Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Hamburg gilt als weltoffene, tolerante Stadt. Das zeigt sich auch an den Kirchen, die hier vorbildhaft den interreligiösen Dialog führen. Zu den Empfängen der Bischöfe kommen sowohl die Vertreter der jeweils anderen christlichen Konfessionen als auch Vertreter der jüdischen und islamischen Gemeinden. In dieser Stadt gibt es eine Kultur des gegenseitigen Respekts. Aber dennoch gibt es Berührungsängste und Unwissenheit innerhalb der Bevölkerung, gerade gegenüber der muslimischen Gemeinschaft. Es gibt berechtigte Sorgen und diffuse Ängste vor der Radikalisierung von Jugendlichen und dem islamistischen Terror, der auch uns bedrohen könnte.

Dagegen setzen kann man nur Information und Differenzierung. Die Kirchen sind Bildungs- und Begegnungsstätten. Und Bildung und Begegnung sind die besten Hilfsmittel gegen Fremd- und Selbstausgrenzung, Stigmatisierung und Fanatisierung. Deswegen möchten wir mit diesem Heft den Islam in Hamburg in all seinen verschiedenen Facetten zeigen. Wir haben mit Imamen, jungen Muslimen und Christen gesprochen und zeigen, wo es Moscheen in der Stadt gibt und wie sie mit christlichen Gemeinden kooperieren.

Christen und Muslime haben ein gemeinsames Interesse daran, dass Religion in Deutschland öffentlich sichtbar und wirksam sein kann. Dies wird nicht nur von islamistischen Gewalttätern gefährdet, sondern auch von einer gut organisierten Allianz von fundamentalistischen Atheisten und Islamhassern. Ihnen gegenüber werben Kirchen und muslimische Organisationen für die Einsicht, dass Religionen einen wichtigen Dienst für die Allgemeinheit leisten können– wenn man sie lässt. Wir hoffen, dass dieses Heft zu weiteren Dialogen zwischen allen Gruppierungen einlädt.

Ihre Sabine Tesche und Johann Hinrich Claussen