehr mineralreichem Wasser, das ebenfalls zur Wundheilung beiträgt.

In dem Thermalbad, in dem Betroffene behandelt werden, ist der Tagesablauf streng geregelt. Die Schuppenflechte kann nur dann gelindert werden, wenn der Patient mindestens 21 Tage regelmäßig mit den Fischen zusammenkommt. Zweimal täglich stehen bis zu vier Stunden lange Sitzungen auf dem Programm.

Ein Hamburger Reiseunternehmen (Fener Reisen) organisiert Touren ins Thermalbad und verzeichnet pro Jahr im Schnitt 100 Buchungen. "Die Krankheit kann zwar nicht geheilt werden, aber Patienten berichten, dass ihre Symptome merklich und dauerhaft abgeklungen sind, mindestens für ein Jahr", sagt Heiner Rothmaier, Geschäftsführer des Unternehmens. Im Schnitt verbrächten Betroffene drei Wochen zu Therapiezwecken in der Türkei.

Die Kosten belaufen sich auf rund 2200 Euro, inklusive Flug, Unterkunft und Therapie. Doch laut Rothmaier übernehmen nur einige wenige Krankenkassen "auf Antrag und nach langen Diskussionen mit den Versicherten einen Teil der Kosten".